, dessen innere Wahrhaftigkeit in diesem Falle die Selbsttäuschungen des Freiherrn nicht voraussah , saß ihm , seinen eigenen ernsten Betrachtungen nachhangend , schweigsam gegenüber . Seine ganze Seele war Gebet . Endlich reichte der Baron dem Geistlichen die Hand . Ich danke Ihnen , sagte er , ich danke Ihnen von Herzen , und Sie haben Recht ! Ja ! Sie haben Recht ! Es ist eine große Wohlthat des Himmels , er brauchte diesen Ausdruck mit Selbstgenuß , es ist ein Segen von Gott , einen Freund , wie Sie in der Nähe zu haben , sich mit einem Freunde wie Sie recht von Herzen aussprechen zu können ; und wie selten habe ich mir in der Zerstreutheit der vergangenen Jahre diese Befriedigung gewährt ! - Er bog sich ein wenig nach hinten über , dehnte Brust und Rücken , und meinte : Ich glaube in der That , diese Nacht werde ich schlafen können . Ich fühle mich ruhiger , freier als in den verwichenen Tagen . Nur der Gedanke an Richten quält mich unaufhörlich ; und ich gäbe viel darum , wenn ich es jetzt noch nicht wiederzusehen , es noch nicht mit meiner Frau wiederzusehen brauchte . Und giebt es dafür keinen Ausweg ? fragte der Caplan , dem die Beruhigung seines Freundes , von welcher er sich die sittliche Erhebung desselben versprach , lebhaft am Herzen lag . Sie haben ja das Haus , welches Fräulein Esther Ihnen hinterlassen hat , eigentlich noch gar nicht bewohnt . Wie wäre es .... Wenn wir nach der Residenz gingen ? fiel der Baron ihm in die Rede , daran habe ich selber schon gedacht ; nur daß Alles , wie Sie wissen , auf unsern Aufenthalt in Richten angelegt und angeordnet war und daß in der Stadt gar Nichts für unsere Aufnahme vorbereitet ist . Ich habe das Haus meiner Tante , als ich es bei meinem letzten Aufenthalte in der Residenz übernahm , doch recht vernachlässigt und traurig gefunden , und man würde es vollständig erneuern müssen , um es angenehm und uns angemessen zu machen . Indeß davon zu reden wird morgen Zeit sein , mein lieber Freund ! Für heute wünsche ich gesammelt zu bleiben und noch eine Weile mit mir allein zu sein . Schlafen Sie wohl ! Gewiß , ich hoffe auch endlich wieder eine gute Nacht zu haben . Er gab dem Geistlichen nochmals die Hand und dieser verließ ihn mit dem beruhigenden Bewußtsein , gethan zu haben , was ihm oblag . Er hatte den Zerknirschten nicht mit harter Verdammung niedergeschmettert , sondern ihn aufzurichten gesucht , da er seine Erhebung anstrebte und ersehnte ; und es eröffnete sich ihm jetzt dafür die Aussicht , der Kirche ein ihr entfremdetes Glied , das Haupt einer einflußreichen und vornehmen Familie , dem Glauben und der Sitte einen Menschen von vielen Gaben und von einem an sich guten Herzen wieder zuzuführen , während ihm selbst der Freund zurückgegeben zu werden schien , an dem er immer mit warmer Neigung gehangen hatte , seit der Baron einst sein Zögling gewesen war . Der Caplan betete also an dem Abende noch länger und noch inniger als sonst , und der Freiherr schlief seit Paulinen ' s Tode in dieser Nacht den ersten traumlosen und ruhigen Schlaf . Das setzte ihn wieder völlig in den Gebrauch seiner Kräfte ein . Er fühlte sich erfrischt und befreit , er erschien sich verjüngt , als er sich im Spiegel betrachtete , und er sah mit wachsender Spannung und freudiger Bewegung der bevorstehenden Ceremonie entgegen . Am Mittage wurde die Trauung des Barons mit der Gräfin Angelika , wie es in den Ehepacten festgesetzt worden war , nach katholischem Ritus vollzogen . Der Baron hatte am Morgen noch eine lange Unterredung mit dem Caplan gehabt , und beide waren bemüht gewesen , sich auf dem Wege zu erhalten , auf welchem der Freiherr gestern die erste trostreiche Beruhigung gefunden . Er hatte dem Caplan die feierliche Zusage gegeben , dahin zu wirken , daß auch seine Töchter , falls er deren haben sollte , in der katholischen Kirche auferzogen würden , und er war danach während der Trauung ernster und feierlicher gestimmt , als die Gesellschaft , welche ihn im Schlosse umgab , es von ihm erwartet hatte . Die Eltern der Braut erfreuten sich dessen als einer Bürgschaft für das Glück der Tochter ; die junge Gräfin selber war gegenüber der Innigkeit , mit welcher ihr Gatte sich gegen sie bezeigte , voll demuthsvoller Zärtlichkeit und Liebe , und es war sicherlich Niemand unter den anwesenden Gästen , welcher diesem von dem Schicksal so vielfach bevorzugten schönen Paare nicht eine glückliche Zukunft vorausgesagt hätte . Bei der Tafel , als eine der Tanten den Schmuck bewunderte , mit welchem der Baron seine Braut zur Hochzeit beschenkt hatte , erklärte dieser , daß er seiner Frau noch ein anderes Angebinde , oder vielmehr noch eine Ueberraschung vorbereitet habe , welche ihr , wie er hoffe , willkommen sein werde . Er bat sie , zu errathen , was er für sie im Sinne führe , aber sie traf das Rechte nicht , und endlich fragte er : wie würde es Dir gefallen , meine Beste , wenn wir morgen , statt unsern Weg nach Richten einzuschlagen , uns nach der entgegengesetzten Seite wenden und nach der Residenz begeben würden , um dort den Winter zuzubringen ? Der Vorschlag erregte bei Allen ein großes Erstaunen , denn seit der Verlobung hatte man es festgesetzt gehabt , daß die Neuvermählten das erste Jahr ihrer Ehe in Richten verleben sollten . Alle Plane des Barons waren darauf begründet , alle seine Briefe voll gewesen von der Schilderung der Annehmlichkeiten , welche er sich von dieser Einrichtung versprochen hatte . Nun sollte das plötzlich Alles anders werden . Man wußte sich nicht gleich in eine so unerwartete Veränderung hineinzudenken , wußte sich ihre Ursache nicht zu deuten , und besonders Angelika