nicht von Deutschland und den deutschen Verhältnissen reden wollte : und wie ich mich abmühte , ihn zu Äußerungen und Mitteilungen in dieser Richtung zu bewegen , es blieb stets bei jener uralten batavischen Redensart , mit welcher schon Civilis und Velleda allen unbequemen Erörterungen aus dem Wege gingen : Kan niet verstaan ! - Seinen Rat , seinen Arm , seinen Geldbeutel und seinen Kredit hat er mir jederzeit , auf dem Nil und in Alexandria wie in Abu Telfan , auf das bereitwilligste zur Verfügung gestellt ; mit dem Gemüt hat er mir auf keine Weise geholfen , und so haben wir mit einem Handschütteln Abschied voneinander genommen , wie an der Türe einer Konditorei oder eines Klubhauses . Zu allem andern Unbehagen schleppe ich auch das Gefühl mit mir , daß sich auch hier wieder Schritte , die mir wert und hochgeliebt bis zum Tode bleiben müssen , in die Wüste verlieren . Es ist ein arges , grimmiges Gespenst , welches auf allen Wegen hinter mir dreintritt und die Fäden , die mich mit den Hoffnungen und Sorgen , der Arbeit , der Freude und dem Leide um mich her verknüpfen , mit scharfem Messer zerschneidet . Ich habe nichts , gar nichts heimgebracht aus der Fremde , halte es aber auch für kein Wunder , daß die Heimat gar nicht daran glaubt , eine solche Tatsache gar nicht fassen kann . « Der Erzähler brachte somit für dieses Mal seinen Bericht kleinlaut genug zu Ende , und auch die Frau Klaudine war eine Weile ganz still . Endlich sprach sie mit einem tiefen Seufzer : » Wer verliert nicht mehr , als er findet , auf seiner Wanderung ? Welche ehrlichen Leute rühmen und freuen sich dessen , was sie heimbringen ? Nur die Kleinen und Nichtigen dürfen Triumph rufen , wenn sie ihren Bettelsack ausschütten ; die Großen und Edeln werden immer sich abwenden und sagen : Das Beste gehört nicht uns zu , und wir wissen nicht , von wem wir es haben ! - Was sind wir allesamt anders als Boten , die versiegelte Gaben zu unbekannten Leuten tragen ? Die größte Schlacht und das höchste Gedicht , von wem kommen und zu wem gehen sie ? Kein rechter Sieger auf irgendeinem Felde wird je rufen : Dies ist mein Werk und das soll es wirken ! - Ich danke Ihnen , mein Freund , für die Stunden , welche Sie mir heute gegeben haben . Wir wollen immer bessere Freunde werden , Sie und ich und Nikola Einstein und noch einige andere . Wir wollen einander helfen und nicht ungeduldig sein . So lange Zeit , als Sie in der entsetzlichen Gefangenschaft lagen , hab ich hier in der Einsamkeit , in Gram und eintönigem Schmerz gesessen und hab auch heute nicht gefunden , was ich suche . Wir wollen Geduld lernen und lehren und einander helfen , wie wir vermögen . Nun wird es Nacht ; Sie müssen gehen , und ich bleibe wieder allein ; daran werden Sie denken auf Ihrem Wege , und es ist gut für Sie . Sie werden oft zu der Mühle zurückkehren , und das ist gut für mich . Nun will ich Sie auf die Stirn küssen , Leonhard Hagebucher , und Ihnen gute Nacht sagen ; heute soll kein böses Gespenst Ihnen folgen und den Faden , der Sie an die Katzenmühle bindet , zerschneiden . Ich will gute Wache darüber halten , und morgen sollen Sie die alte Frau in der alten Mühle loben . « Zehntes Kapitel » Gute Nacht , Madam Klaudine « , hatte auch Leonhard Hagebucher gesagt und war seines Weges , oder was man so nennen mag , gegangen ; denn er wußte wenig von seinem Wege , er spürte ihn jedenfalls kaum unter den Füßen . Von den ersten Bäumen des Waldes aus hatte er noch einmal zurückgeblickt nach der kleinen Hütte unter der Felsenwand . Der Fels war dunkel , das Gärtchen lag in tiefer Dämmerung , und es war wie Magie , als jetzt Christine die Lampe der Frau Klaudine anzündete und der Lichtschein aus dem Fenster der Mühle dem zögernden Lauscher nachfolgte in den Wald . Leonhard grüßte diesen Schein noch einmal tiefer zwischen den Bäumen und schritt erst dann schneller vorwärts , als der Stamm einer alten Eiche ihn seinem Blick entrückte ; die letzten Worte der Greisin erhielten jetzt erst ihr volles Gewicht : kein arglistiger Dämon durfte seine heutigen Schritte auslöschen oder verwirren , eine Ruhe und Sicherheit , die er lange nicht mehr gekannt hatte , erfüllten sein Herz und machten seine Seele still wie die schöne Nacht rings um ihn her . Nicht alles , was er heute sah , hörte und erlebte , war geeignet , ihm die so wünschenswerte Klarheit des Daseins zu gehen ; aber ein erster Hauch eines neuen Tages hatte ihn getroffen und kühlte ihm die heiße Stirn : so schüttelte er sich und schritt rüstig weiter , erst auf dem kaum sichtbaren Pfade durch den düstern Tal- und Waldgrund , dann auf der Landstraße durch das Dorf Fliegenhausen und zuletzt auf einem andern engen Pfade seitwärts der Landstraße , durch das hohe Korn , dessen nächste Halme er fortwährend durch die Hände gleiten ließ . Er hatte sich in eine große Aufregung , ein halbes Fieber hineingeredet , als er der Frau Klaudine die letzten Augenblicke seines Aufenthalts in Abu Telfan schilderte ; aber die leisen Tropfen an dem zerbrochenen Mühlrad und die Bewohnerin der Mühle selber hatten doch den Sieg davongetragen über die Aufregung und das Fieber . Immerfort klangen die Tropfen und die gute sanfte Stimme der alten Frau in seinem Ohre . Er sah Nikola von Einstein in der Fensterbrüstung sitzen , wie sie mit den Blüten und grünen Zweigen , welche in das Fenster lugten , spielte ; er sah sie auf dem weißen Pferde gleich einer Jägerin aus » Tristan und Isolde « , wie sie