, der einst das Bild der Herzogin Margarethe umschlossen hatte und ihrem Andenken gewidmet worden war . Das glänzende Licht des Feuerwerks , wie vergänglich es auch war , machte alles Andere vergessen , und als es erloschen war , dachte man des Tempels und der Margarethen-Höhe überhaupt nicht mehr . Renatus schrieb , wie er sich ausdrückte , mit dem Fuße im Bügel , noch an seine Braut . Der Caplan übernahm die Besorgung dieses Briefes . Die Regimentsmusik schmetterte auf dem großen Schloßhofe schon ihre muthigsten Weisen , als der Freiherr den Sohn in die Arme schloß , als Renatus , mit Thränen und von des Vaters Segenswünschen begleitet , aus seinen Armen schied . Sie hatten sich nie so nahe gestanden , waren einander nie so lieb gewesen , als in diesem Beisammensein , und noch im letzten Augenblicke legte der Freiherr seine Gattin und Valerio an seines Sohnes Herz und sagte sehr erschüttert , obschon die Fremden es sehen und hören konnten : Kehre mir wieder , mein theurer , theurer Sohn , und sei ihre Stütze , wenn ich nicht mehr bin , wie Du mein Freund und meine Freude bist ! - Er weinte und schämte sich der Thränen nicht . Der Mensch , der Vater , trugen in ihm den Sieg über die Formen der Gesellschaft davon , die überall aufrecht zu erhalten er sonst als seine Aufgabe angesehen hatte . Die Ereignisse waren stärker , als er und seine schwindende Kraft , und sie wuchsen mit jedem Tage an Gewaltigkeit , an Furchtbarkeit und an Erhabenheit über ihn hinaus . Viertes Capitel Was die Abergläubischen bei dem Erscheinen des großen Kometen gefürchtet und vorausgesagt , was Seba einst hoffend ausgesprochen , als sie , mit Renatus in der Thüre ihres Gartensaales stehend , das prächtige Phänomen betrachtet , es hatte sich Alles über jedes Erwarten schnell erfüllt . Es war ein verheerendes Kriegsunglück über die Welt gekommen , das größte Kriegsheer , das die Menschheit seit unvordenklicher Zeit gesehen , war vernichtet worden . Die Russen selbst hatten die heilige Hauptstadt ihres Reiches zerstört . Zu Hunderttausenden waren die Kinder eines glücklicheren Klima ' s , waren die Söhne Frankreichs und Italiens , waren Portugiesen und Spanier , Deutsche und Polen unter dem Schnee der russischen Eisgefilde umgekommen , und ein Flüchtiger , ein Geschlagener und Ueberwundener , war der bis dahin für unbesiegbar gehaltene Kaiser von Frankreich mitten durch das von ihm unterjochte und geknechtete Europa seiner Hauptstadt zugeeilt , um , ein niedergeworfener Riese , aus dem Boden seiner Heimath neue Kraft zu schöpfen . Noth und Elend hatten den Weg bezeichnet , auf welchem das französische Heer nach Rußland gezogen war , Elend , Krankheit , Tod und Leichen bezeichneten die Straße , auf der die Trümmer dieses für unüberwindlich gehaltenen Heeres bald in kleineren , bald in größeren Massen , bald vereinzelt als jammervoll Verstümmelte , als in Lumpen gehüllte Bettler durch das Land zogen , und es gab in den preußischen Ostprovinzen sicherlich nicht Eine Stadt , nicht Ein Dorf , ja , nicht Ein Haus , dem die Theilnahme an dem Entsetzen erspart worden wäre , welches das geschlagene Heer mit sich durch aller Herren Länder trug . Je größer die Ortschaften waren , je eher man hoffen durfte , in ihnen Aufnahme oder Erquickung , ja , oft nur ein ruhiges Sterbekissen zu finden , um so massenhafter drängten die Fliehenden sich dorthin , und die Herrschaft Richten mit dem Kirchthurme von Neudorf , mit dem weithin in die Ferne ragenden goldenen Kreuze der Rothenfelder Kirche , zogen immer aufs Neue ganze Scharen von Flüchtigen in ihren Bereich . Die Kirchen beide lagen voll von Kranken und Sterbenden . Der protestantische Pfarrer , der des alten Pastors Nachfolger geworden war , der Caplan und sein Sakristan rasteten nicht Nacht , nicht Tag . Die leibliche Noth und das geistige Leiden der im fremden Lande , fern von den Ihrigen Hinsterbenden nahmen die Geistlichen der beiden Gemeinden gleichmäßig und ganz in Anspruch . Wollte man den Muth der Dorfbewohner nicht völlig sinken lassen , wollte man nur die Leichen unter die Erde bringen , so durften diese Männer sich nicht schonen , und keiner von ihnen dachte an sich und an die eigene Gefahr . Der Caplan ging Allen voran in hingebender Thätigkeit und Selbstaufopferung , und er rechnete sich dies nicht zum Verdienste . Seine Tage waren gezählt , er hatte nichts , woran seine Seele gefesselt war , er dankte seinem Gotte , daß er ihm die Kraft gelassen habe , zu helfen , zu trösten bis an sein Lebensende , und fernsehend mit dem Auge seines Geistes , gab er sich gläubig an die Hoffnung der Vaterlandsbefreiung hin , die am Horizonte des neuen Jahres emporzusteigen begann . Der Freiherr theilte diese Hoffnung nicht . Er hatte Napoleon verabscheut , als er noch General und Consul gewesen war ; aber die Gesinnungen des Freiherrn hatten eine Aenderung erlitten , seit der Consul sich die Krone aufgesetzt und mit eiserner Hand der Volksherrschaft in Frankreich ein Ende gemacht hatte . Der Kaiser , dessen Tyrannei die Franzosen , wie der Freiherr es nannte , für das Freiheitsgelüsten geißelte , in welchem sie ihren König ermordet , den Adel des Landes unter das Messer der Guillotine geliefert und in die Verbannung zu gehen gezwungen hatten , erschien ihm wie eine sittliche Nothwendigkeit in der Weltordnung . Er sah das Unglück , das Napoleons schrankenlose Eroberungssucht über ganz Europa brachte , als die gerechte Strafe dafür an , daß die Fürsten und Völker dem angestammten französischen Herrscherhause und den gut gesinnten Franzosen nicht ihren vollen Beistand zur Niederwerfung der Revolution geliehen hatten , und wenn er in sein Inneres blickte , fühlte er für den Kaiser , der sein willkürliches Belieben zum Gesetze eines Welttheils machte , jetzt mehr Vertrauen , mehr Theilnahme und Bewunderung , als für irgend einen der deutschen Fürsten , die in