der Hand im Hause bleiben , so lange , als man es ihnen selbst noch gestatten werde - setzte sie trocken hinzu . » Elise hat das Beste erwählt ; sie hat sich vor dem Sturm gerettet , « sagte Dämmrig gerührt ; » aber ihr , meine Nichten , wie wird es euch armen Kindern ergehen ? Du , meine Philosophin , wirst in deiner Vernunft Gründe gegen das Ungemach finden . « - » Seyn Sie unbekümmert , Onkel ! Noch nie darbte der Verstand ; es wäre traurig , wenn die höhere Ausbildung zu nichts weiter führte . Ich bin nicht gemacht , um verlassen zu werden ; die ersten Häuser stehen mir offen und die besten Köpfe finden sich durch meinen Umgang geehrt , « sagte sie stolz und entfernte sich , die Thränen verbergend , welche die Aussicht in eine beschränktere Lage ihrem verzärtelten Sinne entlockte . » Und du , Albertine , meine Gute , wirst du den armen Onkel nun verlassen wollen ? « - » Nein , mein theurer , guter Onkel . Ich genoß Ihre Großmuth , und theile von nun an jedes Schicksal mit Ihnen . Nimmer , nimmer verlasse ich den Pflegebedürftigen , und was die Vorsehung mir zugetheilt hat , theile ich ehrlich mit Ihnen . « - » Daß sich der Himmel erbarme , armes Albertinchen ! « indem er die Hände verzweifelnd zusammen schlug ; » du weißt nicht alles , du Arme ! du bist mit zu Grunde gerichtet . Dein Vormund gab mir dein Kapital zu Acht Procent , und - ach , ich bin ein unglücklicher Mensch ! Aber , Albertine , nenne mich einen Schurken , wenn ich nicht den letzten Bissen mit dir theile ! « Albertine war wirklich etwas betäubt ; indeß , nachdem sie die Hände gefaltet und andächtig in die Wolken geblickt hatte , warf sie sich ihrem Onkel mit treuer Herzensergießung an die Brust , und bat , er möchte nur für sich sorgen ; sie traue auf die Güte Gottes , der sie nicht verlassen werde . Sie wolle ihren theuren Verwandten nun und immer nicht verlassen . In einem Briefe meldete sie ihrer Euler , was sich zugetragen und was sie beschlossen hatte . Henriette gab ihr , ohne Vorwurf , zu verstehen , wie gut es gewesen wäre , wenn sie Alberten angenommen hätte ; jetzt verbiete es freilich ihre Ehre , ihn anzunehmen . Sie bot ihr auf jeden Fall ihr Haus an , billigte aber doch sehr das Zartgefühl , womit sie sich ihrem Onkel geweiht hatte . Die Reformen im Dämmrigschen Hause gingen so schnell von statten , daß die Tischfreunde nicht einmal Zeit hatten , sich nach und nach mit Anstand zurück zu ziehen , sondern urplötzlich abbrachen , und , so zu sagen , mit dem Pariser Koch zugleich abzogen . Noch einmal trank Wassermann einen einsamen , einfachen Thee mit der Familie , wobei ihn Laurette nach ihrer Weise in der Stille fragte : wann er denn nun um Albertinen anhalten werde ? jetzt sei er doch eines Mitbewerbers los ; welches er blos mit einem : » Ich habe warlich keine Eil ! « beantwortete . Deutlicher erklärte er sich in einem Lachen , welches nur seinem Gesichte gehörte , und auch von Laurettens eignem Lachen beantwortet wurde . Auffallend verschieden war das Benehmen der beiden Hausfreunde Ulmenhorst und Weißensee . Jener , dessen erster Ausgang nach seiner Genesung zu dem befreundeten Hause gerichtet wurde , begegnete Albertinen jetzt mit einer delikaten Zurückhaltung , die er mehr auf ihren Verlust , als seine Verwerfung bezog , und in die ihr eignes zartes Gemüth leichter einging , als in die zunehmende Galanterie und lebhaftere Annäherung des Barons , worin die kleine Weiblichkeit des guten Kindes erhöhete Leidenschaft sahe und nichts von der Undelikatesse ahnete , die ihre verschlimmerte Lage zu benutzen strebte . Das eitle Gemüth Rosamundens ertrug nicht lange die erfolgte Stille des Hauses , worin Frivolität und frivoler Genuß die stete Losung gewesen war . Der literarische Klub brachte , außer Verspottung und Ridicules , wenig ein ; sie ließ ihn eingehen und etablirte eine förmliche Pharaobank in ihrem Zimmer , wobei Albertine , ohne es in ihrer Unschuld zu ahnen , die Lockung war . Außer einigen Spielern von Profession waren verschiedene alternde Damen aus der alten Kameradschaft , ein abgesetzter Hofmarschall , ein getaufter Jude , zwei oder drei junge Edelleute und der Baron Weißensee die tägliche Genossenschaft . Die erste Zeit ging Albertine blos ab und zu , ihren Onkel mit allerlei kleinen Bedürfnissen , deren er unendliche hatte , zu versorgen ; denn nie rührte Laurette auch nur eine Hand , ihm einen Trunk Wasser zu reichen . Nach und nach weilte Albertine längere Zeiten als Zuschauerin , weigerte sich aber immer noch standhaft , Theilnehmerin zu werden , bis endlich einmal der Baron , der , ganz unleidenschaftlich , sich blos dem geselligen Zeitvertreibe zu leihen schien , und Rosamunde es von ihr erhielten , daß sie mit pointirte . Sie gewann , pointirte noch einmal und gewann wieder . Aufgemuntert durch diesen Erfolg , war sie jetzt fast jeden Abend von der Parthie , bei der Laurette anfing eine wichtige Rolle zu spielen , indem sie mit unausgesetztem Glücke spielte . Auch die arme Albertine wurde immer tiefer verwickelt , und das um so leichter , da der Baron ihr nicht von der Seite wich , immer zwischendurch auf das Spiel und dessen Unmoralität loszog , es indeß billigte , wenn Albertine , so wie er selbst that , auch diese Lebenserfahrung erwarb , um dann das Ganze wie ein schmutziges Gewand abstreifen zu können . O , der unwürdigen Ränke , durch welche die unschuldigste und reinste ihres Geschlechts in ' s Garn gelockt werden sollte ! Die Spieler-Flitterwochen gingen für Albertinen bald vorüber . Der bisherige Gewinn samt den zweihundert Louisd ' or , die Albert ihr eingehändigt