hinzu : » Gott sei Dank « , ohne damit die Segnungen , die wir einer anderthalbhundertjährigen freiheitlichen Entwicklung verdanken , anzweifeln oder verkennen zu wollen . Und so denn noch einmal : auch von unserem Standpunkt aus angesehen , war Katte nicht das Opfer einer Willkür oder Laune , sondern einer schweren selbsteigenen Schuld , indem er unter chevaleresken und in gewissem Sinne selbst unter loyalen Allüren ( denn er diente seinem künftigen Herrn ) in naiv-frivoler Weise durch alle Stadien des Hoch- und Landesverrats ging . Er war , um seines Kriegs- und Landesherrn eigene Worte zu zitieren , » dazu da , seinem Könige getreu und hold zu sein « , doppelt in seiner Eigenschaft als Offizier der Garde-Gensdarmes , die des Vorzugs genossen , » immédiatement an Seiner Majestät Allerhöchste Person attachiret zu sein « , – und was finden wir tatsächlich ? Der Kronprinz steckt in Schulden ; Katte tut das Seine , diese Schulden zu mehren . Der Kronprinz steckt in Debauchen ; Katte geht ihm dabei mit Rat und Tat zur Hand . Der Kronprinz steckt im Unglauben ; Katte bestärkt ihn darin . Der Kronprinz steckt in Komplotten mit seiner Mutter und seiner Schwester , mit fremden Höfen und Gesandten 52 , und Katte macht den Zwischenträger und zuletzt gar den Liebhaber . Der Kronprinz will desertieren ; Katte nimmt es in die Hand und hält ihm einen Vortrag » über die beste Weise des Gelingens « . Endlich rüstet er sich selber zur Desertion . Das sind so einige der » Species facti « ; nur einige , aber gerade genug , um seinen König und Herrn mit allem Fug und Recht aussprechen zu lassen : » Und da denn dieser Katte mit der künftigen Sonne tramiret , auch mit fremden Ministern und Gesandten allemal durcheinander gestecket , er aber nicht davor gesetzet worden mit dem Kronprinzen zu complottiren , au contraire es Sr. K. Majestät hätte angeben sollen , so wissen Se . Majestät nicht , was vor kahle raisons das Kriegs-Recht genommen und ihm das Leben nicht abgesprochen hat . « Es ist nur eines , was uns in diesem Schreckensschauspiel – denn ein solches bleibt es – widerstrebt und widersteht : der König wechselt hier die Rolle mit dem Richter . Er läßt das Recht über die Gnade gehen . Und das soll nicht sein . Wenn aber etwas damit versöhnen kann , so ist es das , daß er dies im eigenen Herzen empfunden hat . Hören wir noch einmal ihn selbst : » Wenn das Kriegs-Recht dem Katten die Sentence publiciret , so soll ihm gesagt werden , daß es Sr. Königlichen Majestät leid thäte ; es wäre aber besser , daß er stürbe , als daß die Justiz aus der Welt käme . « Ein großartiges Wort , das ich nie gelesen habe ( und ich habe es oft gelesen ) , ohne davon im Innersten erschüttert zu werden . Wer will nach dem noch von Biegung des Rechts sprechen ! Es war ein grades Recht , freilich auch ein scharfes . Und das Schwert , das zuletzt diese Schärfe besiegelte – es existiert noch . Die Familie Katte selbst besitzt es , und auf dem alten Kattengute Vieritz , eine Meile von Wust , wird es bis diese Stunde aufbewahrt . Dreimal wurde es gebraucht , und drei Namen sind eingekritzelt . Der dritte und letzte aber heißt : Hans Hermann von Katte . Tamsel I Hans Adam von Schöning Hans Adam von Schöning Kaum gebiet ' ich dem kochenden Blute . Gönn ' ich ihm die Ehre des Worts ? Oder gehorch ' ich dem zürnenden Mute ? Schiller Hans Adam von Schöning wurde am 1. Oktober 1641 zu Tamsel geboren . Sein Vater , ebenfalls ein Hans Adam , war Rittmeister in brandenburgischen Diensten und hatte sich das Jahr vorher mit Marianne von Schapelow auf Wulkow vermählt . Eine andere von Schapelow , vielleicht eine Schwester Mariannens , heiratete sechs Jahre später , wie bereits an anderer Stelle hervorgehoben , den damaligen schwedischen Generalmajor Georg von Derfflinger . Über die Art , wie Hans Adam seine Kindheit und Jugend im elterlichen Hause zubrachte , fehlt es an Nachrichten . 1658 ging er nach Wittenberg , um die Rechte zu studieren , 1659 nach Straßburg , 1660 nach Paris . Er hatte damit das begonnen , was man damals und auch später noch als die » große Tour « bezeichnete , den Besuch der Höfe und Hauptstädte des westlichen Europa . Nach längerem Verweilen in Paris , wo der Gesandte Kaspar von Blumenthal seinen brandenburgischen Landsmann am Hofe Ludwigs XIV. einführte , begab er sich zunächst über Turin und Mailand nach Venedig , besuchte im selben Jahre noch Rom , Neapel , Messina und Syrakus , erschien im September 1662 vor dem Großmeister des Malteserordens auf Malta , bat um die gern gewährte Ehre , einen Streifzug gegen die Ungläubigen mitmachen zu dürfen , wandte sich dann nach glücklicher Rückkehr von Malta nach Spanien , von Spanien nach England und kehrte über Amsterdam und Hamburg , nach einer fünfjährigen Abwesenheit , in die märkische Heimat zurück . » Er betrat sie wieder , nachdem er – wie sein Biograph sich ausdrückt – alles gesehen hatte , was es damals Großes und Ausgezeichnetes in Europa gab : den üppigen Hof des prachtliebendsten Königs , die Kunstschätze Italiens , den Glanz der Fastnachtsspiele in Venedig , das ritterliche Treiben auf Malta , den Hof der Dorias , die Grandezza Spaniens und die junge Freiheit der Niederlande . « Ich habe bei der vorstehenden Aufzählung absichtlich länger verweilt , um daran einige Betrachtungen über die Erziehung junger Edelleute von damals und von heute zu knüpfen . Wir sind nur allzusehr geneigt , unsere jetzige Methode als etwas vergleichsweise Vorgeschrittenes und Zweckentsprechendes anzusehen , und doch möchte sich die Frage aufwerfen lassen : wie viele Familien haben wir zur Zeit im Brandenburgischen , die geneigt sind ,