aber inständigst um keinen so leichtfertigen Gesang . Nein , sagte Klingsohr , ich werde mich wohl hüten so frevelhaft von euren Geheimnissen zu reden . Sagt selbst , was ihr für ein Lied haben wollt . Nur nichts von Liebe , riefen die Mädchen ein Weinlied , wenn es euch ansteht . Klingsohr sang : Auf grünen Bergen wird geboren , Der Gott , der uns den Himmel bringt . Die Sonne hat ihn sich erkohren , Daß sie mit Flammen ihn durchdringt . * Er wird im Lenz mit Lust empfangen , Der zarte Schoß quillt still empor , Und wenn des Herbstes Früchte prangen Springt auch das goldne Kind hervor . * Sie legen ihn in enge Wiegen In ' s unterirdische Geschoß . Er träumt von Festen und von Siegen Und baut sich manches luft ' ge Schloß . * Es nahe keiner seiner Kammer , Wenn er sich ungeduldig drängt , Und jedes Band und jede Klammer Mit jugendlichen Kräften sprengt . * Denn unsichtbare Wächter stellen So lang er träumt sich um ihn her ; Und wer betritt die heil ' gen Schwellen , Den trift ihr luftumwundner Speer . So wie die Schwingen sich entfalten , Läßt er die lichten Augen sehn , Läßt ruhig seine Priester schalten Und kommt heraus wenn sie ihm flehn . * Aus seiner Wiege dunklem Schooße , Erscheint er in Krystallgewand ; Verschwiegener Eintracht volle Rose Trägt er bedeutend in der Hand . * Und überall um ihn versammeln Sich seine Jünger hocherfreut ; Und tausend frohe Zungen stammeln , Ihm ihre Lieb ' und Dankbarkeit . * Er sprützt in ungezählten Strahlen Sein innres Leben in die Welt , Die Liebe nippt aus seinen Schalen Und bleibt ihm ewig zugesellt . * Er nahm als Geist der goldnen Zeiten Von jeher sich des Dichters an , Der immer seine Lieblichkeiten In trunknen Liedern aufgethan . * Er gab ihm , seine Treu zu ehren , Ein Recht auf jeden hübschen Mund , Und daß es keine darf ihm wehren , Macht Gott durch ihn es allen kund . * Ein schöner Profet ! riefen die Mädchen . Schwaning freute sich herzlich . Sie machten noch einige Einwendungen , aber es half nichts . Sie mußten ihm die süßen Lippen hinreichen . Heinrich schämte sich nur vor seiner ernsten Nachbarin , sonst hätte er sich laut über das Vorrecht der Dichter gefreut . Veronika war unter den Kranzträgerinnen . Sie kam frölich zurück und sagte zu Heinrich : Nicht wahr , es ist hübsch , wenn man ein Dichter ist ? Heinrich getraute sich nicht , diese Frage zu benutzen . Der Übermuth der Freude und der Ernst der ersten Liebe kämpften in seinem Gemüth . Die reizende Veronika scherzte mit den Andern , und so gewann er Zeit , den ersten etwas zu dämpfen . Mathilde erzählte ihm , daß sie die Guitarre spiele . Ach ! sagte Heinrich , von euch möchte ich sie lernen . Ich habe mich lange darnach gesehnt . - Mein Vater hat mich unterrichtet , Er spielt sie unvergleichlich , sagte sie erröthend . - Ich glaube doch , erwiederte Heinrich , daß ich sie schneller bey euch lerne . Wie freue ich mich euren Gesang zu hören . - Stellt euch nur nicht zu viel vor . - O ! sagte Heinrich , was sollte ich nicht erwarten können , da eure bloße Rede schon Gesang ist , und eure Gestalt eine himmlische Musik verkündigt . Mathilde schwieg . Ihr Vater fing ein Gespräch mit ihm an , in welchem Heinrich mit der lebhaftesten Begeisterung sprach . Die Nächsten wunderten sich über des Jünglings Beredsamkeit , über die Fülle seiner bildlichen Gedanken . Mathilde sah ihn mit stiller Aufmerksamkeit an . Sie schien sich über seine Reden zu freuen , die sein Gesicht mit den sprechendsten Mienen noch mehr erklärte . Seine Augen glänzten ungewöhnlich . Er sah sich zuweilen nach Mathilden um , die über den Ausdruck seines Gesichts erstaunte . Im Feuer des Gesprächs ergriff er unvermerkt ihre Hand , und sie konnte nicht umhin , manches was er sagte , mit einem leisen Druck zu bestätigen . Klingsohr wußte seinen Enthusiasmus zu unterhalten , und lockte allmählich seine ganze Seele auf die Lippen . Endlich stand alles auf . Alles schwärmte durch einander . Heinrich war an Mathildens Seite geblieben . Sie standen unbemerkt abwärts . Er hielt ihre Hand und küßte sie zärtlich . Sie ließ sie ihm , und blickte ihn mit unbeschreiblicher Freundlichkeit an . Er konnte sich nicht halten , neigte sich zu ihr und küßte ihre Lippen . Sie war überrascht , und erwiederte unwillkührlich seinen heißen Kuß . Gute Mathilde , lieber Heinrich , das war alles , was sie einander sagen konnten . Sie drückte seine Hand , und ging unter die Andern . Heinrich stand , wie im Himmel . Seine Mutter kam auf ihn zu . Er ließ seine ganze Zärtlichkeit an ihr aus . Sie sagte : Ist es nicht gut , daß wir nach Augsburg gereist sind ? Nicht wahr , es gefällt dir ? Liebe Mutter , sagte Heinrich , so habe ich mir es doch nicht vorgestellt . Es ist ganz herrlich . Der Rest des Abends verging in unendlicher Fröhlichkeit . Die Alten spielten , plauderten , und sahen den Tänzen zu . Die Musik wogte wie ein Lustmeer im Saale , und hob die berauschte Jugend . Heinrich fühlte die entzückenden Weissagungen der ersten Lust und Liebe zugleich . Auch Mathilde ließ sich willig von den schmeichelnden Wellen tragen , und verbarg ihr zärtliches Zutrauen , ihre aufkeimende Neigung zu ihm nur hinter einem leichten Flor . Der alte Schwaning bemerkte das kommende Verständniß , und neckte beyde . Klingsohr hatte Heinrichen lieb gewonnen , und freute sich seiner Zärtlichkeit . Die andern Jünglinge und Mädchen hatten es bald bemerkt . Sie zogen die ernste Mathilde mit dem jungen Thüringer auf