über seine heute so bewegte Seele , als wenn es Liane aus dem Himmel sei , mit Unsterblichkeit gerüstet , auf überirdische Kräfte stolzer und kühner , nichts von der vorigen Erde mehr tragend als die Güte und den Reiz . Beide fanden sich mit gegenseitigem Erstaunen hier wieder . Julienne sah - ihrer kleinen Verhehlungen und Anstalten sich bewußt - ein rotes Wölkchen des Unwillens über Idoinens mildes Gesicht fliegen ; es war aber bald unter dem Horizont , sobald Idoine es bemerkte , daß die Schwester unter dem Leichengeläute des Bruders die Tränen nicht bezwingen konnte , und sie ging ihr freundlich entgegen , ihre Hand aufsuchend . Idoine hatte , durch ihre Strenge leicht zum launischen Zürnen , diesem kleinen Kriege des Zorns , geneigt , sich durch scharfe lange Übung von diesem feinsten , aber stärksten Gift des Seelenglückes freigemacht , bis sie zuletzt an ihrem Himmel stand als ein reiner , lichter Mond ohne einen Regen- und Wolkenkreis der Erde . Albano , dem die Erde , mit Vergangenheit und Toten gefüllt , eine Luftkugel geworden war , die in dem Äther ging , fühlte sich frei zwischen seinen Sternen und ohne irdisches Bangen ; er nahete sich Idoinen - obwohl bei dem Bewußtsein der kämpfenden Verhältnisse ihres und seines Hauses - mit heiligem Mute : » Ihr letzter Wunsch im letzten Garten « ( sagt ' er ) » wurde vom Himmel gehört . « - Mit jungfräulich-entschiednem Sinn ging sie durch die Wildnis , worin sie bald Blumen , bald Dornen auseinanderzubeugen hatte , um weder verlegen noch verletzt zu werden ; sie antwortete ihm : » Ich freue mich von Herzen , daß Sie Ihre treue Schwester auf immer gefunden haben . « Wehrfritz war über die Freimütigkeit , womit sie die Wahrheit redlich wider alle Familien-Verhältnisse sprach , ebenso erfreuet als verwundert . » So muß man immer auf der Erde viel verlieren , « ( erwiderte ihr Albano ) » um viel zu gewinnen « und wandte sich an seine Schwester , als woll ' er dadurch diesem Worte einen vieldeutigern Sinn verwehren . Das Totengeläute dauerte fort . Die seltsame , frohe und trübe Vermischung der irdischen Schicksale gab allen eine feierliche und freie Stimmung . Albine und Rabette kamen herauf , festlich-dunkel gekleidet zum Gange in die Begräbniskirche . Julienne teilte sich zwischen zwei Brüder , und nie hob sich ihr Herz romantischer auf ? das zugleich in Tränen und in Flammen stand . Sie er riet , wie über ihren Bruder Albano ihre Freundin Idoine denke , an der sie eine festere Stimme kannte , als die heutige war , und deren süße Verwirrung ihr am leichtesten aus dem kurzen Berichte klar wurde , den ihr die offne Seele von dem Wiedersehen Albanos in Lianens Garten gemacht ; auch das kleine jungfräuliche Zurückzittern ihres heutigen Stolzes , da sie sich hier überall für eine auferstandene Liane , diese Geliebte des Jünglings , verlegen mußte gehalten finden , machte Juliennen nicht irrer , sondern gewisser . » An einem schönen Abend « ( sagte Albano zu Idoinen ) » sah ich einst in Ihr schönes Arkadien herab , aber ich war nicht in Arkadien . « - » Der Name « ( versetzte sie und senkte wieder die klaren Augen bezogen zur Erde ) » ist auch bloß Scherz ; eigentlich ists eine Alpe und doch nur mit Sennenhütten in einem Tale . « Sie hob die großen Augen nicht wieder auf , als Julienne schweigend ihre Hand nahm und sie fortzog , weil jetzt das Leichengeläute mit traurigen einzelnen Stößen ausklang , als Zeichen , daß die Totenfeier angehe , deren Teilnahme Julienne ihrem schwesterlichen Herzen unmöglich abdingen ließ . » Wir gehen in die Kirche « , sagte Idoine zur Gesellschaft . » Wir wohl alle « , versetzte Wehrfritz schnell . Als die beiden Mädchen an Albano vorübergingen , bemerkte er zum erstenmal an Idoinen drei kleine Blatternarben , gleichsam als Erden- und Lebens-Spuren , die sie zu einer Sterblichen machten . Er blickte der hohen edeln Gestalt mit dem langen wehenden Schleier nach , welche neben seiner Schwester ebenso majestätisch , nur zärter gebauet erschien als Linda , und deren heiliger Gang eine Priesterin verkündigte , die in Tempeln vor Göttern zu wandeln gewohnt gewesen . Kaum waren beide verschwunden , als die alten Bekannten Albanos , zumal die Weiber , denen Juliennens Gegenwart immer Albanos Stammbaum nahe gehalten , mit allen Zeichen der lang zurückgedrängten Herzlichkeit , voll Wünsche , Freuden und Tränen auf sein Herz eindrangen . » Bleibt meine Eltern ! « sagte Albano . » Bravheit ist alles auf der Erde « , sagte der Direktor . - » Ich tat das Meinige wie eine Mutter , « ( sagte Albine ) » aber wer konnte las wissen ? « - Rabette sagte nichts , ihre Freude und Liebe waren überschwenglich wie ihre Erinnerung . » Meine Schwester Rabette « ( sagte Albano ) » hat mir , als ich das erstemal nach Italien ging , die Worte auf eine Börse gestickt mitgegeben : Gedenke unserer - Diese werd ' ich euch allen in jedem Schicksal erfüllen « - und hier dacht ' er , obwohl zu verschämt-bescheiden , um es zu sagen , an das , was er etwan als Fürst für seinen Pflegevater tun könnte , worunter die Zurückgabe von dessen heimfallenden Männer-Lehn zuerst gehörte . » So wird uns denn manches zeitherige Herzeleid - « , fing Albine an . - » O was Herze , was Leid , « ( sagte Wehrfritz ) » heute wird alles richtig und glatt . « Aber Rabette verstand die Mutter sehr wohl . Alle begaben sich auf den Weg zum Trauer-Tempel . Sie hörten aus der Kirche die Musik des Liedes : » Wie sie so sanft ruhn « ; in einiger Ferne versuchten sich Waldhörner zu frohern Tönen . Rabette drückte Albanos Hand und sagte sehr leise :