zum Ziel . Man sah so viel Schönes in ihr werden , sie entwickelte mit jedem Worte , mit jeder That , eine Zukunft aus sich hervor , welche in eine Welt voll Liebe und Wohlwollen zurückwies . Man ward an nichts Einzelnes bei ihr erinnert , aber man fühlte sich so ganz , so vollständig , so bereit , den jungen , frischen Lebensweg mit ihr einzuschlagen . Adalbert vergaß , daß er je etwas Widerwärtiges erfahren habe , wenn er bei dem guten Kinde war . Und er war viel um sie , denn es blieb auf der ganzen Reise bei der frühern Einrichtung , obgleich seine Gesundheit zum Theil wiederhergestellt war , und er sehr wohl freie Luft , und anhaltende Bewegung ertragen konnte . Die Tante war einmal an die Art und Weise gewöhnt , der leichte Gang des Gesprächs , die kleinen Neckereien , der Gesang , ja das liebliche Wechselspiel aufkeimender Neigung , alles erfreute sie . Ueberdem fand sie es langweilig , daß Frauen und Männer , auf einer ohnehin beschwerlichen Reise , so ängstlich geschieden , die Tage von einander verträumen sollten ! Und an einen Umtausch mit Antonien gegen eine der andern Frauen , war bei des Herzogs Gesinnung nicht zu denken . So kamen sie denn , auf eigene Weise gestimmt und verstimmt , endlich in Basel an . Man hatte , von Bern aus , die nöthigen Vorkehrungen getroffen . Der Marquis , wie der Herzog , fanden wohl eingerichtete Wohnungen . Und ob beide Familien gleich durch ein paar Straßen von einander getrennt waren , so fühlte Adalbert diesen Zwischenraum sehr störend . Antonie hingegen athmete freier . Alles verhielt sich nun anders ! Beziehungen und Verhältnisse waren gleichmäßig vertheilt , ihre Einwirkung auf sein Gemüth blieb gehindert , hier riß der Morgen nicht ein , was der Abend aufgebauet , hier mußte das Schicksal erfüllen , was es verheißen hatte ! In der volkreichen , bequem gelegenen Stadt , fanden sich viele Ausgewanderte zusammen . Mehrere Bekannte aus der Pariser Welt stießen leicht zu einander . Dem Herzog war der Anblick eines Mitbürgers im Auslande , unter diesen Umständen , ein Stich ins Herz . Er vermied jeglichen , so gut sichs thun ließ . Die Baronin häkelte sich an alles an , was ihr die Vergangenheit zurückrief , und bauete sich aus jedem morschen Bruchstück auch ein Stückchen alte Welt zusammen , sie wußte recht gut , was es damit zu bedeuten habe , aber es sah doch so aus , wie sonst , und war hübsch und bestechlich . Das Neue , pflegte sie wohl zu sagen , muß erst aus mir herauswachsen , und ich hinein altern . Jetzt ist es noch so unbequem ! Unter denen , welche ihr aus den ehemaligen Kreisen am meisten zusagten , war der Chevalier Cerane . Er hatte viel gereist , viel gesehen , viel erfahren , war von schneller Umsicht , großer Gewandheit , leicht , und überall , zu Hause , trug einen Abriß jeglicher Wissenschaft und Kunst in sich , und behauptete in jedem Augenblick ein freundlich , harmlos Gemüth . Man sah ihn fast immer in Gesellschaft zweier Damen , von denen die Präsidentin als die ältere , Wittwe ; Viktorine , ihre Nichte , aber noch verheirathet war . Ohne einer von beiden mit besonderer Neigung zugethan zu sein , war er durch Gewohnheit an sie gefesselt . Vertrauet mit ihrem Ideengange , ihrer Vorliebe für diese oder jene Lebensansicht , eingepaßt in Takt und Maaß ihrer Gesprächsformeln , wußte er stets , wo er einzugreifen , wie weit er zu gehn habe . Zudem war die Präsidentin Schriftstellerin , hatte einen scharfen , genauen Blick für das Einzelne , wußte dies leicht aufzufassen , und nicht ohne Witz zusammenzustellen , ihre Miniaturbildchen waren daher , der Aehnlichkeit wegen , immer interessant , um so mehr , da sie alle den Farbeton bekannter , und nur zu sehr vermißter Umgebungen trugen . Viktorine , jung , elegant , im Gemisch origineller Eitelkeit , mit Entsagung und Hingebung drappirt , warf sich der Welt als ein interessantes Räthsel in den Weg , an welchem sich der Chevalier den Kopf zu zerbrechen schien , ob er sie gleich vollkommen auswendig wußte . So waren die drei Personen einander unentbehrlich geworden . Der Baronin gereichte es zu besonderer Lust , sie um sich zu versammeln , sie ihre Kunststückchen machen zu laßen ; und hatte Viktorine gleich manches gegen die unbefangene Wahrheit dieser Frau , gegen das rasche Aussprechen ihres Gefühls , einzuwenden , ärgerte sie ihr festhaltender Blick , der sich dieser , unwillkührlich , bis auf den Grund fremder Gemüther senkte , so fand sie sich dennoch durch ihre Auszeichnung geschmeichelt , und , der Eigenliebe nichts zu vergeben , überredete sie sich , die Baronin suche ihren Umgang , die still erzogenen Nichten zu bilden . Antonie sah indeß streng und kalt , wie ein altes Steinbild , das man zufällig in einen modernen Gesellschaftssaal geschoben hätte , in jene Kreise hinein . Sie trug nichts in sich , was sie mit dem Fremden verbinden konnte . Die Welt lag ihr fern , was sie von Menschen kannte , war ihr nur durch Beziehungen lieb , und das einzige Wesen , in welchem Leben und Schmerz und Seeligkeit zusammenflossen , das trat ihr , wie die eigene Seele , weit aus dem hellen , dreisten Lichtscheine zurück . Mit Marien war es schon anders . Ganz Glück , ganz Freude , im Gefühl still empfundener , still getheilter Liebe , hätte man sie eher mit den lieben Frauen Bildchen vergleichen können , die so selig bescheiden aus dem goldenen Rahmen , wie aus der freundlichen Schranke weiblichen Genügens , hervorblicken . Ihr Verhältniß zu Adalbert , das schweigend von ihr , wie von allen , außer Antonien und dem Herzoge , anerkannt ward , schied sie zwar von den Uebrigen , allein