um des glücklichen Ausgangs willen nicht zürnen . Wir traten in die Sterbekammer . Da war die Liebe von den Toten auferstanden . Fabian und Ida lagen einander in den Armen . Sie herzten sich und küßten sich , und wußten beide nicht , was sie taten . Sie wollte von ihm wissen , wie ihm zumute gewesen sei ? er erwiderte , in diesem Punkte besonnen , er wisse von nichts , sie müsse den Doktor fragen . Ich verbot alle Erklärungen , und riet ihnen , sich des Lebens zu freun . Die Mutter trat hinzu , gab ihm die Hand , und sagte sehr freundlich : » Lieber Sohn , Sie machen uns schöne Streiche . Mein Gott , wie das hier aussieht und riecht , es fällt mir auf die Nerven . Verlassen wir den leidigen Ort . « Ich benutzte den Augenblick , küßte ihr ehrerbietig die Hand , und sagte bescheiden : » Edle Frau ! Ida ist vor Liebe krank geworden , Fabian wäre beinahe daran gestorben ; sollen Ihre Kinder noch länger schmachten ? « Die Gewalt dieser Auftritte hatte sie erweicht . Sie gab die Zustimmung zu dem , was die Verlobten wünschten . Es folgte ein neuer Sturm von Liebkosungen und Umarmungen , in dem ich ebenfalls zuletzt von ohngefähr mehrere Küsse bekam . Indessen waren die Fügungen des Himmels auch tätig gewesen . Denn als wir eben aus dem seltsamsten aller Boudoire aufzubrechen im Begriff standen , nahte sich der Bursche Fabians mit der in gemeßner Haltung vorgebrachten Meldung , daß der Oberst schon dreimal nach ihm geschickt habe , indem das ersehnte Patent nun endlich eingetroffen sei . So führte Ida statt eines erblichnen Lieutenants , nach dem sie ausgefahren war , einen lebendigen Capitain nach Hause . - Sie leben sehr glücklich miteinander , manche Szene , die sonst in die Ehe fällt , haben sie vorher schon unter sich abgetan , dazu ist wenigstens der lange Brautstand dienlich gewesen . Mir brachte die sorgsame Behandlung des Fräuleins während jener drei Tage und die Rettung des Bräutigams große Gunst in den vielen mit dem Hause verbundnen Familien zuwege . Einer lobte mich immer noch mehr als der andre , so entstand mir bald ein Ruf , den mir so manche an armen Leuten im Verborgnen geübte saure Mühe nicht erworben hatte . Zuerst schlug mich das Gewissen etwas , nachher beruhigte ich mich durch den Anblick der allgemeinen Scharlatanerie , die in der Welt herrscht , über die meinige , die wenigstens niemand geschadet , vielmehr eine zufriedne Ehe gestiftet hat . Drittes Kapitel In den folgenden Tagen war in den Zimmern des Herzogs große Geschäftigkeit . Ein fremder Rechtsgelehrter war angekommen , mit dem der Fürst und Wilhelmi in eifrigen Gesprächen unter Papieren und Akten zusammensaßen . Es wurde viel nach dem Archive geschickt , bunte Stammbäume mit vergoldeten Siegelkapseln lagen auf den Tischen umher , man holte Bücher aus der Bibliothek ; eine wichtige Frage beschäftigte die Versammelten . Der Advokat hatte die Nachricht von dem Tode eines Seitenverwandten überbracht , und mit dieser Post ungewünschte Eröffnungen verbunden . Wir fassen das Resultat jener Gespräche in einem kurzen Berichte zusammen . Das alte Haus , dessen Glanz gegenwärtig nur allein noch der Herzog in kinderloser Ehe repräsentierte , teilte sich schon seit hundert Jahren in zwei Linien , in die ältere , und in die jüngere gräfliche . Die Natur schien es auf ein Erlöschen des berühmten Namens angelegt zu haben , denn jener Seitenverwandte , der Graf Julius , war der letzte der jüngern Linie gewesen . Er hätte noch länger leben können , wenn nicht zu rascher Genuß seine Tage abgekürzt hätte . Als Jüngling vaterlos geworden , gebot er über ein bedeutendes Erbe , dem er auf keine Weise vorzustehen wußte . Kühnheit und Leichtsinn verwickelten ihn in vielfältige Abenteuer , er glänzte am Hofe , er wollte auch zu Hause glänzen ; dieser gedoppelte Aufwand hätte die Minen Perus erschöpfen können . Bald war er von Gläubigern umringt , sah sich in Verlegenheit , und bei seinem gänzlichen Mangel an Erfahrung , ohne Mittel , aus derselben zu kommen . Damals lernte er Hermanns Oheim kennen , welcher in der für Tausende unglücklichen Periode , die unsrem Vaterlande angebrochen war , eben sein Glück zu machen begann . Vom düstern kleinen Comptoir im Hinterstübchen eines mäßigen Hauses ging er mit sichrem Schritte auf die Million zu . Schon dachte er an Landbesitz , um seine großen , weitgreifenden Fabrikplane zu verwirklichen . Graf Julius sprach ihn um ein bedeutendes Kapital an , womit die dringendsten Schulden bezahlt werden sollten . Der Oheim pflegte sonst an Verschwender , deren Güter bereits über die Hälfte des Werts andren gehören , nicht zu leihen . Indessen mußte ihm wohl in diesem Falle der Verschwender selbst eine gute Hypothek sein . Er gab und gab , bis die Besitzungen des Grafen , nach einem freilich wohlfeilen Anschlage , sein waren . Nun erklärte er , nichts mehr geben zu können . Jetzt war der Graf erst in der rechten Not . Die Zinsen verschlangen die Einkünfte , niemand wollte sein Geld mehr bei ihm wagen . Man weiß , wie die allgemeine Verzweiflung jener Zeit auch das Letzte , worauf sich sonst der Mensch verläßt , den Grund und Boden , im Werte heruntergedrückt hatte . Zum zweiten Male erschien ihm der Oheim jetzt als Retter und Heiland . Er schlug ihm einen Verkauf der Güter vor , wollte sie für die vorgeschoßnen Summen annehmen , und dem Grafen freie Wohnung auf dem Schlosse seiner Väter , sowie eine jährliche anständige Rente gewähren . Das Geschäft war zulässig ; die Gesetze der großen Nation , welche uns beherrschte , hatten bekanntlich alle feudalistischen Beschränkungen des Eigentums aufgehoben . Der Graf frohlockte bei dem Gedanken an ein sorgenfreies Leben , wie seine Imagination es ihm vorstellte ; er schlug ein . Die Rittergüter gingen in die