gebeugt zur Erde - kriechend wie ein Wurm - die Ahnung der Unsterblichkeit , mit ihr sie selbst auf ewig verloren ! ! Bei diesem entsetzlichen Gedanken hörte ich ein durchdringendes Geschrei . Ach ich hatte es selbst ausgestossen , und ein unaussprechlicher Schmerz meine ganze Brust eingenommen . Ich kann das Alles nicht mehr so mit ansehen . Herzliebste Mutter ! ich führe aus , was ich jetzt denke . Ja , ich führe es aus , und Niemand soll es mir wehren . Stephani an seine Verwandten . Mehrere Tage verflossen , und ich vermochte nicht , mich über die kleinmüthige Trauer , welche meine ganze Seele umfangen hatte , zu erheben . Endlich sah ich sie wieder , und , was ich für unmöglich hielt , ihr Gesicht war in einem noch höheren Grade veredelt . Oft hatte ich bei rohen Menschen bemerkt , daß der Schmerz ihre Züge veredle . Allerdings mußte es kein leidenschaftlich hervorbrechender , sondern ein gehaltener Schmerz seyn . Nur bei der Unübertrefflichen schien es mir ungedenkbar . Aber so wie ihre Gestalt über Andere erhaben ist , so ist es ihr Schmerz . Es ist kein menschlicher , der Erde zugewandter . Was ich dem Fürsten sagte : daß ich keinen andern Trost , als in der Kunst zu erwarten habe , ist mir jetzt noch wahrer , als damals . Ich werde immer überzeugter , daß kein Mann sich der ausschliessenden , noch weniger der leidenschaftlichen Liebe dieses wunderbaren Mädchens zu erfreuen haben werde . Aber ein viel innigeres , thätigeres Mitleid , als Menschen sonst gegen einander empfinden , scheint ihr Herz zu beleben und gänzlich zu erfüllen . Der Leidendste ist immer derjenige , welcher sie am meisten beschäftigt , und es scheint mir jetzt , da ich sie näher kenne , nur ein lächerlicher Dünkel , wenn ich mir je mit etwas Mehrerem schmeichelte . Mein Wortwechsel mit dem Fürsten , der ihr , da sie im nächsten Zimmer war , nicht verborgen bleiben konnte , schien sie tief zu bewegen . Um meinetwillen , glaubte ich Thor ! - Aber gestern wurde von zwei Familien gesprochen , die ihre Kinder , den einzigen Sohn und die einzige Tochter , für einander bestimmten ; nun aber plötzlich zerfielen , und ihr Versprechen zurücknahmen . Der Vater des jungen Mannes war der Beleidiger , und der Erste , welcher sein gegebenes Wort brach . Um so tiefer fühlte sich der Andere gekränkt . Und damit sich kein Zweifel erhebe , ob er , als der Aermere , die Beleidigung vielleicht verschmerze , und die Tochter dennoch für eine mögliche Versorgung aufspare , schickte er sie augenblicklich ins Kloster . Bei dieser Nachricht gab sich der junge Mann zwei gefährliche , doch nicht tödliche Messerstiche in die Brust , und wehrte sich gegen das Verbinden mit allen noch übrigen Kräften , bis der Vater ihm versprach , den Beleidigten um Verzeihung zu bitten , und noch einmal förmlich um das Mädchen anzuhalten . Der Sohn nahm jetzt die Hülfe des Arztes an ; wurde aber nach seiner völligen Genesung von dem Vater wegen seiner Leichtgläubigkeit verlacht , und dadurch bis zum Wahnsinn erbittert . Er verschwand , und Niemand wußte , oder weiß , wohin . Diese allerdings schreckliche Begebenheit , im Tone der Stadtneuigkeiten von einem Bekannten mitgetheilt , hat mich , ich sehe es , ganz aus Margarethens Herze verdrängt . Mit unbeschreiblicher Angst forscht sie täglich nach dem Aufenthalte des jungen Mannes , nach dem Namen des Klosters , wo das Mädchen eingesperrt ist , und da all ihr Forschen vergebens bleibt , hat sie sich endlich an den Fürsten gewandt . Mathilde versichert : daß Margarethe weder den jungen Mann , noch sonst Jemand aus der Familie kenne , daß ihr aber dieses lebhafte und ungewöhnlich thätige Mitleid schon oft bemerkbar , und bei einer in sanfter Fröhlichkeit durchlebten , und von keinem Schmerze irgend einer Art getrübten Jugend , fast unbegreiflich sey . Sie ist eine höhere Natur - sagte Bernhard - und nur dadurch wird Manches begreiflich , das weder in ihrer Erziehung , noch in den auf sie wirkenden Umständen gegründet ist . Ich bin begierig - setzte er , mit einem Seitenblicke auf mich , hinzu - ob es einem Manne gelingen wird , ihr Herz ganz für sich zu gewinnen . - Oft bin ich geneigt , es zu glauben ; dann aber scheint es mir wieder zweifelhafter , als jemals . Ich erwiederte keine Sylbe , sondern ging mit zerrissenem Herzen in meine Werkstätte . Ergriff dann aber , beim Anblicke des Bildes , den Pinsel zum erstenmale wieder , mit nie gefühlter Begeisterung , und vollendete in einem Tage , was ich für die Arbeit mehrerer Wochen gehalten hatte . Rosamunde an Ludovika Arnoldi . Warum bliebst du nicht bei uns Geliebte ? Dein Scherz : du reisest bloß , um Briefe von uns zu bekommen , hat uns wenig getröstet ; und Jedermann behauptet : du habest dich wenigstens zehn Jahre zu früh dem allgemeinen Beifalle entrissen . Von Stephani kann ich dir wenig melden ; denn ich habe ihn in mehreren Wochen nicht gesehen . Er soll mit einem grossen Gemälde , wahrscheinlich noch mehr mit dem Originale , dem Mädchen , mit welchem der Fürst mir einst drohete , beschäftigt seyn . Wie unaussprechlich elend hätte ich werden können ; wäre ich länger über den Charakter dieses Mannes im Zweifel geblieben . Wehe auch ihr , der unglücklichen ! wofern sie ihr Herz an ihn hängt , und sich die Möglichkeit , ihn fest zu halten , erträumt . Er liebt das ganze Geschlecht , und zwar tiefer und leidenschaftlicher , als irgend ein Mann . Wird er auch jetzt von ihrer hohen Einfalt angezogen , so kann er doch als Künstler den Sinn für Mannigfaltigkeit nicht verlieren . Ja , dieser Sinn muß sich bei hellerem Blick und höherer Vollendung nur immer mehr entwickeln