dem Kaffee habe ich sie umgebracht . Schrecken durchrieselte meine Glieder , als ich so deutlich und gleichgültig von einem Mord sprechen hörte , so leise als möglich näherte ich mich vollends der Hecke , die mich von jenen trennte , schärfte mein Ohr wie ein Wachtelhund , daß mir ja nichts entgehen sollte , und hörte weiter : Und wie haben Sie ihr den Tod beigebracht ; wie gewöhnlich durch Gift ? oder haben Sie die Unglückliche , wie Othello seine Desdemona , mit der Bettdecke erstickt ? Keines von beiden , entgegnete jene , aber recht hart ward mir dieser Mord ; denken Sie sich , drei Tage lang hatte ich sie schon zwischen Leben und Sterben , und immer wußte ich nicht , was ich mit ihr anfangen sollte ; da fiel mir endlich ein gewagtes Mittel ein : ich ließ sie , wie durch Zufall , von einem Steg ohne Geländer in den tiefen Strom hinabgleiten , die Wellen schlugen über ihr zusammen , man hat von Elisen nichts mehr gesehen . Das haben Sie gut gemacht , und die wievielte war diese , die Sie auf die eine oder die andere Art umbringen ? Nun das wird bald abgezählt sein , Pauline Dupuis , Marie usw. , aber die erstere trug mir am meisten Ruhm ein ; es waren dies noch die guten Zeiten von 1802 , wo noch wenige mit mir konkurrierten . Die Haare standen mir zu Berg ; also fünf unschuldige Geschöpfe hatte diese Frau schon aus der Welt geschafft . War es nicht ein gutes Werk an der menschlichen Gesellschaft , wenn ich einen solchen Greuel aufdeckte und die Mörderin zur Rechenschaft zog ? Die Damen waren nach einigen gleichgültigen Gesprächen aufgestanden und hatten sich der Stadt zugewendet ; leise stand ich auf und schlich mich ihnen nach , wie ein Schatten ihren Fersen folgend ; sie gingen durch die Promenade , ich folgte ; sie kehrten um und gingen durchs Tor , ich folgte ; sie schienen endlich meine Beobachtungen zu bemerken , denn die eine sah sich einigemal nach mir um , ihr böses Gewissen schien mir erwacht , sie mochte ahnen , daß ich den Mord wisse , sie will mich durch die verschiedene Richtung der Straßen , die sie einschlägt , täuschen , aber ich - folge . Endlich stehen sie an einem Hause still ; sie ziehen die Glocke , man schließt auf , sie treten ein . Kaum sind sie in der Türe , so gehe ich schnell heran , merke mir die Nummer des Hauses und eile , getrieben von jenem Eifer , den die Entdeckung eines so schauerlichen Geheimnisses in jedem aufregen muß , auf die Direktion der Polizei . Ich bitte den Direktor um geheimes Gehör ; ich lege ihm die ganze Sache , alles was ich gehört hatte , auseinander ; weiß aber leider von den Gemordeten keine mit ihrem wahren Namen anzugeben , als eine gewisse Pauline Dupuis , die im Jahre 1801 unter der mörderischen Hand jener Frau starb . Doch dies war dem , unter solchen Fällen ergrauten Polizeimann genug ; er dankt mir für meinen Eifer , schickt sogleich Patrouillen in die Straße , die ich ihm bezeichnete , und fordert mich auf , ihn , wenn die Nacht vollends herangebrochen sein werde , in jenes Haus zu begleiten , die Nacht wähle er lieber dazu , da er bei solchen Auftritten den Zudrang der Menschen und das Aufsehen wo möglich vermeide . Die Nacht brach an , wir gingen ; die Polizeisoldaten , die das Haus umstellt hatten , versicherten , daß noch kein Mensch dasselbe verlassen habe . Der Vogel war also gefangen . Wir ließen uns das Haus öffnen und fingen im ersten Stock unsere Untersuchung an . Gleich vor der Türe des ersten Zimmers hörte ich die Stimmen jener beiden Frauen ; ohne Umstände öffne ich und deute dem Polizeidirektor die kleinere , ältliche Dame als die Verbrecherin an . Verwundert stand diese auf , trat uns entgegen und fragte nach unserem Begehr ; in ihrem Auge , in ihrem ganzen Wesen hatte diese Dame etwas , das mir imponierte ; ich verlor auf einen Augenblick die Fassung und deutete nur auf den Direktor , um sie wegen ihrer Frage an jenen zu weisen . Doch dieser ließ sich nicht so leicht verblüffen ; mit der ernsten Amtsmiene eines Kriminalrichters fragte er sie über ihren heutigen Spaziergang aus ; sie gestand ihn zu , wie auch die Bank , wo sie gesessen ; ihre Aussagen stimmten ganz zu den meinigen , der Mann sah sie schon als überwiesen an ; die Frau fing an , ängstlich zu werden , sie fragte , was man denn von ihr wolle , warum man ihr Haus , ihr Zimmer mit Bewaffneten besetze , warum man sie mit solchen Fragen bestürme ? Der Mann der Polizei sah in diesem ängstlichen Fragen nur den Ausbruch eines schuldbeladenen Gewissens ; er schien es für das beste zu halten , durch eine verfängliche Frage ihr vollends das Verbrechen zu entlocken : Madame , was haben Sie Anno 1801 mit Pauline Dupuis angefangen ? leugnen Sie nicht länger , wir wissen alles , sie starb durch Ihre Hand , wie heute früh die unglückliche Elise ! Ja , mein Herr ! ich habe die eine wie die andere sterben lassen , antwortete diese Frau mit einer Seelenruhe , die sogar in ein boshaftes Lächeln überzugehen schien . Und diesen Mord gestehen Sie mit so viel Gleichmut , als hätten Sie zwei Tauben abgetan ? fragte der erstaunte Polizeidirektor , dem in praxi eine solche Mörderin noch nicht vorgekommen sein mochte ; wissen Sie , daß Sie verloren sind , daß es Ihnen den Kopf kosten kann ? Nicht doch ! entgegnete die Dame , die Geschichte ist ja weltbekannt . -Weltbekannt ? rief jener , bin ich nicht schon seit zweiundvierzig Jahren Polizeidirektor , meinen Sie , dergleichen könne mir entgehen