wie die jungen Landfräulein immer mit Mund , Händen und den muntern Augen zugleich erzählten , ihre kleinen Manieren und unschuldige Koketterie , die Sorgfalt , mit welcher die Mütter nach jedem Tanze herumgingen und ihren artigen Kätzchen die Haare aus der heißen Stirne strichen und sie ermahnten , nicht kalt zu trinken , das lächelnde Wohlbehagen , mit dem eine jede alle Mienen Leontins und Friedrichs verfolgte , wenn sie sich mit ihren Töchtern gut zu unterhalten schienen , alles dies machte auf die beiden Fremden den sonderbarsten Eindruck , und sie hätten mit ihrem neuen und ungewöhnlichen Wesen heut viele Herzen erobern können , wenn der eine nicht zu großmütig , der andre nicht zu wild gewesen wäre . Leontin walzte mit der niedlichen Braut . Sie tanzte außerordentlich leicht und schön , und wie er so den schlanken , vollen Leib im Arme hatte , sah sie so unbeschreiblich frisch und reizend aus , daß er sich nicht enthalten konnte , das schöne Kind einige Male an sich zu drücken . Sie blickte heimlich lächelnd mit listig fragenden Augen zu ihm hinauf . Sie konnten endlich beide vor Müdigkeit nicht mehr weiter fort und er tanzte daher mit ihr bis in die nächste Fensternische , wo sie zusammen auf die Stühle sanken . Nach einiger Zeit sah er sie an einem andern Fenster neben Fräulein Julie in ruhigem Gespräche sitzen . Er lehnte sich hinter ihnen an die Wand , ohne von ihnen bemerkt zu werden . Sie erzählte Julie , wann ihre Hochzeit sein werde , wieviel feine Wäsche sie mitbekomme , wie sie ihren kleinen Garten einrichten wollten usw. » Dort in dem Schlößchen unten « , fuhr sie fort , » werden wir wohnen . « Leontin warf einen Blick durch das offene Fenster und sah das Dach des Schlößchens , soeben vom Abendrot beleuchtet , unbeschreiblich einsam und verlassen aus den Wäldern hervorragen . Eine große Bangigkeit überflog da sein Herz und er versank in tiefe Gedanken . Die Braut , die unterdes auf einmal gewahr wurde , daß er alles mit angehört , schämte sich und verdeckte ihr Gesicht mit beiden Händen . In diesem Augenblick hörte man ein verworrenes Getöse auf der Stiege , die Tür gähnte und spie einen ganzen Knäuel der seltsamsten und abenteuerlichsten Zerrbilder und Mißgestalten aus , wie sie nur eine fürchterlich reiche , dunkel in sich selber arbeitende Phantasie ersinnen konnte . » Viktor ! « - riefen Leontin und Friedrich zugleich , und sie hatten es erraten . Dieser hatte nämlich in möglichster Hast alles Altmodische , Lächerliche und Zerlumpte von Kleidungsstücken , dessen er habhaft werden konnte , zusammengerafft und damit die Bedienten und Jäger des Herrn v. A. aufgeputzt . Mit einem unübertrefflich raschen und glücklichen Witze hatte er , da er alle genau kannte , jedem zugeteilt , was ihm zukam , und so durch eine ungewöhnliche Verbindung des Gewöhnlichsten den phantasiereichsten Charakterzug erschaffen . Da keine Larven vorhanden waren , so hatte er selber in aller Schnelligkeit die Gesichter gemalt , und man mußte zugeben , jedes war ein wahrer Triumph der freisten und schärfsten Laune , denn eines jeden verborgenste , innerste Narrheit lachte erlöst aus den Zügen . Besonders zeichnete sich eine über alle Maßen dünne und schneiderartige Figur aus mit einem unbeschreiblich albern lächelnden Gesichte , dem er alle Haare rückwärts aus der glatten Stirne gekämmt hatte . Der Leib des alten Rockes war um ebensoviel zu lang , als die knappen Ärmel zu kurz erschienen . Recht oben auf dem Wirbel schwebte ein winziges Hütchen , in der Hand trug er einen kleinen Sonnenschirm . Viktor selbst führte in einem umgekehrten Rocke mit einer verstimmten Geige den Zug an und war recht das Salz und die Seele des Abenteuers . Mit einer Wut von Lust wußte er einem jeden seinen eigentümlichen Spielraum zu verschaffen , und selbst die Eitelsten dahin zu bringen , daß sie sich einmal über sich selbst erhoben und ihre eigene Narrheit zum Narren hatten . Und so gebärdeten sich denn auch die Ungeschicktesten meisterhaft , so wie die Plumpheit selber komisch wird , wenn sie über ihre eigenen Füße fällt . Herr v. A. stand ganz still in einer Ecke und lachte , daß ihm die Augen übergingen . Die Tante , die , wie fast alle Damen , keinen unmittelbaren Spaß verstand , lächelte gezwungen . Manche andere schämten sich zu lachen , und taten sich Gewalt an , ernsthaft auszusehen . Den irrenden Ritter aber hatte , seltsam genug , gleich beim Eintritte des Maskenzuges eine sonderbare Furcht überfallen ; er nahm Reißaus und ließ sich nicht wieder sehen . Viktor führte daher , als die Ergötzung an dem Spektakel anfing lau zu werden , endlich die Bande wieder fort , um den flüchtigen Ritter aufzusuchen . Sie fanden ihn in einem finstern Winkel des Hofes versteckt . Er war äußerst aufgebracht und wehrte sich mit Händen und Füßen , als sie ihn aufspürten . Viktor nahm ihn beim Arme und walzte mit ihm , wie wahnsinnig , im Hofe um den Brunnen herum . Ein alter , dicker Gerichtsverwalter , dem sie unvermerkt die Dose mit Kienruß gefüllt , und der daher , da er sich bei jeder Prise das Gesicht bemalte , wider sein Wissen und Willen eine Hauptfigur in dem Lustspiele abgab , mußte ebenfalls an einer allgemeinen Menuett teilnehmen , die sich jetzt in dem Hofe entspann . Ein einziges Licht stand auf einem Pfahle und warf im Winde einen flatternden Schein über die seltsame Verwirrung . Leontin , der sich bald anfangs mit Leib und Seele mit hineingemischt hatte , saß hoch oben auf dem Gartenzaune und strich die verstimmte Geige dazu . Den irrenden Ritter , der sich indes voll Angst und Zorn mit Gewalt wieder losgemacht hatte , sah man auf seinem Pferde mitten in der mondhellen Nacht über die Felder entfliehen . » Wie haben Ihnen die Streiche gefallen ? « fragte die