etwa fünfzehn Jahren , mit braunen Feueraugen und schwarzen glänzenden Zöpfen . Ihr Anzug von braunem Schetter zeigte nichts Auffallendes , als ein paar gelbe Streifen an den Aermeln . Diese Streifen , die Ursula übersehen , erblickte Elisabeth , und sie waren die Ursache ihres Entsetzens . Daran erkannte sie , daß ihre Rose in die Hand eines Judenmädchens gekommen , denn der Rath , welcher die Juden , des Reichs Kammerknechte haßte , und am liebsten ganz aus der Stadt verbannen wollte , war vor Kurzem auf den Einfall gekommen , sie durch besondere Abzeichen an der Kleidung kenntlich zu machen , damit nicht ehrbare Christenmenschen Gefahr liefen , mit den als unehrlich betrachteten Juden in Berührung zu kommen . So war den Jüdinnen jetzt aufgegeben worden , als Kennzeichen gelbe Streifen an den Aermeln zu tragen . Nur die außerordentliche Gelegenheit und das Volksgedränge , in dem man mehr auf die Züge als aufeinander blickte , waren wohl die Ursache , daß dies Judenmädchen unbemerkt geblieben und unter der Menge geduldet worden war . Fand nun schon Elisabeth die bitterste Kränkung darin , daß der Baubruder , der ihr Interesse erregte , ihre Rose wegwarf , so empfand sie es als Schmach , daß sie nun in den Händen einer Jüdin war , die sie , unbeschadet ihres Rufes » die aufgeklärteste Frau von Nürnberg « zu sein , auf ' s Tiefste verachtete und sich vor jeder Gemeinschaft mit ihnen entsetzte . Und wenn nun gar der Baubruder das mit Absicht gethan ? war das nicht ein viel größerer Hohn für sie , als wenn er die Blume selbst unter seine Füße geworfen ? Ursula dachte wie die Freundin und bedauerte sie - aber sie hatte nicht Zeit diesem Gedanken nachzuhängen , da eben die Rathsherren unten vorüberzogen und Herr Hans von Tucher einen prüfenden Blick auf sie warf , unter dem sie zitterte wie Espenlaub . Es würde dies wohl weniger der Fall gewesen sein , wenn sie gehört hätte , wie der alte Herr zu seinem Begleiter sagte : » Die Jungfrau Muffel ist wirklich ein holdes Kind , und ich kann es meinem Sohn nicht verdenken , daß er in sie verschossen ist - wäre sie nur nicht eine Muffelin , nichts weiter sollte mich kümmern . « » Ja , « antwortete Herr Holzschuher , der seine alten Augen auch gern anstrengte , wenn es nach schönen Frauen zu blicken gab : » Sie gefällt mir in ihrer sittigen Art auch besser , als die Scheurlin , die vor Hochmuth nicht weiß , wie sie sich geberden und kleiden soll , um nur ja den Leuten zu zeigen , wie reich und schön sie ist . Was aber Euren Sohn betrifft , so riethe ich Euch doch , ihn bald wieder fort zu schicken , denn wenn er seine Geliebte oft so sieht , so ist er nicht der Mann , auf Euer Gebot hin sich von ihr abbringen zu lassen . « » Freilich , « antwortete der Vater ; » mein Sohn ist kein Tugendspiegel , und hat wohl schon bei manchem hübschen Kinde sein Heil nicht vergeblich versucht , indeß ist die Muffelin selbst ein Muster von Zucht und Ehrbarkeit , und darauf trau ' ich . Aber Ihr habt ' Recht , es ist besser , der Stephan geht wieder aus Nürnberg , und sieht er wo anders schöne Frauen , so wird er sich auch zu trösten wissen . « Als Herr Scheurl an seinem Hause vorüberkam und wohlgefällig lächelte , wie schön sein Haus und wie noch schöner seine Hausfrau sich ausnehme und Aller Blicke auf sich ziehe , konnte er sich nicht erklären , warum sie so verstört hinabstarre - aber jetzt bemerkte sie ihn und zwang sich zu einem Lächeln . Ursula dachte indeß nicht mehr an den alten Tucher , sondern spähete nach dem Sohn . Nur um seinetwillen weilte sie hier , nur um seinetwillen hatte sie sich geschmückt , nur um ihn zu sehen und von ihm gesehen zu werden . Was galt ihr denn der König ? was alle die Edlen , die mit ihm kamen , und alle diese Leute , die festlich vorüberzogen ? Sie dachte nur an Stephan , und nur der Augenblick , in dem er vorüberschreiten werde , war ihr der ersehnte . Sie hatte ihn seit dem Wiedersehen in diesen selben Räumen immer nur flüchtig gesehen auf der Straße oder in der Messe und von sich entfernt zu halten gewußt . Auf diesen Tag hatte sie ihn vertröstet . Freilich nicht nur auf diesen Moment , sondern auf die Festlichkeiten , die man dem König zu Ehren veranstaltete , bei denen doch Niemand von den Geschlechtern fehlen dürfe und sich Gelegenheit finden werde zusammen zu sprechen und zu tanzen . Als Stephan mit zärtlichen Liebesblicken vorübergegangen , zog sich Ursula ein Weilchen vom Fenster zurück - nun gab es ja Nichts mehr für sie zu sehen . Aber jetzt tönte das Horn von der Veste wieder und schmetternde Trompetensignale , und das damit sich vermischende , von fern her tönende Vivatrufen der bewillkommenden Menge verkündigte , daß der König die Stadt betreten und daß die ersten Begrüßungen stattfänden . Nach einiger Zeit kam derselbe Zug wieder vorüber - aber Rosseshufe erschallten dabei , denn der König mit seinem Gefolge war in seiner Mitte . Sein Anblick schon , seine ritterliche Art und sein freundliches Wesen hatten alle Herzen gewonnen . Ohnehin freute sich die versammelte Menge um so mehr seiner Ankunft , als sie recht eigentlich nur ein Besuch für Nürnberg war und er damit die Stadt nicht nur pflichtgemäß bei Gelegenheit eines Reichstags beehrte , sondern einzig und allein ihretwegen kam . Dazu kam auch , daß fast die ganze lebende Generation keinen andern Kaiser als den nun siebzigjährigen Friedrich III. gesehen und seiner nachgerade überdrüssig geworden war . Ein ganz anderes Ereigniß war da denn doch der Einzug dieses ritterlichen Sohnes und