Geldstück in Sicherheit gebracht hatte , sagte sie den Ankömmlingen , daß dies der Heidekrug , ihr Herr , Herr Justus , der Heidekrüger wäre . Oben fänden sich Zimmer genug und kalt essen könnten sie auch noch und wie sie wol oben am lauten Sprechen im Saale hörten , auch Gäste fänden sie noch . Der Herr , dem der Wagen da unten gehöre , wolle noch heute weiter , um mit Sonnenaufgang in der Residenz zu sein . Ja , ja , sagte sie etwas polternd , bei uns geht ' s bunt her ! Hier machen wir die Nacht zum Tage und die Tage zur Nacht . Wir sind hier Alle überstudirt ! Hackert hatte bereits den von der verdrießlichen , aber rührigen » überstudirten « Magd erwähnten Wagen der oben befindlichen Herrschaft bemerkt . Er stand auf der andern Seite des Hauses , bereit zum Vorfahren . Ein Kutscher in Livree saß eingehüllt in einem leichten Staubmantel auf dem Bocke und schlief . Wem gehört der Wagen ? fragte Dankmar , die Livree des Schlafenden ins Auge fassend . Einem prächtigen Herrn aus der Stadt , sagte die Magd . Er ist erst drei mal auf dem Heidekrug gewesen , und ich denke , wenn er öfter kommt , werden die Leute nicht mehr sagen : Auf dem Heidekrug wird die Milch schon in der Kuh sauer . Sagen Das die Leute ? Ja , Herr , ich weiß nicht , ob Sie ein Studirter sind . Aber ich denke immer , der Bauer soll dem Herrn Pastor das Latein lassen . Die Ochsen lernen doch im Leben kein Hebräisch ... Wenn sie nicht an Moses und die Propheten verpfändet werden ... fiel Dankmar lachend ein . Wenn ich hier wirklich auf dem Gute des Heidekrügers Justus bin , so merk ' ich fast , das Gesinde theilt nicht die Leidenschaft seines Herrn für Politik .... Die Magd hörte nicht . Sie war hinterher , ein Licht anzuzünden und den Ankömmlingen hinaufzuleuchten in die Zimmer , die sie ihnen anweisen wollte . Dankmar beobachtete Hackert , der sich inzwischen mit scheuem Blicke dem eleganten Reisewagen genähert hatte und prüfend vor ihm stand und vor sich hin murmelte : Neumann ! Bei Gott , er ist ' s ! Es ist Neumann . Was murmeln Sie denn ? Kennen Sie den Wagen ? Hackert zeigte auf die Chiffre am Schlage . Man mußte nahetreten , um sie in dem nur sternenhellen Dunkel zu erkennen . F.S. Nicht wahr ? sagte Dankmar . F.S. wiederholte Hackert bestätigend und gab die Erklärung : Franz Schlurck . Meinen Sie wirklich ? Der Justizrath Schlurck ? Der Kutscher schläft . Wir wollen die Magd fragen . In dem Falle bleib ' ich noch auf . Ich hätte Lust , den berühmten Juristen kennen zu lernen . Hackert schwieg . Er war nachdenklich vor dem Wagen wie festgebannt , streichelte die Pferde und lachte mit einem eigenen , fast schwermüthigen Ausdrucke in sich hinein . Kommen Sie mit hinauf , Hackert ! Hören Sie nur , wie man noch die Gläser anstößt ! Es ist mir , als dränge bis hierher ein duftender Punschgeruch . Essen wir in der lustigen Gesellschaft oben zu Nacht und stoßen wir fröhlich mit den Fröhlichen an ! Hackert hörte nicht . Er stand wie abwesend vor den Pferden und streichelte sie . Diesen that der nächtliche Gruß wohl . Die prächtigen Thiere schnaubten leise und reckten die Ohren . Hackert aber fuhr ihnen sanft über die Mähne . Da strichen die Rosse die Hufen auf dem Pflaster und schlugen die langen Schweife in die Höhe . Die Mähnen der Thiere bewegten sich unruhig und ihre dunkeln großen Augen blinzelten in der Nacht ganz geheimnißvoll , als wollten sie sagen : Sieh da , Hackert , wir kennen dich , warum sehen wir dich nicht mehr ? Gute Nacht ! sagte darauf Hackert , der alles Dies nachzufühlen schien , und wandte sich dem Stalle zu . Die mit dem Lichte wartende Magd , drängend und freundlich gestimmt , bemerkte : Ei kommen Sie doch . Es sind oben auch Zimmer für die Kutscher ! Geh ' Sie zum Henker mit Ihrem Kutscher ! sagte Hackert und schlenkerte die müden Glieder dem Stalle zu , wo er , auf Dankmar ' s Nachruf nicht hörend , rasch und gleichgültig verschwand . Er will im Stalle schlafen , sagte die Magd . Es ist besser , er ist bei Ihrem Pferde . Dem Dietrich bekommt ' s nicht , wenn der gute Herr oben bei uns zu oft einkehrt . Zahlt der immer so gute Trinkgelder ? Er will nur , daß Alles lustig ist , gibt gleich Wein und Geld und unsern Herrn wechselt er auch ganz aus . Kommen Sie ! Ich geb ' Ihnen ein gutes Zimmer und gehen Sie getrost noch in den Saal . Nun gut ! sagte Dankmar . Etwas kalte Küche ! Braten , Wein , wenn man ihn haben kann ! Dann mach Sie ' s Bett ! Ich will noch einen Augenblick in den Saal treten . Dankmar kannte nur den bedeutenden Ruf des Justizraths Franz Schlurck . Er war der gesuchteste Anwalt der vornehmen Welt , hatte Häuser und Güter in Administration , verwaltete minorennen reichen Erben ihre künftigen Besitzthümer , galt für einen der beliebtesten Gesellschafter und war besonders durch das glänzende Haus , das er machte , und die Schönheit seiner Tochter Melanie Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit . Dankmar kannte die reizende Melanie nur von flüchtiger Begegnung , hatte auch Schlurck nie persönlich gesehen . Er fand es ganz in der Ordnung , die Gelegenheit zu benutzen , einen vielbesprochenen Mann , der ihm gewissermaßen als nachahmenswerthes Vorbild seiner eigenen Laufbahn gelten konnte , kennen zu lernen . Daß Schlurck allein reiste , ohne seine Familie , hatte er schon vernommen . Er rechnete darauf , außer Schlurck nur noch den Heidekrüger Justus zu finden , einen