Fremden gestört sehe . » Ich bin kein Fremder ; « erwiederte Dagobert kurz : » ich bin des Prälaten Neffe , und hoffe allerdings auf unverzüglichen Empfang . « Der Diener , ein Italiäner und mit barbarischem Deutsch behaftet , wurde nun zwar ehrerbietiger denn zuvor , wies aber den Besucher stumm und trocken über den Hof . Dagobert kehrte dem trägen Nußfresser den Rücken , und flog , den angegebnen Weg verfolgend , die Treppe hinan , an der offnen Küche vorbei , die einen Wohlgeruch ausströmte , wie er selbst im väterlichen Hause seine Nase nicht gekitzelt hatte . Auf dem Vorplatze angelangt , der mit Heiligenbildern geschmückt war , untersuchte Dagobert , welche von den drei vorhandenen Thüren diejenige sey , die zu dem Oheim führen möchte . Die Eine war verschlossen , die Andre nicht , aber scheu zog diese der Jüngling wieder zu , weil er in ein Gemach gesehen , das augenfällig von einem Frauenbilde bewohnt war , wie es die zierliche Ordnung , der Stickrahmen am Fenster und mehrere auf Stühlen ausgebreitete Frauengewänder andeuteten , obgleich die Besitzerin nicht gegenwärtig war . Die dritte Thüre war noch übrig , ebenfalls verschlossen wie die Erste , aber ein daran angebrachter Glockenzug schien das Mittel sie zu erschließen anzugeben . Dagobert bewegte die Schelle leise und bescheiden , und vernahm bald darauf Tritte , die sich näherten , und Geräusch des aufgezogenen Riegels . Die Thüre sprang auf , aber statt eines grämlichen Dieners mit einem Klostergesichte , wie es Dagobert erwartet , schaute ein rundes Mädchenantlitz daraus hervor , wie er es nicht erwartet hatte . Das Antlitz trug freundliches Gepräge , bis auf einen finstern Zug zwischen den Augenbraunen , der zu sagen schien : Was willst Du denn zu dieser Stunde , Störefried ? ..... Dieser Zug verschwand indessen , als ein flüchtiger Blick die Dirne belehrt hatte , daß es ein schlanker wohlgebauter Mann sey , der sich hier , wiewohl nicht in der fließendsten Rede , nach dem Prälaten befrage . Dagobert bemerkte indessen die Veränderung in dem Gesichte des Mägdleins , und fuhr muthiger fort : » Fast muß ich befürchten durch den hämischen Unverstand des Pförtners an die unrechte Thüre gerathen zu seyn , denn ich suche die Zelle eines Himmelgeweihten , und finde mich nun am Himmel selbst . « Das Mädchen lächelte ohne weiter um die Schmeichelei ein Wort zu verlieren . » Euer Begehr ? « fragte sie in gebrochenem Deutsch : » Monsignore läßt sich nicht sprechen um diese Stunde . Eure Botschaft will ich ausrichten , so ich es vermag . « Dagobert betrachtete einen Augenblick lächelnd und kopfschüttelnd die ungewöhnliche Thürhüterin eines Geistlichen , und erwiederte scherzend : » Mein schönes Kind , das geht nicht an . Meine Botschaften pflege ich selber auszurichten , und schmeichle mir , weder durch Ton noch Kleid den Knecht zu verrathen , den man vor der Thüre abspeist . Sollte ich übrigens eines Namens von Gewicht bedürfen , um hier den Eingang zu finden , so melde dem Prälaten : mich sende der Herzog von Ostreich . « Augenblicklich verneigte sich die Pförtnerin ehrerbietig , versprach den Besuch zu melden , und verschwand in dem anstoßenden Gemach . Dagobert , dem der Auftritt Spaß machte , nahm von dem Vorzimmerchen Besitz , wo ein Altar der heiligen Mutter aufgerichtet war , geschmückt mit silbernen und goldnen Blumen , und wo ein ungemein lieblicher Weihrauchduft herrschte , der aus den Zimmern des Prälaten sich zu stehlen schien . - » Recht so , guter Ohm ! « flüsterte der Neffe vor sich hin : » Du machst Dir die Gelübde leicht , wie mir ' s vorkömmt , und suchst das Paradies Dir schon in dieser Welt zu schaffen . Wenn das Übrige dem , was ich bereits sah , entspricht , so überredet Niemand leichter zu dem Klosterstande , als Dein Beispiel ! « Das Mädchen erschien auf der Schwelle des Gemachs , und winkte verbindlich dem Harrenden , einzutreten . Dagobert wartete keine zweite Einladung ab , und ließ die Schöne im Vorzimmer zurück . Er traute aber seinen Augen nicht , da er die Stube seines Oheims betrat . Er ging auf kostbaren Teppichen , so weich und glatt , daß er seinen eignen Schritt nicht vernahm . Eine gelinde Wärme erfüllte das Gemach , und der Duft balsamischer Spezereien zog behaglich aus der Räucherpfanne auf , die in der Ecke am Ofen glühte . Warme und schön gewirkte Decken bekleideten die Wände vom Simse bis zum Boden . Schwellendgepolsterte Stühle luden zur Ruhe ein , wie es auch die durch grüne Fensterschirme gemilderte Tagshelle that . Ein glänzend geputzter Kredenzschrein blendete das Auge durch den Schimmer der vielen da aufgestellten Geschirre und Trinkgefässe . Ein schon zum Mittagsmahle gerüsteter Rundtisch mit blinkendem Geräth geziert , in der Nähe einer zierlichen Kühlwanne , aus der kurzhälsige Flaschen guckten , erweckte die Lust nach leckerm Imbiß und Trunk . Von der Höhe des Zimmers schmetterten seltne Singvögel aus gelben Drahtkästchen ihr muntres Lied herab . Der Besitzer all dieser Herrlichkeiten aber dehnte sich auf einem üppigen Lotterbette . Das herrlich geschriebene und in goldbeschlagnen Sammet gebundne Brevier war seiner Hand entsunken , und ein grauer Sittich hatte sich von seiner unfern stehenden Stange an langer Kette herunterbegeben , und dem Herrn auf die fleischige Linke gesetzt , die er mit dem krummen Schnabel liebkosend pickte . Dagobert hatte Muße genug , seinen Oheim genau zu betrachten , als sich derselbe schwerfällig von den Ruhepolstern aufrichtete , ohne jedoch die liegende Stellung ganz zu verlassen . Das war nicht mehr der hagre bleiche Augustinermönch , mit dem ernsten Antlitz und den tiefliegenden niedergeschlagnen Augen , auf den sich Dagobert wohl noch zu Zeiten aus seiner frühsten Kindheit erinnert hatte . Die Zeit hatte ihn zu einem stark beleibten Prälaten umgewandelt , der außer dem Kreuze von Topasen und Gold gefertigt , nichts Mönchisches mehr