. Es sind ja überall schlimme Zeiten . Aber meine gnädige Frau giebt mir zu , wenn wir unsere Agnes mal als Aebtissin sehen wollen , müssen wir etwas thun . « Die Hausfrau hob die Hände und zeigte ihre zehn Fingern dem Dechanten : » Nun ist ' s genug . Ich soll theilen das sündige Spielgeld , damit ich schweige ! Mein Kind soll ich ausstatten damit ! Die heilige Agnes mag nehmen , was sie verantworten kann , denn sie ist eine Heilige und weiß es besser als ich ; aber meine Agnes soll Aebtissin werden durch Deinen Würfelraub ! Und wenn sie dienende Magd ihr Lebtag bliebe , sie soll lieber Pförtnerin , Küchenschwester , Scheuermagd bleiben , als durch das Teufelsgeld Aebtissin . Herr Dechant , wenn Ihr nicht mein Beichtvater wäret und wir alte Freunde ! So spricht die Schlange . Mir das ! Seht Euch ja nicht um , mäuschenstill ; er steht hinter Euch der Verführer , riesengroß . Der Menschenfeind spricht aus Euren Lippen und Ihr wißt es vielleicht selber nicht . ' S ist doch ein Jammer , daß der Verderber selbst Macht hat über die Geweihten des Herrn . Wo soll denn ein sündiges Menschenkind sich Trostes holen . « » Bleibt still stehen , « rief sie ihm nach , als er ihr folgen wollte . » Für die Nacht graut mich vor Euch . Morgen früh - nun morgen früh ist ein anderer Tag ; wir haben ' s vielleicht beide vergessen und halten ' s für einen Traum . Das wäre das Beste . « Zur ebenen Erde sah es derweil wüst aus . Der Becher , den der Gast dem Dechanten nach dem letzten Wurfe an den Kopf geworfen , rollte noch auf der Diele . Die Würfel lagen zerstreut , und Keiner schien Lust zu haben , sie aufzulangen . Der Herr von Lindenberg aber ging , wie sehr erhitzt , im Zimmer auf und ab , bis er sich auf den Lehnstuhl des alten Götze warf . Den gespornten Fuß legte er auf die Bank und stützte den Kopf auf den Ellenbogen . Peter Melchior saß am Tisch in ähnlicher Stellung ; die beiden Junker , Hans Jürgen und Hans Jochem standen an der Wand . » Ich hab ' s gesagt , hütet Euch vor dem Pfaffen « , sprach Peter Melchior . » Was in des Pfaffen Sack kommt , ist verloren . Jeden anderen kann man kitzeln , aber die todte Hand giebt nichts wieder raus . « » Eine verfluchte Geschichte ! « brummte der Gast . » Wieder haben muß ich ' s. Seine kurfürstlichen Gnaden gab mir auf der Jagd ihren Beutel , um bei der Rückkehr die Almosen auszuwerfen . « » Die Glatzen sind auch arme Leute ! « sagte höhnisch der Andere . » Daß der alte Götz grad ' heut schlafen muß . « Peter Melchior lachte : » Sein Korn ist noch nicht verkauft . « » Mein ' s schon auf dem Halm , und das Geld zum Schornstein hinaus « , fiel der Gast ein . » Ist hier Keiner in der Nähe ? Der Stechow hat nichts , der Holzendorf auch nicht ; der Arnim giebt nichts raus . Ist kein Jude herum ? Nur bis Morgen , bis Uebermorgen soll ' s , der Kurfürst ist darin ängstlich wie eine alte Jungfer um ihren Ruf . « Es fand sich kein Jude , kein reicher Mann . » Blitz ! « rief der Junker Peter Melchior . » Der Krämer Hedderich ! Hätten wir den nicht gehen lassen . Der könnte die Ehre haben für einen Edelmann ein Paar Tropfen zu lassen . Und der Mann ist ' s werth . Als ich so ein bischen in die Kisten und Kasten hineinfühlte , klimperte eine sehr verdächtig . « Der Herr von Lindenberg spitzte die Ohren und fragte weiter , etwa wie ein Mauthbeamter , welcher einem Schleichhändler auf der Spur ist , der ihm zum Schabernack die Grenze passirt hat . Auch die beiden Junker wurden in ' s Gespräch gezogen und wie Zeugen vernommen . » Hedderich ! « Der Gast strich sich über die Stirn . » Den Henker auch , wer kann alle Namen behalten . Wo zog er des Weges . « » Sprach , daß er wollte nach Kölln an der Spree . « » Was wollte er in Kölln ? « » Däucht mich , « sagte Hans Jochem , » wenn ich recht gehört , eine Restzahlung im Schlosse eincassiren . « » Waren Grauschimmel vor seinem Karren ? « Die andern bejahten es . » ' S ist richtig ! « sprach der Herr von Lindenberg , sich auf die Lenden schlagend . » Dacht ich mir ' s doch gleich . So pfiffig sind die Spitzbuben . Wißt , der Kerl , der zerloddert aussieht , wie ein Lazarus aus dem Pracherland , unter seinen Lumpen und Bändern für Bauerndirnen und Stallmägde , führt Wollenzeuge , wie man sie zu Land nicht sieht . Aus Böhmen und Wien her kriegt er sie von den Türken , gewebte , bunte Tücher aus Indien und Schmarkand . Die führt er an den Höfen umher ; Fürsten nur können so was kaufen . In Saarmund am Zoll trafen wir auf ihn . Hatte da auspacken müssen , Seine Gnaden sah es , und kaufte ein gut Stück von den Decken und Tüchern für seine Verlobung , und , wie er ist , zahlt er sogleich den halben Kaufschilling ; o es waren an die zwanzig Mark , die der Kerl einsteckte . Den Rest sollte er sich im Schloß zu Kölln holen . Ewald Köckeritz und die drei Lüderitze fragten ihn , wann er nach Berlin käme sich das Geld zu holen ! Solches Volk riecht aber gleich Lunte , und er band ihnen ein Mährlein auf , daß er über