» Es ist gut mit mir geworden , weil ich alles erfahren habe . « Sie hatte dem unglücklichen Roquairol , seitdem er ein vielfaches Glück und sich selber ermordet hatte , ihre ganze Liebe ins Grab zum Verwesen nachgeworfen , ohne eine Träne dazuzutun . Sie sprang auf Idoinens Güte über , auf ihre Ähnlichkeit , » mit deren Erwähnung der Vater den Engel heute rot gemacht « , und auf ihr schönes Trösten Juliennens , die vor Albanos Ankunft unaufhörlich geweint . Albine lobte mehr Juliennen wegen ihrer Geschwister-Liebe . Rabette schwieg über diese ; beide waren schwesterliche Nebenbuhlerinnen ; auch hatte Julienne sie als Schlachtopfer des von ihr verachteten Roquairols nach ihrem scharfen unerbittlichen System sehr kalt angesehen , indes Idoine , welche , durch ihre größere Kenntnis der Menschen , Milde gegen die weiblichen Irrtümer des Herzens und Augenblicks mit Strenge gegen Männer verbinden lernen , nur sanft und gerecht gewesen war . Als sie in die Kirche voll Trauerlampen traten : schlich sich Albano in eine unbeleuchtete Ecke weg , um nicht zu stören und gestört zu werden . Am hellen Altare stand heiter der ehrwürdige Spener mit dem unbedeckten Haupt voll Silberlocken , der lange Sarg des Bruders stand vor dem Altare zwischen Lichter-Linien . Am Gewölbe der Kirche hing Nacht , und die Gestalten verloren sich in das Dunkel , unten durchkreuzten sich Strahlen und Schlagschatten und Menschen . Albano sah wie eine Todespforte die eiserne Gittertüre des Erbbegräbnisses aufgetan , worein seine frommen Eltern gezogen waren ; und ihm war , als schreite noch einmal Schoppens brausender Geist hinein , um in das letzte Haus des Menschen einzubrechen . Der Bruder rührte ihn nur wenig , aber die Nachbarschaft der stillen Eltern , die so lang für ihn ge sorgt und denen er nie gedankt , und die unaufhörlichen Tränen der Schwester , die er in der Empor über der Todespforte sah , er griffen heftig sein Herz , aus welchem die tiefen ewigen Trauer töne die Tränen , gleichsam das warme Blut der Trauer und Liebe sogen. Er sah Idoine mit ihrer halb roten , halb weißen Lankaster-Rose auf der schwarzen Seide neben der Schwester stehen , sich gegen manchen vergleichenden Blick den Schleier über die Augen ziehend - Hier neben solchen Altarlichtern hatte einst die bedrängte Liane unter dem Abschwören der Liebe gekniet - das ganze Sternbild seiner glänzenden Vergangenheit , seiner hohen Menschen war hinunter unter den Horizont , und nur ein heller Stern davon stand noch schimmernd über der Erde , Idoine . Da erblickte den Jüngling sein Freund Dian und eilte herzu . Ohne viele Rücksichten umarmte ihn der Grieche und sagte : » Heil , Heil der schönen Veränderung ! Dort steht meine Chariton , auch sie möchte nach ihrer Sprache222 grüßen . « - Aber Chariton blickte unaufhörlich Idoinen wegen ihrer Ähnlichkeiten an . » Nun , mein guter Dian , ich habe manches Herz und Glück dafür hin gezahlt , und mich wundert es , daß dich mir das Geschick gelassen « , sagte Albano . - Darauf fragt ' er ihn als den Baumeister der Kirche nach der Beschaffenheit des Erbbegräbnisses , weil er nachher sich wolle die Asche seiner Eltern aufdecken lassen , um wenigstens stumm und dankend hinzuknien . » Davon « ( sagte Dian betroffen ) » weiß ich sehr wenig ; aber ein grausamer Vorsatz ists , und wozu soll er führen ? « Die Musik hörte auf , Spener fing leise seine Rede an . Er sprach aber nicht von dem Fürsten zu seinen Füßen , auch nicht von seinen Geliebten in der Erbgruft , sondern von dem rechten Leben , das keinen Tod kenne und das erst der Mensch in sich erzeuge . Er sagte , daß er , obwohl ein alter Mann , weder zu sterben noch zu leben wünsche , weil man schon hier bei Gott sein könne , sobald man nur Gott in sich habe - und daß wir müßten unsere heiligsten Wünsche wie Sonnenblumen ohne Gram verwelken sehen können , weil doch die hohe Sonne fortstrahle , die ewig neue ziehe und pflege - und daß ein Mensch sich nicht sowohl auf die Ewigkeit zubereiten als die Ewigkeit in sich pflanzen müsse , welche still sei , rein , licht , tief und alles . Für manche Menschen-Brust in der Kirche wurde durch die Rede der Vergangenheit die Giftspitze abgebrochen . Auf Albanos steigendes Meer hatte sie glattes Öl gegossen , und um sein Leben wurd ' es eben und glänzend . Juliennens Augen waren trocken und voll heitern Lichtes geworden ; und Idoinens ihre hatten sich schimmernd gefüllet , weil heute ihr Herz zu oft in Bewegung gekommen war , um nicht in der süßen , andächtigen und erhebenden zu weinen . Einmal war Albano , da er zu ihr blickte , als glänze sie überirdisch , und wie auf eine Luna die Sonne unter der Erde , strahle Liane aus der andern Welt auf ihr Angesicht und schmücke das Ebenbild mit einer Heiligkeit jenseits der Erde . Nach dem Schlusse der Rede ging Albano ruhig zu beiden Freundinnen , drückte seiner Schwester die Hand und bat sie , nicht das Ende der dunkeln Feier abzuwarten . Sie war getröstet und willig . Da sie aus der Kirche traten , war ein wunderbarer heller Mondschein auf der Erde verbreitet wie ein süßes Morgen licht der höhern Welt . Julienne bat sie , statt zwischen die Mauern , die Kerker der Augen und Worte , und unter das Getümmel hin einzugehen , lieber vorher die hellen stillen Gegenden zu schauen . Alle trugen in ihrer Brust die heilige Welt des heitern Greises in die schöne Nacht hinaus . - Kein Wölkchen , kein Lüftchen regte sich am weiten Himmel , die Sterne regierten allein , die Erdenfernen verloren sich in weiße Schatten , und alle Berge standen im silbernen Feuer des Mondes . » O wie lieb ' ich Ihren heitern heiligen Greis