Bändern . Ein fahler Anblick , dachte der Kommis . » Frau « , sagte Heißenstein zu seiner Gattin , die zärtlich nach seinem Befinden fragte , indem er nach Mansuet hinsah : » Er will gehen , Bozena und Röschen abzuholen . - Du hast doch nichts dagegen ? « Nannette biß sich auf die Lippen und antwortete mit der Versicherung , sie wolle sogleich das Frühstück besorgen und freue sich , daß ihr Mann gut geschlafen habe , man sehe es an seinen frischen Augen . Mansuet meinte im stillen , dies sei eine kühne Behauptung , denn jene Augen waren eingesunken und ihre müden Lider halb geschlossen . » Ich nehme gleich hier von Ihnen Abschied , meine Gnädigste « , sprach Weberlein , » noch vor Mittag will ich fort . « » Wozu die Eile ? « erwiderte Nannette . » Wozu überhaupt ... « sie stockte - » Bozena findet ohne Sie ihren Weg . « » Ich empfehle mich , meine Gnädigste ! « sagte Mansuet mit vor Zorn bebender Stimme , und wie aus dem Rohr geschossen flog er zur Tür hinaus . Aber nachdem er seinen Koffer bereits aufgegeben und seinen Platz im Poststellwagen bezahlt hatte , trat er , den breitkrempigen Hut à la Wallenstein und einen außerordentlich großen Regenschirm in den Händen , ohne sich anmelden zu lassen , in Nannettens Gemach . » Gnädigste ! « sagte er , und jedes seiner Worte war scharf wie ein Rasiermesser , » ich hoffe in Bälde die Enkelin des Herrn einführen zu können in ihr väterliches Haus . Dann wird dieselbe in die Rechte ihrer Mutter eingesetzt werden . Durch Sie selbst , Gnädigste . Aus Ehrgefühl , um der Achtung Ihrer Mitbürger willen , um des Seelenfriedens Ihres Mannes willen werden Sie es tun . « Nannettens Nase , immer das erste und meistens das einzige , das in ihrem Gesichte errötete , brannte wie eine glühende Kohle . » Ich werde tun , was meinem Gatten recht ist « , sprach sie , » nicht mehr , nicht weniger . « » Alles , was Sie tun , ist recht « , rief Mansuet » nämlich ihm « , verbesserte - oder vielmehr verschlechterte - er sich und seine Sache . » Was ich darf , wird geschehen . « » Was Sie wollen , wird geschehen ! « » Wollen - dürfen - für mich , Herr Weberlein , eines und dasselbe . « Nannettens Busen hob sich , sie atmete schnell . » Ich bitte , mißverstehen Sie mich nicht . Mir liegt « , sprach sie nachdrücklich , » an der Achtung der Menschen und an dem Seelenfrieden meines Gatten . Aber - die wohlgeratene und die ungeratene Tochter , es ist ein Unterschied . Ich sehe nicht ein , warum das Kind dafür belohnt werden soll , daß seine Mutter - davongelaufen ist . « » O Frau Prizipalin ! « rief Mansuet zugleich beschwörend und drohend , » tun Sie Ihre Schuldigkeit ! « » Vor allem will ich meine Schuldigkeit tun gegen meine Tochter « , erklärte Nannette . » Elternpflicht ist die erste Pflicht . « Mansuet trat einige Schritte zurück . » O Frau Prinzipalin ! « wiederholte er und fuhr nach kurzer Pause mit einem wahrhaft teuflischen Lächeln fort : » Wenn ich bedenke , wie viele große Verbrechen und wie viele kleine Schändlichkeiten schon im Namen der Elternpflicht begangen wurden und täglich begangen werden , dann danke ich meinem Gott , daß die Nötigung zu solcher Pflichterfüllung niemals an mich herangetreten ist und daß ich sterben darf ohne Progenitur ! « 10 Vier Wochen nach Weberleins Abreise erschien ein Brief von ihm aus Arad . Er meldete darin , daß es ihm noch nicht gelungen sei , eine Spur von denen , die er suchte , aufzufinden . Er bat , einen Aufruf an Bozena , der sie dringend zur Rückkehr nach Weinberg auffordere , in allen österreichischen Blättern zu veröffentlichen . » Das wäre doch ein Skandal ! « bemerkte Regel . Nannette ehrte die feinen Empfindungen ihrer Tochter , und sooft Heißenstein sagte : » Den Aufruf , gute Frau , hast du dafür gesorgt , daß der Aufruf in die Zeitungen komme - durch Wenzel , nicht wahr ? Du brauchst es ihm nur aufzutragen ... hast du es getan , Liebe ? « - so oft wandte sie verlegen den Kopf und erwiderte : » Morgen soll es geschehen . « Und jedesmal nickte ihr Heißenstein freundlich dankend zu und sagte : » Wenn der Aufruf gedruckt sein wird , möcht ich ihn lesen . « Er äußerte auch manchmal den Wunsch , sich mit Wenzel zu beraten - wegen seines Testamentes . Aber der Arzt hatte nachdrücklich verboten , irgend jemand vorzulassen , mit dem der Kranke von Geschäften sprechen könnte , und Nannette mußte dem Advokaten den Eintritt verweigern - so weh es ihrem zartfühlenden Herzen auch tat . Übrigens war es Heißensteins Sache nicht mehr , auf einem Wunsche zu bestehen , derselbe war meist im Augenblicke vergessen , in dem er entstanden war . Das Jahr neigte sich zum Ende und mit ihm das Leben des kranken Greises . Seine Gedanken begannen in Verwirrung zu geraten , er unterschied nicht mehr zwischen seinen Einbildungen und der Wirklichkeit . Täglich erzählte er Schimmelreiter , seine Enkelin werde nun bald kommen . Und gewöhnlich gab er dem Kommis die Versicherung , die bevorstehende Freude verdanke er seiner Frau , die alles veranstaltet habe zu Bozenas Heimkehr . » Und Bozena bringt mir das Kind « , flüsterte der Kranke geheimnisvoll . » Meine Frau hat einen Aufruf in die Zeitung setzen lassen , lesen Sie mir ihn vor , ich ersuche Sie . « Schimmelreiter hatte von einem Aufrufe nichts gehört , denn der Brief Mansuets war ihm vorenthalten worden . Ratlos , was er tun oder sagen sollte , griff er