anzunehmen , daß sie den Augenblick der Entdeckung für den wichtigsten ihres Lebens hielt . Das Unglück , keine Haare mehr auf dem Kopfe zu besitzen , ist so groß , daß es eigentlich nur dann zu ertragen ist , wenn man Haare auf den Zähnen hat . Ein Mensch , der sie weder da noch dort trägt , ist sehr zu bedauern . Er ist ein kahles Feld , ein entlaubter Baum ; die Sonne seines Lebens hat sich in einen Mond verwandelt . Der Abend ist hereingebrochen , und bald wird die Nacht kommen , und am andern Morgen wird der arme Mond tot sein , mausetot . Wenn man seinen kahlen schneeweißen Kopf mit einer vollen kohlschwarzen Perücke krönt , so erlebt man mit seinem Monde gewissermaßen eine Mondfinsternis . Aber eine Mondfinsternis ist vergänglich . Der Wind kann eine Perücke davontragen , und man hat eigentlich den Vorteil davon , daß der Tod vielleicht einst nur die Perücke faßt , wenn er uns nach dem Schopf greift , und daß der wirkliche Kerl davonläuft - à revoir - sterben Sie wohl , Herr Tod ! Wie ich bereits bemerkte , trägt unsere Heldin eine Perücke ... Dies schien mir von hoher Wichtigkeit zu sein ; ich sah darin den bedauerlichsten Widerspruch mit der von der älteren Schwester erfundenen Tinktur . Pflichtgetreu stellte ich die genauesten Nachforschungen an , und leider hat sich dadurch herausgestellt , daß der Schädel unserer Heldin sogar der berühmten herzoglichen Familientinktur siegreich widerstanden hat und daß sich unsere Freundin dabei beruhigen muß , eine Perücke auf dem kahlen Kopfe und kein Haar auf den falschen Zähnen zu besitzen . Es tut mir leid , daß ich nicht näher auf die Tinktur eingehen darf . Man könnte Bände darüber schreiben . Es kommt unendlich viel auf das Haar an . Einer der ersten Künstler der Welt bezeichnete seine hinterlassenen Perücken mit vollem Recht als den Hauptschatz seines Nachlasses . Doch nun noch etwas über den Fuß der Herzogin ! Goethe behauptete stets , ein schöner Fuß sei der einzig dauernd schöne Teil an einem Weibe ; er bleibe immer reizend , wenn er einmal reizend sei ; er verändere selten seine Form . Der alte Herr hatte von jeher gern mit den Füßen zu tun ; er hörte nichts lieber , als eine Frau in Pantoffeln mit hohen Absätzen klipp , klapp einen langen hallenden Korridor hinunterschreiten . Ich bin natürlich mit dieser hohen Autorität durchaus einverstanden . Auch unsere Herzogin hatte aus den Tagen der Jugend einen Fuß gerettet , der wenigstens zu einem schönen Schuh Veranlassung gab . In vielen Fällen wird man nach der Form des Fußes den ganzen Menschen beurteilen können ; auf die Rasse kann man stets danach schließen . Es verhält sich mit den Füßen wie mit den Zähnen und den Fingerspitzen . Ich mache mich verbindlich , nach der Weiße und der Reinheit der Zähne und der Fingerspitzen eines Menschen genau zu sagen , wievielmal er in der Woche ein reines Hemd anzieht . Die Fingerspitze steht aber in genauem Zusammenhange mit dem Zahne , der Zahn mit dem Hemde und das Hemd mit dem ganzen Menschen . Seit Benvenuto Cellini aus den schönen Zähnen seines erschlagenen Nebenbuhlers eine Kette für die lächelnde Herrin arbeitete , hat es wohl keine bessern Kinnladen gegeben als die der neulich am Kap verunglückten englischen Offiziere . Sie wurden von den Kaffern ermordet ; nach einigen Tagen fand man sie in der Tiefe des Waldes . Geld , Uhr und Waffen : alles hatte man ihnen gelassen . Man nahm ihnen nur das Leben und die - Zähne . Die Engländer sind die reinlichsten Leute . Nach Liebig verbrauchen die Engländer die meiste Seife ; dann kommen die Franzosen , dann die Deutschen usw. , zuletzt die Russen . Die Engländer haben die reinsten Hände , die saubersten Zähne und die weißeste Wäsche . Die Engländer sind die Herren der Welt . Geieraugen , Geiernase , ein ausgestopfter Raubvogel , und im Antlitz die Brandstätte aller Leidenschaften : das ist unsere Herzogin . In unsern Notizen finden wir noch ausdrücklich bemerkt , daß die Herzogin nur Leute , die in der engsten Intimität mit ihr stehen , bei Tage empfängt . In den meisten Fällen nimmt sie nur abends Besuche an , wie sie sich denn überhaupt auch nur bei Abend zeigt , da sie nur zu wohl weiß , wie sehr sie des Lampenlichtes bedürftig ist . Armer Schnapphahnski ! Teurer Mann , du gehst mit einem heroischen Entschluß um ! » Und würfst du die Krone selber hinein Und sprächst : Wer mir holet die Kron , Der soll sie tragen und König sein - Mich gelüstete nicht nach dem teuern Lohn ! « Ja , armer Schnapphahnski . Unsere Herzogin ist niemand anders als die Herzogin von S. , die jüngste Tochter des Herzogs von K. , die Gespielin eines » talentvollen « Königs , mit dem sie erzogen wurde und mit dem sie sich duzt . Die Herzogin heiratete den Prince de D. , den Neffen jenes berüchtigten Diplomaten , der gerade soviel Eide brach , als er Eide schwur . Nach einigen Jahren trennte sie sich aber , zwar nicht auf gerichtlichem Wege , von ihrem jetzt noch lebenden Mann und zog zu eben dem alten Fuchs , den wir in diesem Augenblick erwähnten , mit dem sie ein Verhältnis hatte , und machte in seinem Hause die Honneurs etc. Da ihr indes die Anwesenheit des Fürsten D. in Paris lästig war , so mußte der alte T. ihm unter der Bedingung Geld geben , daß er sich sofort entferne und nach Florenz gehe . Nachdem dies geschehen , zog unsere Heldin mit T. auf allen seinen Ambassaden herum , bekannt wegen ihres Verstandes , unendlich mehr berühmt aber wegen ihres ausschweifenden Lebenswandels . Ja , der Flug ihrer raffinierten Phantasie verleitete sie zu so abenteuerlichen Spaziergängen der Wollust , daß ihr unter Karl X.