, die zur neuen Käserei gehörten , ihre Kuhmilch in äußerst sauber gewaschenen Gefäßen bringen . War das Gefäß nicht sauber , nahm der Senn die Milch gar nicht an ; das war Gesetz . Nachher machte man aber das Gesetz noch schärfer . Der Senn maß die Milch , und schrieb unter eines Jeden Namen auf , wie viel derselbe gebracht habe . Jeder konnte es für sich auch aufzeichnen . So brachte jede Haushaltung alle Tage Morgens und Abends die Milch ihrer Kühe . Von fremden Kühen aber durfte man bei schwerer Strafe keine Milch bringen . Die gesammte Milch eines Tages goß der Senn in der Milchkammer zusammen , und bereitete daraus Butter und Käse . Das gab schöne , frische , große Ballen ; zudem noch Käsewasser , im Sommer ein gesundes , kühlendes Getränk . Nun war die Frage : Wem gehört die schöne Menge Butter und Käse von jedem Tage ? Denn alle Tage war eine solche Parthie von der Milch aller Kühe der Beigetretenen fertig . Es hätte sie gern Jeder gehabt , um in die Stadt damit zu laufen . Das richtete man folgendermaßen ein : Alles , was die zusammengebrachte Milch eines einzigen Tages an Butter , Käse u.s.w. abtrug , ward auch nur einem einzigen Theilhaber mit einem Male gegeben , und zwar demjenigen , dem man die meiste Menge Milch in der Käserei schuldig geworden war . - In den ersten paar Tagen freilich bekamen die Ersten weit mehr an Käse und Butter , als sie Milch gebracht hatten ; denn sie bekamen ja das , was aus der Milch von allen Theilhabern gemacht war . Allein nun wurden sie für so viel , als sie zu viel bekommen hatten , den Uebrigen schuldig , und was sie schuldig geworden waren , ward ihnen von Tag zu Tag an der Milch abgezogen , die sie brachten . Das ging so lange , bis sie alle Schuld abgethan und an Milch wieder mehr zu gut hatten , als die Uebrigen . Dann bekamen sie wieder die an einem Tage bereitete Waare . Unterdessen hatte aber auch der , welcher nur eine einzige Kuh besaß , und alle Tage nur ein paar Maas Milch bringen konnte , nach und nach mehr zusammengebracht , als Jeder von den Uebrigen , wie man das wohl im Milchbuche aufgeschrieben fand . Und nun empfing er die Frucht des Tages , bei anderthalb Zentner Butter und Käse mit einem Male . Die Butter konnte Jeder den Tag gleich mit sich nehmen , da sie fertig war ; Buttermilch , Käsewasser gehörten ihm auch . Den Käse aber ließ man so lange im Keller , bis er gehörig fest und gut war . Allemal an dem Tage , da Einer das Recht hatte , die aus der Milch bereitete Waare zu beziehen , mußte er dem Senn bei der Arbeit helfen und ihm handlangen , und saubere Handtücher , Linnen , und was nöthig war , herbeischaffen . Zuerst war den Goldenthalern das ganze Wesen bedenklich , und es meinte Jeglicher , er komme zu kurz dabei . Wenn Einer aber seine Menge Käse und Butter empfing , und nun nachrechnet , wie viel Milch er gegeben : so war er hocherfreut . Und es fand sich am Ende des ersten Jahres schon , daß auf diese Weise der mittlere Ertrag und Gewinn von einer Kuh über 166 Gulden jährlich stieg , und zwar nach Abzug aller Unkosten . Das war doch ein schöner Zins ! Nun begriff man auch bald , woher das komme . Denn je frischer die Milch und je mehr , je besser wird die Waare daraus . So was konnte eine einzelne Familie für sich allein beim Aufsammeln ihrer Milch nicht leisten . - Ferner : sonst war in den Haushaltungen manche Maas Milch verschlampt und verzehrt , jetzt in den Milchkeller der Käserei an Zins gelegt . Sonst verlor mau viel Zeit , oder hatte keine Zeit , selber Käse zu machen ; jetzt ging das von selbst . Sonst kostete es Jedem mehr Holz zum Kochen ; jetzt war es ein großes Holzersparniß . Einige Goldenthaler versuchten anfangs zwar mit ihrer Milch Betrügereien ; aber man machte bald so strenge Gesetze , daß es Keinem mehr in Sinn kam , zu betrügen , er hätte denn um alle seine gebrachte Milch bestraft und aus der Gesellschaft gestoßen sein wollen . Die Einrichtung aber brachte noch einen Vortheil , an den vorher kein Mensch gedacht hatte . Nämlich , weil Jeder gern viel Milch gebracht hätte , um bald viel Käse und Butter davon zu haben , besorgte Jeder sein Vieh besser , als ehemals ; baute künstliche Grasarten an , die viel Milch erzeugen ; suchte sich eine größere Kuh zu verschaffen , statt der schlechten kleinen , oder stellte zwei Kühe in den Stall , wo er vorher nur eine hatte . Und weil Jedem daran gelegen war , daß man keine Milch von einer kranken oder kalbenden Kuh bekomme , hatten die drei erwählten Aufseher Macht und Recht , zu jeder Zeit in die Ställe zu gehen , und die Pflicht , alle halbe Jahre darin Umgang zu halten . So ward über die Gesundheit alles Viehes wachsames Auge gehalten . 21. Vom neuen Gemeindevorsteher und dem Löwenwirth . » Der Oswald ist doch ein Hexenmeister und Tausendsasa ! « sagten die Goldenthaler lachend , wenn er wieder etwas angegeben hatte , das gelungen war . Und es gelang ihm ziemlich Alles , was er anfing , denn er fing nichts ohne Vorbedacht an ; er übereilte und überhaspelte nichts , sondern that einen Schritt um den andern , und nahm nie mehr auf seine Schultern , als er tragen konnte . Nun hätte man wohl glauben sollen , der Schulmeister habe sich und seine herzige Elsbeth mit Arbeiten überladen gehabt . Keineswegs ; er wußte Alles so einzurichten , daß zuletzt immer Andere ihm einen guten