das Wenige : daß dies Duell nicht zu Stande kommen dürfe ! was konnte das helfen ? was sollte der Mann thun , als die Achseln zucken , und mir prüfend auf Stirn und Augen sehen , ob es wohl in meinem Kopfe ganz richtig sei . Es war ein junger Mann mit einem entsetzlich verlebten und doch nicht unschönen Gesicht und sehr ausdrucksvollen , großen , dunklen Augen , und ich fühlte , wie mir unter dem Blick dieser Augen das Blut in die Wangen schoß . Unter diesem Blick - und vor einem Wort , das sich mir durchaus auf die Lippen drängen wollte , dem Wort : daß , wenn er die Liebhaber Konstanzens zu züchtigen wünsche , er sich auch an die Andern , und gleich einmal an mich wenden möge , der ich doch auch dazu gehöre , und sogar aus einer Zeit , die er gewiß für sich beanspruche . Und indem ich es nicht sagen wollte , indem ich mir auf die Zähne biß , es nicht zu sagen , sagte ich es doch durch die zusammengepreßten Zähne in einem heiseren , zischenden Ton , aus welchem mein Gegner wohl nur einen Haß heraushörte , der kaum noch an sich hält . » Also das war es ? « sagte er , indem er sich erhob : » ein begünstigter oder verrathener Liebhaber , was weiß ich ? Nun wohl , ich werde mich auch mit Ihnen schlagen , mein Herr , ganz gewiß , und so mit Jedem , der Ansprüche auf die Gunst der Dame macht , oder hat , oder auch nur zu haben vorgiebt . Aber der Reihe nach , mein Herr , der Reihe nach ! Sie sind ein paar Stunden zu spät gekommen , und Sie werden einsehen , daß ich mit meinen Gegnern nur abrechnen kann in der Ordnung , wie sie sich melden . Kann ich Ihnen für den Augenblick noch mit etwas dienen ? « Er machte eine höfliche Verbeugung und zugleich eine bezeichnende Geberde . » Durch diese Thür gelangen Sie sofort auf den Flur , « sagte er . Ich hatte mich ebenfalls erhoben , und stand ihm jetzt gegenüber . Ich konnte den schmächtigen , zartgebauten , durch ein wüstes Leben entnervten Mann mit einem Schlage fällen ; ich konnte ihm den dünnen Arm , den er jetzt , als ich noch zögerte , mit einer etwas theatralischen Geste nach der Thür ausstreckte , zwischen meinen Händen zerbrechen - es ist das einzige Mal in meinem Leben gewesen , daß ich in die Versuchung gekommen bin , meine Kraft zu mißbrauchen , aber ich widerstand der Versuchung , und rettete mich vor mir selbst zum Zimmer , zum Hause hinaus . Vor der Hausthür hielt noch der Fiacre . » Wohin jetzt ? « fragte der Mann . Ich bezeichnete Konstanzens Wohnung . Das Fuhrwerk setzte sich in Bewegung . Es war bitter kalt , und die Scheiben in den Wagenfenstern hatten sich mit einer Schneekruste bedeckt , deren Krystalle in dem Schein der Laternen , an denen wir vorüber kamen , glitzerten und blinkten . Ich sah dem zu , und zählte mechanisch die Secunden , bis wir wieder zu einer Laterne gelangten und betrachtete dann wieder das Blinken und Glitzern , und wiederholte mir gewisse Sätze aus der Optik , die auf die Erscheinung Bezug hatten , als hätte ich in der Welt nichts weiter zu thun auf dieser Fahrt zu Konstanze von Zehren , der Schwester des Fürsten Prora . Der Wagen hielt . Die Hausthür wurde mir trotz der späten Stunde - es mochte mittlerweile elf geworden sein - sogleich geöffnet ; die Flure und Treppen waren noch erleuchtet ; man schien in diesem Hause an spätes Kommen und Gehen gewöhnt . Als ich an der Thür schellte , über welcher » Ada Bellini . Königliche Hof-Schauspielerin « in großen , goldenen Lettern prangte , hörte ich drinnen ein Gewand rauschen , und Konstanze selbst stand vor mir . Sie hatte ohne Zweifel einen Andern erwartet , und fuhr jetzt mit einem Schrei zurück . Ich schloß die Thür , ergriff sie , die mit schreckensbleicher Miene vor mir fliehen wollte , an der Hand und sagte : » ich muß Sie sprechen , Konstanze ! « » Sie wollen mich morden , « sagte sie . » Nein , aber ich will nicht , daß ein Anderer um Ihrethalben gemordet wird ; kommen Sie ! « Ich führte sie halb mit Gewalt in den hell erleuchteten , kostbar , ja überreich ausgestatteten Salon , aus welchem sie herausgetreten , und dessen Thür noch offen war , führte sie zu einem der Fauteuils , in welchen sie sich setzte , die Augen fortwährend ängstlich auf jede meiner Bewegungen gerichtet . » Fürchten Sie nichts ! « sagte ich , » fürchten Sie nichts ! Sie haben mich einmal in vergangenen Tagen Ihren treuen Georg genannt , der die Drachen tödten sollte , die auf Ihrem Wege lauerten . Ich habe dazu bisher keine Gelegenheit gehabt , oder sie nicht benutzt , wenn ich sie hatte . Jetzt ist die Stunde gekommen ; aber allein kann ich es nicht : Sie müssen mir helfen , und Sie werden mir helfen . « » Sind Sie davon überzeugt ? « sagte sie . Ihr Gesicht hatte plötzlich einen anderen Ausdruck angenommen . Die Angst , die sich vorhin darin ausgeprägt , war verschwunden , und hatte einem finsteren Haß Platz gemacht , demselben Haß , den ihr Gesicht gezeigt in der Nacht , als sie mich beschwor , sie an dem Fürsten zu rächen . Ich weiß nicht , wie ich die Worte fand , ihr zu sagen , was ich ihr sagen mußte ; aber ich fand sie und sagte es ihr . » Wie viel bezahlt Ihnen der Fürst dafür ? « Das war ihre ganze Antwort . Es war dieselbe Antwort , die ich von dem