bedeckte plötzlich das bleiche Gesicht ; die Stirn zog sich in drohende Falten , ihre Augen glänzten und waren fest auf Stanloff geheftet . Dann hob sie beide Arme hoch empor und drückte die gefalteten Hände wild vor die Stirn . Ich mußte mich abwenden , meine Kniee bebten , ich zürnte auf Stanloff ; ich fürchtete , Geisteszerrüttung würde die schreckliche Folge dieser jähen Aufregung sein . Doch im selben Augenblick und so schnell , daß es fast Stanloffs letztes Wort verschlang , rief sie : Ja , ich weiß jetzt Alles , sie ist todt , Hanna ist verbrannt , Gersem erschlagen - ich - ja ich - ich bin entflohn mit Gersem , bis der schreckliche Mann mich ergriff - dann - ( ihre Gedanken schienen immer zu versagen ) - bis ich entfloh . Ach , wie weit war der Weg ? Ich weiß nicht , wie weit , aber o Gott ! meine liebe , liebe Tante ! - Von da an flossen ihre Thränen in heißen Strömen , und es ist leicht wahrzunehmen , daß es der Tod dieser Tante ist , der sie so heftig betrübt . Mistreß Morton hat mich alsdann abgelöst , sie wird Euer Durchlaucht weiter berichten können . Ich fand sie noch weinend in ihrem Bette , hob Mistreß Morton auf ein Zeichen ihrer Gebieterin an , doch sie war sanft und vollkommen bei Sinnen . Ich sprach ihr zu , und sie sagte mit sanfter Stimme : Ich danke Euch für Eure guten Worte , liebe Frau , doch laßt mich nur weinen , wie sollt ' ich es auch nicht ! Man hat mir bisher keine Zeit gelassen , die zu beweinen , um die ich nie aufhören kann zu trauern ; Ihr wißt nicht , wie viel ich in ihr verlor ; ich weiß es wohl selbst nicht und denke nur an mein Herz ! Liebe Frau , sprach sie dann weiter , als sie mich genau betrachtet , warum trauert Ihr alle ? - Auch in unserm Schlosse war Alles in Trauer , aber warum Ihr ? Ich sagte es , und dies lenkte sie von ihrem Schmerze ab - sie weinte um Euch , Frau Herzogin . Sie wiederholte oft Euern Namen und frug , ob Ihr gewiß sie schützen würdet , sie könne ihr Schicksal noch nicht fassen . Aber vielleicht kommt Hanna und sucht mich , fuhr sie fort , vielleicht finde ich irgendwo Schutz , dann - sie seufzte schwer , sie schien so überrascht von ihrer Hülflosigkeit und sagte oft : Ach , Elisabeth , sähest Du Deine arme Marie so ! - Elisabeth ! rief die Herzogin und zuckte , als ob ein giftiger Pfeil sie berührt hätte . Dies , glaube ich , war der Name ihrer Tante , den sie nannte , doch kann ich mich irren , erwiederte Morton , und Verlegenheit und Unruhe drückte sich in ihren Zügen aus . Ich wüßte nicht , warum Du Dich irren solltest , sagte die Herzogin streng und gefaßt , klingt dieser Name nicht vom Throne bis zum Volke nieder , als bekannt , oft gehört und nicht zu verwechseln ? Die peinliche Wendung , welche die Sonderbarkeit der Herzogin diesem Moment gab , ward wohlthätig unterbrochen durch Ottwey , der die Thüren nach einem kleinen Saale öffnete , wo bei unfreundlichem Wetter die Familie zu Nacht zu speisen pflegte . Sir Richard Ramsey erschien in derselben und zeigte , indem er , als Seneschall des Schlosses , ein silbernes Becken mit einer gleichen Kanne trug , den Herrschaften an , daß die Tafel servirt sei . Die Damen legten ihre Arbeit bei Seite , und die Herzogin näherte sich ihrer Schwiegermutter und führte sie gegen den Saal . Hier nahmen sie die Ehrenbezeigungen des Sir Ramsey an , indem sie die Finger in das Wasser tauchten , welches er aus der Kanne in das Becken goß . Ottwey nahm Beides sodann schnell in Empfang , Sir Ramsey zog die Stühle für die beiden Damen und begab sich dann auf seinen Platz am Ende der Tafel , die Speisen zu zerlegen und vorzukosten . Doch blieb die Gesellschaft still und einförmig . Die Herzogin saß zwar in ruhiger Haltung , aber ohne Versuch , das Gespräch zu beleben . Die Damen wagten nicht , einer so düstern Stimmung eine andere Färbung zu geben . Arabella gehörte zu den Seelen , die leicht erdrückt werden von der Ueberlegenheit Anderer , und sie fühlte sich stets so ihrer Mutter gegenüber . Nur die Großmutter und Lucie brachten etwas Bewegung hinein . Lucie war in stets lebendigem Verkehr mit Allem , was sie umgab . Sie redete Alle an , sie scherzte , sie neckte , und blieben die Antworten aus , hatte sie mit der Dienerschaft ihren Verkehr , und weil sie der Liebling des ganzen Hauses war , und ein Engel an Güte und steter Heiterkeit , ruhten die Blicke Aller auf ihr , und ihre leichteste Frage blieb hier nicht unbeachtet . Heute schien ihre Laune doppelt heiter , da die allgemeine Stille ihr Raum gab . Sie neckte sich unaufhörlich mit Ramsey , und der kecke Jüngling , der ihr nichts schuldig blieb , unterhielt das Feuer ihres kindlichen Witzes , bis er endlich , sie zu necken , von ihrem Lieblinge Gaston anfing , wie er von Morgen an in der Hundehütte bei Wasser und Brod Arrest bekommen würde , weil er etwas im Dienste versehen habe . Gaston ! rief Lucie und wurde glühend roth , Gaston in die Hundehütte ! Wage es ! rief sie und hob die kleine Hand zürnend gegen ihn auf . Aber das sage ich Dir , allein soll er da nicht liegen , Du oder ich , eins von uns beiden geht mit hinein . Bei den letzten Worten kam das holde Lächeln schon wieder um den reizenden Mund , und sie frug weiter : Darf man den gestrengen