ward diesem Wesen angebohren . An Verstand und Willen weit über ihn erhaben , ist es dennoch mit dem beseeligenden Irrthume begabt : es werde in beyden von ihm übertroffen . Was hat er zu fürchten ? Es ist die liebende Einfalt , der er sich übergiebt . Aber wie schrecklich wird er selbst nun aus diesem Traume erweckt . Statt heiterer , seeliger Stille , findet er leidenschaftliche Unruhe . Hört Foderungen , Klagen . - Ach ! Rechenschaft soll er geben von seinen Empfindungen . Man will sie wägen und prüfen . O Gott ! statt ertragen zu werden , soll er tragen . Er kann es nicht , sein ganzes Gefühl empört sich dagegen . Um seine Leiden aufs höchste zu bringen sieht er nun noch die Schönheit entfliehen . Die Schönheit , ohne die er die Weiblichkeit nicht denken kann , mit der er die ganze Weiblichkeit ausspricht . Es ist zu viel ! er muß sich rächen ! - Ach , er hat sich schon gerächt , er ist schon ein Tyrann , eh er es selbst nur ahnet . Die unglücklichen Weiber ! Hätten sie gestrebt liebenswürdig - der Liebe würdig - zu seyn , statt Liebe zu fodern ; sie hätten das , was sie wünschten , und vielleicht weit mehr noch erhalten . Sechs und zwanzigster Brief Wilhelmine an Julie Liebenswürdig ? - Hm ! nicht übel . Nun ja , mit dieser Kleinigkeit sind die Männer so ganz leidlich zufrieden . Freilich gehört dazu eine andre Kleinigkeit : die unverwelkliche Schönheit und Jugend . Unglücklicher Weise , hat es meiner theuern Freundin nicht beliebt , anzuzeigen , wie man sich diese Kleinigkeit erhalten , oder , wenn man sie nicht hat , die Götter zwingen kann , sie zu verleihen . Ja ! ja ! wer kann an alles denken ? - Ihr unglücklichen Geschöpfe , die ihr weder das Eine noch das Andre habt , verzweifelt nur . Mag eure Zahl Legion heißen , ihr seyd zum Elende gebohren . Vormals standet ihr noch in dem tröstlichen Wahne , ihr könntet den Männern durch Tugend ersetzen , was die Natur euch an Schönheit versagt hatte ; aber jetzt ! - euer Urtheil ist gesprochen ! So wie eure Schönheit verwelkt , hört ihr auf Weiber zu seyn . Dann sterben die Blumen ; aber euch zwingt die Natur zum martervollen Leben . Leitet nur den herabfahrenden Blitz zu euren Herzen . Oder , wenn er mit der Natur im tückischen Bunde , euch nicht treffen will , suchet nur in den Fluthen euer Grab . Die beste Welt bleibt dennoch die beste . Leb wohl ! Du hast mich erbittert . Ich glaube gar , ich kann aufhören Dich zu lieben . Du bist zu unsern Feinden , zu den Männern übergegangen , und fängst an , eben so methodisch zu .... pfuy ! das war häßlich . Ach ! da kommt mir ein glücklicher Gedanke ! Künftig werde ich statt häßlich , immer männlich setzen . Nicht wahr ? es ist eben so gleichbedeutend , wie schön und weiblich . Komisch wäre es , wenn das Häßlichste immer das Männlichste wäre . - Was meinst Du dazu ? Sieben und zwanzigster Brief Julie an Wilhelmine Ich meine , Wilhelmine , die da glaubt erbittert zu seyn , und die nie aufhören wird mich zu lieben , könne wohl , ein wenig ab- und zugerechnet , nicht so ganz Unrecht haben . Unter dieses Wenige gehört vorzüglich , alles was man den Windeln , Schnürbrüsten und Ausschweifungen zuschreiben muß . In der That , es wäre ungerecht , dieses sowohl , als mehreres , was Verzärtlung und Verwahrlosung der weiblichen Schönheit geraubt haben , auf die Natur zu werfen . Nimm dieß weg , Geliebte , und - so übertrieben es auch klingen mag - ich wage es , zu behaupten : daß es Dir schwer , ja vielleicht unmöglich werden soll , ein wirklich häßliches Mädchen zu finden . Reise nach H .... , gehe in das Haus der liebenswürdigen R .... , siehe hier zwanzig Mädchen , die unter ihrer Aufsicht doch nur seit ihrem siebenten , achten Jahre erzogen werden , und widersprich mir , wenn Du kannst . Wie schnell die Natur ersetzt und verbessert , wenn man ihr nur nicht zu anhaltend widerstrebt , geht beynahe in das Unglaubliche . Aber das alles rechtfertigt mich nicht in Deinen Augen . Dein liebevolles Herz empört sich gegen die Grausamkeit eines doppelten Todes . Du vergiebst mir nicht , daß ich die Weiblichkeit mit der Schönheit verschwinden lasse . Gleichwohl bestätigst Du , kurz darauf , dieß , und weit mehr . Ja es ist schrecklich ; aber es ist wahr : die Sinnlichkeit kann uns auch nicht einmal Augenblicke befriedigen . In dem gegenwärtigen müssen wir vor dem künftigen zittern . Welcher Gott wird uns helfen ? - In uns ist der Gott . » Erfülle deine Bestimmung « spricht er - aber suche dich über alles Sinnliche zu erheben . Dann bist du frey und seelig . Acht und zwanzigster Brief Wilhelmine an Julie Ach Du bist besser als ich ! das weiß ich wohl und habe es immer gewußt , so wie ich alles , was Du mir sagst , lange gefühlt habe . Darum wollte ich mich an Dich schließen , in Dir alles wiederfinden , hätte es gefunden . Geh ! geh ! Du hast doch nicht recht an mir gehandelt . Mein Verstand mag Dich rechtfertigen , mein Herz wird Dich ewig verklagen . Morgen will ich reisen . Neun und zwanzigster Brief Olivier an Reinhold Dieser Mensch bringt mich noch um , mit seiner glühenden Phantasie . Meinst Du , er verberge irgend eine Empfindung vor mir ? Mit einer Heftigkeit , mit einem verzehrenden Feuer spricht er sie aus , reißt mich hin , überwältigt mich . Oft habe ich , zu meinem eignen Schrecken , mich selbst ,