, nicht niet- und nagelfest aussehen . Es muß eine Ruhepause zwischen der vergangenen und der kommenden Bewegung , es muß verschwebend , nicht wurzelfassend im Erdboden , sein . Eine Frau , die schön steht , gleicht einer Königin , um die sich Dienerinnen - der Sonne , um die sich Planeten bewegen . So stand Faustine . Sie hatte sich spät und schwer entschlossen zu gehen , da sie aber einmal in der Gesellschaft war , so war sie nach ihrer Art munter und triumphirend ; nur so zeigte sie sich den Gleichgültigen . Konnte sie das nicht über sich gewinnen , so blieb sie daheim . Feldern sagte : » Wie freu ' ich mich , daß Sie wieder bei uns sind , anbetungswürdige Gräfin . « » Grüß ' Sie Gott , Herr von Feldern ! « antwortete Faustine . » Sie hätten aber doch wol sagen können : angebetete Gräfin ! da sogar Junker Tobias sagt : » Ich bin auch einmal angebetet worden . « « Mengen horchte hoch auf . Aber sie scherzt ja ! sprach er zu sich selbst ; so schön und so munter - das ist recht selten . Schönheiten begnügen sich gewöhnlich damit , schön zu sein . Sie wollen sich nicht selbst - Andere sollen sie amüsiren ! das macht sie kläglich langweilig . - Zu diesen hochverrätherischen Gesinnungen gegen die Schönheit veranlaßte ihn seine Gegnerin im Schach : Lady Geraldin , die das non plus ultra von Liebenswürdigkeit gethan zu haben wähnte , dadurch , daß sie sich zeigte und sich anblicken ließ . Faustine setzte sich zu Frau von Eilau . Die Herren und Damen der Tafelrunde verbargen sie fast ganz vor Mengens Blick , der nur dann und wann ihren Kopf wahrnahm , wenn ein Anderer sich rechts oder links bog . Er hätte für sein Leben gern diesen Kopf ununterbrochen betrachtet , studirt - man konnte ihn studiren wegen der interessanten Mischungen des Ausdrucks - er schob seinen Stuhl bald so , bald anders , aber es half ihm zu nichts , als daß Lady Geraldin fragend ihn ansah und einen seiner Springer nahm . Er mußte sich gedulden . Dieser Kopf , der über einer mit Schwan besetzten Mantille schwebte , wie der Mond über lichtem Gewölk , und der bald auftauchte , bald hinter Wolken verschwand , hatte etwas seltsam Reizendes : er kam immer mit einem neuen Ausdruck zum Vorschein . Faustinens Augen faßten ihren Gegenstand fest an , wie mit einer sichern Hand ; sie forschten nicht , sie fragten kaum , sie wußten ; sie verhehlten und überschleierten auch nichts , sie waren wolkenlos und vertrauenerweckend , wie der Himmel ; unbekümmert , als gäbe es nichts Häßliches auf der Welt zu sehen , und rein , als wären sie nie der Gemeinheit begegnet . Die Augen eines Engels ! dachte Mengen . Um ihren Mund gaukelten Muthwille , Schalkheit , Stolz , Bewußtsein der Ueberlegenheit , Spott . Und der Mund eines Menschen ! fügte er hinzu . Aber das warme Colorit , das bewegliche Mienenspiel , die weichen Umrisse verschmolzen den Engel und den Menschen zu einem äußerst lieblichen Weibe . Und gerade diese Mischung ist so anziehend ! Das allgemein Menschliche macht , daß solch Gesicht uns gleich ganz vertraut anblickt und uns gewinnt , indem es uns glauben macht , wir hätten einen lieben Freund , der so aussieht . Und wenn wir es genauer beobachten , so wird es durch das Charakteristische dermaßen individualisirt , daß wir nach zehn Minuten die Ueberzeugung gewinnen , es sei lediglich für diese Person geschaffen , vielleicht gar , sie selbst habe es sich geschaffen - was im Grunde jeder Mensch thut , der zum Bewußtsein gekommen . Die Richtung der Seele drückt dem Körper ihren Stempel auf . Lady Geraldin hatte das Spiel gewonnen ; Mario stand auf ; da sagte sie gleichmüthig : » Sie haben mich absichtlich gewinnen lassen ; das mag ich nicht . Noch eine Partie ! « Mit freundlichem Grimm gehorchte er , und beschloß , so gut zu spielen , daß sie in fünf Minuten matt sein sollte . Allein sie war ihm gewachsen : es ging nicht so rasch . Am runden Tische wurde lebhaft geredet . » So heirathet der junge , reiche , gescheute Mann , der eine der ersten Partien in Europa hätte machen können , diese intriguante Person , die wenigstens zehn Jahre älter ist , als er « - beschloß Jemand eine Tagesgeschichte . » Desto früher wird er ihrer überdrüssig werden . « » Und auf ein zärtliches Glück ist es wol nicht von ihrer Seite abgesehen ! sie will einen glänzenden Namen , Vermögen , welches selbst im Fall einer Scheidung ihr ausgemacht ist .... « - » Bravo ! im Ehecontract die Scheidung zu bedenken - das gefällt mir ! das ist eine Vorsicht im grandiosen Styl . « » Ich nenne das gemein « - sprach Faustine ruhig . » Eltern können aber wirklich kaum mehr ohne jede mögliche hypothekarische Sicherheit ihre Töchter einem Manne anvertrauen . Nach zwei , drei Jahren ist die Sache zu Ende , wie ein Schauspiel , und die ganze Zukunft eines Mädchens zerstört . « » Ich weiß wol ! « entgegnete sie ; » aber ich finde es entadelnd für ein Mädchen , wie ein Ballen Waaren assekurirt , hin und her spedirt zu werden . Kaufmännisch gemein , gehört diese Institution ganz einer Zeit an , die gleich der Schlange , nach der Edda , an den Wurzeln des Baumes nagt , der den Himmel und die Götter trägt . Das Gefühl wird an der Wurzel untergraben . Ein Mädchen soll die Zuversicht haben , daß weder Himmel noch Hölle sie von ihrem künftigen Gatten trennen können . Hat sie die nicht , so heirathe sie ihn nicht . « » Aber sie hatte sie oft , und verliert sie nur später .