weit , und anfangen müsse man in guten Jahren , wie sie jetzt eines hätten , da merke man es nicht , weil man sonst kommen möge mit dem Gelde . Aber Uli ärgerte sich fast an allem , was über das Notwendige hinaus im Hause blieb . Geld zu machen , daß man sich in alle Spiele kehren könne , selb sei die Hauptsache , meinte er . Für das Haus könne man noch lange sorgen , wenn Gott einem das Leben lasse ; das wäre gut , daß man sein Korn nicht verkaufen müsse , wenn es so wohlfeil sei , sondern den Zins sonst machen könne . Nun gab Vreneli etwas nach , und etwas machte es nach seinem Kopf . Da ist aber keine rechte Freudigkeit , wenn Eines hieraus zerrt , das Andere dortaus , das Eine als Beute betrachtet , was es erzerrt , das Andere als Raub , was man ihm abgezerrt . Vreneli zog die Base zu Rat , ob es nicht gut wäre , einmal verflümert abzustellen und aufzubegehren , daß Uli wüßte , woran er sei , und daß es sich bei solchem Schaffen und Sorgen doch nicht meistern lasse wie ein klein Kind . » Mach es nicht , « riet die Base . » Was trägt es dir ab ? Kannst etwas an Vorräten erobern und etwas an Bettzeug , und wenn dir dann die Mause darüber kommen , was hast du dann davon ? Hundert Jahre , wenn ihr das Leben habt , mußt du es noch hören . Fahre in Gottes Namen fort , wie du angefangen hast , und verkauft er dir noch mehr , so lasse es auch geschehen ; denke , an einigen Ellen Leinenzeug und einigen Metzen Obst hängen Heil und Seligkeit nicht . « Während die Base so sprach , strich Joggeli um ein Wägelchen herum , welches geladen wurde , um auf den Markt gefahren zu werden . » Ja , ja , « sagte er . » so ist es recht , das müßte mir auch verkauft sein , und je mehr je lieber ; die Weiber sehen es freilich nicht gerne , wollen Vorräte haben , aber wofür ? Um die gute Frau zu machen oder einen Kreuzer Geld , von dem der Mann nichts weiß . Meine Frau hat mir damit geschadet , es weiß kein Mensch wie viel , und Vreni wird wohl von ihr was davon gelernt haben . Daher hast recht , gleich anfangs zu zeigen , wer Meister ist und welchen Weg es gehen muß . Das Geld wirst brauchen können , allweg fressen es die Mäuse nicht , und die Motten kommen nicht darein . « Solche Reden gefielen natürlich Uli wohl , stärkten seinen Glauben an Joggelis Wohlmeinenheit , an die Notwendigkeit , den eigenen Willen durchzusetzen , und in der Ansicht , Geld machen sei unter allen Künsten die erste und dringlichste . Als Weihnacht kam , hatte Uli wirklich ein schön Stück Geld aus all der Stümpelten gelöst , weit , weit über den Bedarf zu den Gesindelöhnen , und doch war es keine fröhliche Zeit , und das Neujahr war ebenfalls kein heiteres . Es ist oft der Fall , daß wenn man Dienstboten ändert , man den Wendepunkt , wo die alten aus- , die neuen einziehen , nicht er , warten mag und zwar beidseitig nicht . Das Verhältnis ist so giftig geworden , daß man sich nicht bloß kein gut Wort mehr gibt , nicht bloß zornig wird , wenn man sich sieht , sondern sogar , wenn man sich aus der Ferne husten hört . So war es aber in der Glungge nicht , im Gegenteil ; als der Zeitpunkt rückte , wo geschieden werden müßte , mochten beide Teile nicht gerne daran denken , hätten gerne dem Rade der Zeit den Hemmschuh untergelegt . Selbst Uli kam es jetzt , er hätte sich doch vielleicht den unrechten Finger verbunden , allweg habe er sich eine schwere Bürde aufgeladen und Jahre werde es gehen , ehe er aus den Klötzen , welche er angestellt , ordentliche Knechte herausgehauen und zurechtgemeißelt . Begreiflich gestand er es nicht , nicht einmal vor sich selbst wollte er so recht den Namen haben , daß es ihm so sei . Den Knechten ging es ähnlich , sie verließen ungern die Glunggen , zeigten es jedoch nur Vreneli , wie es ihnen war und daß sie wohl wüßten , wenn es nach seinem Kopfe gegangen , sie beisammen geblieben wären . Äußerlich hatten alle das Aussehen , als ob sie sich bitterlich haßten , aber innerlich war bloß ein Grollen , und zwar ein Grollen , daß man von einander mußte und zwar ohne Notwendigkeit , sondern weil jeder einen aparten Kopf hatte und Uli den allerapartesten , gespickt mit Joggelischen Brocken . Abgehende Dienstboten feiern , wie bekannt , das Neujahrsmahl noch mit , es ist das Abschiedsmahl , nach welchem sie weiterziehen auf ihrer Pilgerreise nach einer neuen Station . Viele essen und trinken da noch zum Platzen , um die alten Meisterleute zu ärgern und von ihren Rechten den ausgedehntesten Gebrauch zu machen , und leben doch am besten am Gedanken , wie zornig sie ihre Meisterleute verlassen . Das ist auch ein wüst Zeichen der verkehrten Natur der Menschen , eine wahre Teufelsüchtelei . So gings in der Glungge nicht , man war karg mit den Worten , mit Essen und Trinken ging es auch nicht recht , wie sehr Vreneli nötigte . Daher kam die Offenheit nicht , welche der Wein manchmal bringt , die frostigen Bernernaturen tauten nicht auf , kurz machte man die Sache und düster zog das Jahr auf der Glungge ein , und als am folgenden Morgen die Abgehenden Abschied nahmen und sagten : » Lebet wohl und zürnet nüt « , waren die Gesichter auch duster , doch war keine Stimme , die nicht gebebt hätte , wenn sie