ich jetzt , in stattlicher Würde , von den schwerfälligen Braunen gezogen , angefahren , und nicht zu Fuß in bedeutend derangirter Toilette wie ein reisender Handwerksbursch . Ei nun ! Kleider machen wohl Leute , aber keine Männer , und Melitta , wenn mich nicht Alles trügt , verkehrt mit Männern lieber , als mit - Leuten . Er klinkte das unverschlossene Gitterthor auf , und trat in den Hof . Ein mächtiger Neufundländer Hund , der im Grase gelegen hatte , richtete sich langsam empor , als er die Thür in den Angeln kreischen hörte und kam Oswald wedelnd entgegen . Nun , das ist wenigstens ein freundlicher Willkommen ! sprach der junge Mann bei sich , während er , das prachtvolle Thier streichelnd , weiter schritt . Rechts blickte er über ein niedriges Stacket in einen blühenden Garten . Mit dem Stacket in einer Linie war die Front des Herrenhauses , eines zweistöckigen schmucklosen Gebäudes , das sich indessen mit seiner altersgrauen Farbe , dem großen steinernen Balcon über der Thür und den zwei gewaltigen Linden davor , recht stattlich ausnahm . Die drei anderen Seiten des geräumigen Platzes waren von den Wirthschaftsgebäuden eingenommen . Ein Stacket und eine Reihe junger Obstbäume war parallel mit dem Wohnhause quer über den Platz gezogen , als Schranke zwischen dem Hofe und dem Rasenplatz vor dem Hause . Oswald blickte , an der Front des letzteren hinschreitend , durch die offenen Fenster in schöne Zimmer . Es war Niemand darin . Er blickte durch die ebenfalls offenstehende Hausthür auf den mit Steinfliesen ausgelegten Flur . Eine große Wanduhr schwatzte in der lautlosen Stille . Auch auf dem Hofe regte sich nichts . Der ganze Platz war wie ausgestorben , nur die Spatzen zwitscherten und lärmten in den Linden , und die Schwalben schossen an den Mauern hin zu ihren Nestern unter dem Dache , die Jungen zu füttern , und schossen ebenso eilig wieder davon . Es wird Niemand zu Hause sein , dachte Oswald . Du hast den langen Weg vergebens gemacht . Oder kannst Du mir sagen , wo Deine Herrin ist , Neufundländer ? Sollen wir einmal im Garten nachsehen ? Der Hund , als ob er es verstanden , was man von ihm wolle , trabte von Oswald fort nach einer Thür , die rechts neben dem Hause in den Garten führte ; und blickte , dort stehend , sich nach dem Fremden um . Also wirklich im Garten ? Oswald drückte die Thür auf . Der Hund lief vor ihm her an Blumenbeeten vorüber in einen schmalen Heckengang bis zu ein paar Stufen , die rechts durch die Hecke auf eine Art Terrasse führten . Dort sah er sich noch einmal nach Oswald um . Dann sprang er die Stufen hinauf . Oswald folgte . Zwischen hohen blühenden Sträuchen war das Thier verschwunden . Indessen hatte der junge Mann kaum einige Schritte gethan , als sich seinen Blicken ein Bild zeigte , das ihn regungslos an seine Stelle bannte . Er sah auf einen kleinen offenen Platz , der auf beiden Seiten von den hohen Hecken , welche die ganze Terrasse umschlossen , eingerahmt war . In der Mitte schoß ein hochstämmiger , breitästiger Tannenbaum wie eine Lanze machtvoll in die Höhe . An dem Fuße des Baumes auf dem Teppich brauner Nadeln stand ein runder Gartentisch und ein paar Stühle . In einem der Stühle , umflossen von dem weichen , träumerischen Licht des Sommernachmittags , saß Melitta , den Kopf in die eine Hand gestützt , während die andere mechanisch die treue Dogge streichelte , die sich dicht an die Herrin drängte . Sie trug ein weißes Kleid , das in anmuthigen Linien den schlanken Leib umfloß und Busen und Schultern nur zu verhüllen schien , um die schönen Formen desto reizender zu umschreiben . Auf dem Tisch lagen Handschuh , ein breiträndriger Strohhut und ein aufgeschlagenes Buch . Sie saß so in sich versunken da , daß sie den leichten Schritt Oswald ' s nicht vernahm , bis er vor ihr stand . Da hob sie schnell den Kopf empor und unterdrückte nur mit Mühe einen Ruf freudigster Ueberraschung , den Mann leibhaftig vor sich zu sehen , mit dem ihre Gedanken soeben beschäftigt gewesen waren . Für einen Augenblick stockte ihr das Blut im Herzen , und dann mit Macht hervorbrechend , übergoß es die bleichen Wangen mit hoher Purpurgluth . Sieh ' da ! sagte sie , sich rasch erhebend , und Oswald die Hand entgegenstreckend . Verzeihen Sie , gnädige Frau , sagte der junge Mann , die schöne zitternde Hand , die jetzt in der seinen ruhte , ehrfurchtsvoll an die Lippen führend , wenn ich unangemeldet - Aber nicht unerwartet Ihr dolce far niente störe - und so weiter , und so weiter - unterbrach ihn Melitta . Kommen Sie , von Ihnen will ich keine Redensarten hören . Ueberlassen Sie das unsern hohlköpfigen Junkern . Setzen Sie sich und bedanken Sie sich zuvörderst , daß Sie mich überhaupt noch finden . Bemperlein und Julius sind , an Ihrem Kommen verzweifelnd , vor einer halben Stunde auf Besuch in die Nachbarschaft gefahren . So müssen Sie denn mit mir allein vorlieb nehmen . Das ist Ihre gerechte Strafe . Wenn die Strafe gerecht ist , so ist sie auch auf alle Fälle sehr mild , antwortete Oswald heiter , und ich unterwerfe mich ihr mit der Demuth , die dem reuigen Sünder ziemt . Sie sehen auch wahrhaftig wie ein reuiger Sünder aus ! Aber warum kommen Sie so spät , und - Und in so derangirter Toilette ? Im Ernst , gnädige Frau , ich konnte nicht früher und nicht anders erscheinen . Wenn man , wie ich , den weiten , unbekannten Weg zu Fuß zurücklegt - Wie kommen Sie aber auch auf diesen närrischen Einfall ? Ich leide sehr an närrischen Einfällen , gnädige Frau . Da theilen Sie mit mir dasselbe Schicksal .