ihnen zu tun und wüßte doch immer , wo sie wären . Aber auch die Diensten schienen anders zu werden . Es gab viel weniger Verdruß mit ihnen , viel weniger Streit unter ihnen . Sie hatten etwas , das ihre Gedanken beschäftigte , und mußten nicht , um etwas zu denken , ihren bösen Gelüsten , ihrem Neid gegen den Meister , den Aufweisungen ablosen und sie immer wiederkauen . Es rührte sich etwas Besseres in ihnen , und sie begriffen immer mehr , daß es doch eigentlich ein Unterschied sei zwischen einem Mooskalb und einem vernünftigen Menschen . Wie beim gesund werdenden Menschen der Hunger kömmt und , solange kein Hunger da ist , immer noch der Tod seine Krallen zweg hat , so kam bei ihnen auch der Appetit nach Gottes Wort , und sie gingen gerne in eine Predigt , ja sogar hie und da in eine Kinderlehre und wußten dann nicht nur zu sagen , was verlesen und verkündet worden , sondern auch , wo der Herr den Text gehabt , und bald dies , bald das , was ihnen in der Predigt aufgefallen . Dar , an knüpften sich dann über Tisch Gespräche und zwar recht ernsthafte , und wenn einer etwas spotten wollte , so wurde er zurechtgewiesen . Sie wurden dabei sich immer mehr bewußt daß es doch etwas Hohes und Bedeutendes sei , ein Christ zu sein , und daß ein christlicher Knecht doch viel besser daran sei als ein heidnischer König , der nicht recht wisse , warum er auf der Welt sei , während der christliche Knecht doch wisse , daß er da sei , um ein Kind Gottes zu werden und das Himmelreich erblich zu erwerben . Die Nachmittage gingen vorbei wie im Fluge , und allemal , wenn es viere schlug , wollte es niemand glauben : Das könne unmöglich sein , sagten sie , man hätte ja erst gegessen . Die Bäurin sagte selbst , sie hätte das nicht geglaubt und hätte selber recht kurze Zyti dabei . Ja es kam sie mehr als einmal an , daß sie im halben Tag ein Kaffee machte über den ganzen Tisch weg und nicht einmal daran dachte , was die Leute sagen werden , daß sie am Sonntag im halben Tag ein Kaffee mache für Knechte und Mägde . Etwas Unerwartetes hätte die ganze Geschichte beinahe verkehrt und zerstört . Man sieht im Winter da , wo die Sonne warm und viel scheinet , die Fliegen sich hinziehn und da an der Sonne ihr Leben genießen ; gerade so ists an Sonntagen , wo ein warmer Ofen für Diensten frei ist , mit den Diensten . Es ist recht traurig zu sehen , wie sie sich fast unwillkürlich herzulassen wie die Fliegen an die Sonne und sich wärmen und im Gefühl der Wärme auftauen und ihres Lebens sich freuen . Freilich ist dann dieses Auftauen oft ein schmutziges , und die Freude gibt sich auf eine wüste Art kund . Es ging nicht lange , so merkte hie und da einer , daß am Sonntag beim Bodenbauer eine warme Stube sei . Wo nun das Gelüsten treibt , macht ein Knechtlein nicht lange Komplimente . » Seh komm , « sagt er zu seinem Kameraden , » wir wollen da hinein , sie werden uns notti nit fresse , er ist öppe kei Herr nit und mi wird öppe wohl i si Stube dörfe . Er het zwo vrfluecht brav Jumpfere , die werde wohl öppe o dinne sy . « Mit diesem Sinne drang nun der Eine den Andern hinein und wollten nun drinnen Flausen machen , den Narren treiben , Karlishof haben . Es kamen nicht nur Knechte , sondern diesen nach zogen auch Jumpfern , und diesen war es auch nicht um etwas Vernünftiges , sondern nur um die Knechtlein zu tun . Das gab nun ein Zök , ein wüst , unsauber Wesen in Reden und Gebärden , in Liedern und Werken , daß der Bodenbauer Holla machen mußte , so unangenehm es ihm war . Denn es wird wohl einem Landmann nichts unanständiger sein , als wenn er fremde Diensten zurechtweisen , ja überhaupt , wenn er sich geradeaus einen Tadel , eine Zurechtweisung erlauben muß , die man ihm übel nehmen , übel auslegen , nachtragen könnte . Aber es mußte geschehen . Er sagte daher einmal : Er wolle niemand verbieten , in sein Haus zu kommen , allein dasselbe sei kein Haus für Kilbi zu halten ; wer nur wüst tun wolle , solle an ein ander Ort hingehen , und des Zöks begehre er nichts . Man könne ja bald nicht einmal stehen in der Stube , und es stinke von Tubak , daß es eim fast erstecke . Es gutete nun . Freilich räsonierten einige kreuzerige Knechtlein , und einige viererige Jungfräulein rümpften die Nase , aber was frug dem der Bodenbauer nach ! Achtes Kapitel Ein Knecht kommt zu Geld , und alsbald zeigen sich die Spekulanten Den ganzen Winter über hatte Uli fast kein Geld gebraucht und so wenig Kleider , daß er sich selbst verwunderte . Ein einziges Mal war er im Wirtshaus gewesen , und da hatte ihn der Meister noch selbst gehen heißen . Er solle auch einmal gehen und eine Halbe haben , damit er nicht vergesse , wie es in einem Wirtshause sei . Er komme später selbst nach , dann wollten sie miteinander heim . So ging es auch . Der Meister zahlte ihm noch einen Schoppen , und zum erstenmal in seinem Leben kam Uli mit einer Ürti von wenig Batzen und als ein vernünftiger Mensch zum Wirtshaus hinaus . Er hätte nicht geglaubt , sagte er dem Meister , daß das möglich sei . Es schien , als sei er mit der Erkenntnis dieser Möglichkeit um einen ganzen Fuß größer geworden . Als er so mit seinem Meister vernünftig heimging und mit ihm redete als wie mit einem