in Cüstrin hat geschehen müssen , um allen Leuten begreiflich zu machen , warum er ein sacrifice ? ! 3. Ebenso daß das Kriegsgericht ihm nicht das Leben abgesprochen , sondern des Königs Machtspruch . 4. Daß mein Sohn so généralement von aller Welt beklaget und bedauert wird . ( Es ist étonnant , was man hier für ihn thut . Die Menschen sprechen nur von ihm . Sein Portrait haben hier zwei Leute , eines davon der Maler , wo er zeichnen lernte . Dies Bildniß wird oft abgeholet , um copirt zu werden . Der Maler hat noch einige Studienblätter , auf denen der Name meines Sohnes steht . Sie kaufen alles weg , und zahlen , was er haben will . In den größten Häusern wird er bedauert , als ob ihnen ein Verwandter gestorben wäre . ) Der Kronprinz soll so wehmütig Abschied von ihm genommen haben . Endlich schreibt mir der König so viel gnädige Briefe und bittet mich recht , mich zufrieden zu geben . Aber , mein lieber Bruder , hart ist es für einen Vater , sein Kind auf solche Art zu verlieren . Der König hat mir eine information aus den Acten schicken lassen . Anfänglich habe ich sie nicht lesen wollen , aber nun möchte ich um nichts in der Welt , daß ich diese information nicht hätte . Mein Herz möchte manchen Morgen vor Thränen vergehen , wenn ich an meinen lieben Sohn gedenke . Manche Zeit geht es , aber dann kommt wieder ein Stoß , so daß ich mich nicht fassen kann . Und doch , mein lieber Bruder , lasset uns den barmherzigen Gott und seine Zornruthe in Demuth küssen ... Gott wird uns nicht verlassen . Was wir nicht erleben , wird er unsere Kinder genießen lassen . Mein Sohn hat mich einige Stunden vor seinem Ableben gebeten , unseren Albrecht nach Halle zu schicken und im Pädagogio in Gottesfurcht erziehen zu lassen . Er hätte Freylinghausen ' s › Theologia ‹ viermal durchgehöret ; die thäte ihm an seinem Ende wohl . Ich möchte mich nicht so sehr betrüben über seinen Abschied . Er versicherte mir , daß er gewiß selig werde und hat dem Prediger zum Zeugniß seines Glaubens die Hand gegeben . Nun , mein lieber Bruder , lebet wohl ... Ich bin Euer getreuer Diener H. H. Katt . Königsberg , den 19. Dezbr . 1730 . Nachschrift : Schreibet mir doch , ob Ihr meines Sohnes Brief an den König , an den Feldmarschall ( von Wartensleben ) und an mich habet . Auch die Königl . Reprimande an das Kriegsgericht und seine eigene Sentenz . « Das Recht und das Schwert Die Hinrichtung Kattes , abgesehen von ihrer geschichtlichen Bedeutung , ist auch in ihrer Eigenschaft als Rechtsfall immer als eine cause célèbre betrachtet worden . War es Gesetz oder Willkür ? War es Gerechtigkeit oder Grausamkeit ? So steht die Frage . Unsere Zeit , einerseits in Verweichlichung , andererseits in Oberflächlichkeit , die nicht tief genug in den Fall eindringt , hat in dem Geschehenen einen Fleck auf dem blanken Schilde der Hohenzollern erkennen wollen . Ich meinerseits erkenne darin einen Schmuck , einen Edelstein . Daß es ein Blutkarneol ist , ändert nichts . Entscheidend für die Beurteilung des Katte-Falles erscheint mir in erster Reihe die Frage : » Wie hat sich die damalige Zeit dazu gestellt ? « Lesen wir die zeitgenössischen Berichte , so kommt uns freilich der Eindruck , daß ein Zittern durch die halbe Welt gegangen sei . Sind wir aber aus dem » Sensationellen « der Erzählung erst heraus , beginnen wir zu sichten und zu sondern , so werden wir sehr bald gewahr , daß die tiefgehende , ganz unzweifelhaft vorhandene Bewegung der Gemüter nicht dem Katte-Fall , sondern dem begleitenden Kronprinzen-Falle gilt , und daß man in solch ungeheurer Aufregung war , nicht um des Geschehenen , sondern um des vielleicht noch zu Geschehenden willen . Wird das Schwert , das den Leutnant von Katte traf , auch den Kronprinzen treffen ? Das war es , was alle Schichten der Gesellschaft in Schrecken setzte . Von dem Augenblick an , wo diese Furcht aus den Gemütern gewichen war , war der Schrecken überhaupt dahin , und nur dem Umstande , daß die Schicksale Kattes und des Kronprinzen viele Wochen lang Hand in Hand gingen und fast identisch erschienen , nur diesem Umstande ist es zuzuschreiben , daß die Vorstellung , die Hinrichtung sei als etwas Außerordentliches oder gar Unerhörtes angesehen worden , jemals hat Platz greifen können . Es liegt vielmehr umgekehrt , und weder in den Pöllnitzschen Memoiren noch in denen der Markgräfin findet sich , bei schärferer Prüfung , auch nur ein einziges dahin lautendes Wort . Es findet sich nicht und kann sich nicht finden : denn Hof , Adel , Armee 51 fanden eben alles , was geschah , zwar streng , sehr streng vielleicht , aber schließlich doch nur in der Ordnung . Jedenfalls statthaft , zulässig . Ja die Familie selbst , so tief erschüttert sie war ( vgl. die zwei vorstehenden Briefe ) , so bestimmt sie Begnadigung erwartet haben mochte , scheint den auf Tod lautenden Machtspruch des Königs in seinem Rechte keinen Augenblick angezweifelt zu haben . * Es ist nötig , so sagte ich , den Fall aus der damaligen Zeit heraus zu beurteilen , aber er besteht auch vor dem Urteil der unserigen , vorausgesetzt , daß unsere Zeit sich Zeit nimmt , auf die Spezialien des Falles einzugehen . Denn die Wandlung der Gesamtanschauungsweise , die die Welt seit hundertfünfzig Jahren erfahren hat , ist doch nicht so groß und stark , als manche glauben möchten , und wenn nicht alle Zeichen trügen , so stehen wir eben jetzt wieder auf dem Punkt , uns einer zurückliegenden und schon überwunden geglaubten Strenge mehr zu nähern , als immer weiter von ihr zu entfernen . Und ich setze