kaum , daß etwas bei der Sache herauskommt ! « Der Erstere sah den Arrestanten und seinen Vertheidiger prüfend an . » Nehmen Sie sich in Acht , « sagte er zu dem Riesen , » daß ich Sie nicht nochmals bei einem ähnlichen Straßenspectakel finde - es könnte schlimmer auslaufen als heute . « Damit folgte er langsam seinem bereits davongeschrittenen Collegen , und auch der neuangekommene Passagier wollte seinen Weg fortsetzen , als er sich am Arm gefaßt fühlte . » Sie werden mich doch ein Danke schön zu Ihnen sagen lassen , ehe Sie gehen ? « sagte der erlöste Arrestant , » Sie haben besser an mir gehandelt als alle die verdammten Kerle , wie sie dahin laufen , die mich , ohne ein Wort zu sagen , hätten einstecken lassen , obgleich sie wußten , daß ich nichts Unrechtes gethan . « » Nichts zu danken , Sir , « erwiderte der Fremde , » ich that nur , was ich für eine einfache Pflicht gegen Jeden gehalten hätte . « » Alles eins , Sir , und ich wollte Ihnen nur sagen , daß , wenn Sie einmal irgend einer Hilfe bedürfen , wozu ein paar feste Arme erforderlich sind , Sie nur ein Wort für den Dutch Charley bei dem alten Omsby in Jamesstreet zu hinterlassen brauchen . Und nun sagen Sie mir auch wenigstens Ihren Namen , damit ich Bescheid weiß . « » Ich heiße Helmstedt , « sagte der Fremde lächelnd , » und wenn ich auch noch keine Aussicht habe , von Ihrem Anerbieten Gebrauch machen zu können , so nehme ich es doch dankbar an ; ich habe noch selten ein paar Arme von einer solchen Kraft gesehen , wie Sie eben gezeigt . « » O , das war doch eigentlich nur Spaß , « erwiderte Charley geringschätzend ; » die drei Halunken sind gute Bekannte von mir , und ich wollte ihnen nicht zu wehe thun - ich kam nicht einen Augenblick in Hitze . Wenn ich böse gemacht werde , nehme ich sechs von diesem Kaliber auf mich . « » Well , Sir , dann ist es freilich besser Freundschaft mit Ihnen zu halten , « erwiderte Helmstedt lachend ; » good bye , ich muß eilen , daß ich in die Stadt hinauf komme . « Er fühlte einen Händedruck von dem Riesen , daß er hätte aufschreien mögen , und bog dann in die nächste Straße hinein . Neun Monate waren erst verflossen , seit Helmstedt New-York verlassen hatte , um mit der ganzen Unternehmungslust der frischen Jugend sein Glück im Süden zu versuchen , und doch war es ihm , wenn er an jene Zeit zurückdachte , als wäre er neun Jahre älter geworden . In seinem Fühlen und seiner Weltanschauung war durch Alles , was er geistig und körperlich durchlebt hatte , eine Veränderung mit ihm vorgegangen , deren er erst jetzt recht inne wurde . Er hatte fast unwillkürlich den Weg nach dem Boardinghause in der Williamstreet eingeschlagen , in welchem er , so lange er in New-York lebte , gewohnt hatte . Als ihm aber hier neben manchen andern Veränderungen auch ein neues Schild mit fremdem Namen entgegenblinkte , blieb er stehen und drehte sich langsam wieder um - es war ihm , als sei jetzt jede Verbindung seines früheren Lebens in New-York mit seinem gegenwärtigen Aufenthalte abgebrochen . Er dachte einen Augenblick nach , und als er eine leere Miethkutsche die Straße herauskommen sah , ließ er sich nach einem der Broadway-Hotels fahren . Als ihm dort ein anständiges Zimmer angewiesen worden war , warf er sich auf das Sopha , um die nächsten Schritte zu überlegen , die ihn zu einem schnellen Abschluß seiner Geschäfte führen könnten ; aber die Erinnerungen aus einem früheren Aufenthalt in New-York verfolgten ihn und bemächtigten sich bald unabweislich seiner Seele . - Scene auf Scene zog an ihm vorüber , bis seine Gedanken endlich an einem Bilde hängen blieben , dem seiner Freundin Pauline Peters , die bei ihrem ersten Begegnen mit ihm hier in dem fremden Lande sich an ihn geschmiegt hatte wie der Epheu an seine Stütze und die er , ihr reines Gemüth mißverstehend , kalt und stolz von sich gewiesen . Jetzt war es ihm , als könne er sich ganz versenken in diese Augen mit dem innigen Ausdruck , wie sie ihn damals angesehen . Sie hatte bald darauf den alten Pflanzer geheirathet und war nun Mrs. Morton - kalt und unzugänglich und sich nur der traurigen Pflicht , der Pflege ihres Mannes widmend ; was hinter dieser Außenseite lag , ob eine Resignation , die mit sich und der Welt fertig ist , oder ein niedergehaltenes rebellisches Herz , war nicht zu errathen . Er hatte auch geheirathet und war nicht glücklich geworden ; noch niemals aber hatte er so sehr das Verfehlte seiner Wahl gefühlt als in den jüngst vergangenen Tagen , in welchen er die Vorbereitungen zu seiner Reise nach New-York gemacht . Er hatte seiner Frau die Nothwendigkeit derselben freundlich vorgestellt und sie gebeten , die kurze Zeit seiner Abwesenheit in Mortons Hause zuzubringen , des Anstandes und seiner Beruhigung wegen ; sie aber hatte ihn mit aufglänzendem Auge angesehen und gefragt , warum sie in ein fremdes Haus und nicht zu ihren Eltern gehen solle , die sie mit tausend Freuden ausnehmen würden ? Er hatte ihr , wenn auch innerlich erregt durch ihre Antwort , die manche seiner leisen Befürchtungen bestätigte , doch äußerlich ruhig auseinandergesetzt , daß , so lange der Widerwille ihres Vaters gegen ihn und seine Verbindung mit ihr bestehe , der Aufenthalt bei ihren Eltern sich von selbst verbiete , wenn sie ihren Mann nicht bloßstellen wolle ; daß nicht allein ihre Liebe zu ihm , sondern auch ihr Takt sie von einem Wunsche wie der geäußerte hätte zurückhalten sollen . Da war sie in ein schluchzendes Weinen ausgebrochen und hatte gefragt , ob sie