sich also verlassen , nimmer zu helfen wüßte.17 Diejenigen , worauf er gehofft , seien ihm benommen , seinen Feinden sei er ein Spott ; denn ohne die Schweizer könne er keine Schlacht wagen . Da trat ein alter , eisgrauer Mann hervor , der sprach : Herr Herzog ! habt Ihr unsern Arm schon versucht , daß Ihr die Hoffnung aufgebt ? schaut , diese alle wollen für Euch bluten ; ich habe Euch auch meine vier Buben mitgebracht , hat jeder einen Spieß und ein Messer , und so sind hier viele Tausend ; seid Ihr des Landes so müde , daß Ihr uns verschmäht ? Da brach dem Ulerich das Herz ; er wischte sich Tränen aus dem Auge und bot dem Alten seine Hand . Ich zweifle nicht an eurem Mut , sprach er mit lauter Stimme . Aber wir sind unserer zu wenig ; so daß wir nur sterben können aber nicht siegen . Geht nach Haus ihr guten Leute und bleibet mir treu . Ich muß mein Land verlassen und im bitteren Elend sein . Aber mit Gottes Hülfe hoffe ich auch wieder hereinzukommen . So sprach der Herzog , unsere Leute aber weinten und knirschten mit den Zähnen und zogen ab in Trauer und Unmut . - « 18 » Und der Herzog ? « fragte Georg . » Von Blaubeuren ist er weggeritten , wohin weiß man nicht . In den Schlössern aber liegt die Ritterschaft , sie zu verteidigen , bis der Herzog vielleicht andere Hülfe bekommt . « - Der alte Johann unterbrach hier den Boten und meldete , daß der Junker auf zwei Uhr in den Kriegsrat beschieden sei , der in Frondsbergs Quartier gehalten werde ; Georg war nicht wenig erstaunt über diese Nachricht ; was konnte man von ihm im Kriegsrat wollen ? Sollte Frondsberg schon ein Mittel gefunden haben , ihn zu empfehlen ? » Nehmt Euch in acht , Junker « , sprach der Bote , als der alte Johann das Gemach verlassen hatte , » und bedenkt das Versprechen , das Ihr dem Fräulein gegeben , vor allem erinnert Euch , was sie Euch sagen ließ : Ihr sollt Euch hüten , weil man etwas mit Euch vorhabe . Mir aber erlaubt , als Euer Diener in diesem Haus zu bleiben ; ich kann Euer Pferd besorgen und bin zu jedem Dienst erbötig . « Georg nahm das Anerbieten des treuen Mannes mit Dank an und Hanns trat auch sogleich in seinen Dienst , denn er band seinem jungen Herrn das Schwert um , und setzte ihm das Barett zurecht . Er bat ihn noch unter der Türe , seines Schwures und jener Warnung eingedenk zu sein . Dem unbegreiflichen Ruf in den Kriegsrat und der sonderbar zutreffenden Warnung Mariens nachsinnend , ging Georg dem bezeichneten Hause zu ; man wies ihn dort eine breite Wendeltreppe hinan , wo er in der ersten Türe rechts , die Kriegsobersten versammelt finden sollte . Aber der Eingang in dieses Heiligtum ward ihm nicht so bald verstattet ; ein alter bärtiger Kriegsmann fragte , als er die Türe öffnen wollte , nach seinem Begehr , und gab ihm den schlechten Trost , es könne höchstens noch eine halbe Stunde dauern , bis er vorgelassen werde ; zugleich ergriff er die Hand des jungen Mannes und führte ihn einen schmalen Gang hindurch , nach einem kleinen Gemach , wo er sich einstweilen gedulden solle . Wer je in besorgter Erwartung einsam und allein auf der Marterbank eines Vorzimmers saß , der kennt die Qual , die Georg in jener Stunde auszustehen hatte . Das ungeduldige Herz pocht der Entscheidung entgegen , alle Nerven sind gespannt , das Auge möchte die Türe durchbohren , das Ohr schärft sich , wenn in der Ferne eine Türe knarrt , Schritte über den Hausgang rauschen oder undeutliche Stimmen im anstoßenden Zimmer lauter werden . Aber die Türen haben umsonst getönt , die Schritte immer näher und näher kommend , gehen vorüber , der ungleiche Ton der Stimmen sinkt zum Geflüster herab . Die Bretter des Fußbodens und die Fenster des Nachbarhauses sind bald gezählt , und schon wieder zeigt der helle Ton der Glocke eine umsonst verlebte halbe Stunde an . Das Ohr begleitet alle Glocken und Uhren der Stadt , bemerkt ihre hohen und tiefen Töne - auch sie haben ausgeschlagen . Man steht auf , man macht einen Gang durch das enge Gemach , horch ! da geht wieder eine Türe , gewichtige Schritte kommen den Gang herauf , die Klinke der Türe bewegt sich nach so langer Zeit wieder - » Georg von Frondsberg läßt Euch seinen Gruß vermelden « , sprach der alte Kriegsmann , der nach so langer Zeit wieder zu Georg kam , » es könnte vielleicht noch eine Weile dauern ; doch sei dies ungewiß , darum sollet Ihr hierbleiben . Er schickt Euch hier einen Krug Wein zum Vespern . « Der Diener setzte den Wein auf den breiten Fenstersims des Zimmers , denn ein Tisch war nicht vorhanden , und verließ das Gemach . Georg sah ihm staunend nach ; er hätte dies nicht für möglich gehalten ; über eine Stunde war schon verschwunden , und noch nicht ? Er griff zu dem Wein , er war nicht übel , aber wie konnte ihm in seiner traurigen Einsamkeit das Glas munden ? Es ist ein gewöhnlicher Fehler junger Leute in Georgs Jahren , daß sie sich für wichtiger halten , als es ihre Stellung in der Welt eigentlich mit sich bringt . Der gereiftere Mann wird eine Beeinträchtigung seiner Würde eher verschmerzen oder wenigstens sein Mißfallen zurückhalten , während der Jüngling empfindlicher über den Punkt der Ehre leichter und schneller aufbraust . Kein Wunder daher , daß Georg , als er nach zwei tödlich langen Stunden in den Kriegsrat abgeführt wurde , nicht in der besten Laune war . Er folgte schweigend dem ergrauten Führer , der ihn hieher geleitet hatte , den