mit der charakteristischen Personalbeschreibung , die sowohl Pöllnitz wie die Markgräfin von von Katte gegeben haben . » Häßlich , blatternarbig , mit breiten , buschigen Augenbrauen « und infolge davon » finster , melancholisch , unheimlich . « Vergleichen wir damit die Porträts , so zeigen uns dieselben einen eher hübschen als häßlichen , eher fröhlichen als finsteren , eher anheimelnden als unheimlichen jungen Mann . Wenn wir , trotz der daraus entstehenden Zweifel , auf diese Bilder hingewiesen haben , so geschah es , um an einem glänzenden Beispiele zu zeigen , wie viel oder wenig es mit derartigen Echtheitsversicherungen 50 auf sich zu haben pflegt . Der Strom der Tradition , solange er ununterbrochen fließt , kann unter Umständen ebenso wertvoll , ja wertvoller sein als das verbürgte Aktenstück . Aber nichts ist seltener als solche Kontinuität der Überlieferung . Und nur einen Tag unterbrochen , bemächtigen sich Willkür und Einbildungskraft des Gegenstandes , und das Chaos der Meinungen beginnt . Der König und die Kattes Der König hatte für den Sohn nur die Strenge des Gesetzes gehabt ; anders für den Vater . Das Füllhorn seiner Gnade war über ihm . Er wußte wohl , was er dem Herzen und Namen desselben an Schmerz und Kränkung angetan hatte , und alle seine Bemühungen – Bemühungen , die sich zeitweilig in die Form von Zartheiten kleideten – gingen zehn Jahre lang unausgesetzt dahin , das Geschehene vergessen zu machen oder wenigstens nach Kräften auszugleichen . Freilich nur mit halbem Erfolg . Der alte Katte nahm alle diese Gnadenbezeugungen hin und dankte dafür und küßte seines gnädigen Königs Hand ; aber die Freude des Daseins war aus seinem Leben gewichen , und eine Reihe von Briefen , die durchzusehen mir gestattet war , gibt in rührender Weise Zeugnis davon . Aus der Reihe dieser Briefe will ich in nachstehendem zwei mitteilen , die noch unter dem ersten Eindruck geschrieben , seitens des Generalleutnants an seinen Bruder den Kammerpräsidenten von Katte zu Magdeburg gerichtet wurden . Der erste dieser Briefe an die Gemahlin des Kammerpräsidenten lautet : » Hochwohlgeborne Frau , Sehr wertheste Frau Schwester ! Die betrübten Umstände , darin ich nach Gottes heiligem , unbegreiflichem Willen gesetzet worden bin , sind wohl mit keiner Feder zu beschreiben , und wenn ich nicht auf Gott sähe , so müßte ich vergehen . Meine liebe Frau Schwester , consideriren Sie mein Elend . Ist es möglich , es auszustehen ! Anfänglich wußte ich nicht , wo ich war . Keine Thräne ist aus meinen Augen gekommen ... Bei meiner Frau war Doktor , Priester und Feldscheer . Bedenken Sie das Elend in meinem Hause . Wäre nicht die Herzogin und Prinzessin gekommen , meine Frau wäre uns unter den Händen geblieben . Gott vergelte es ihnen . Ich möchte vor Trauer vergehen , wenn ich an meinen Sohn denke . Mein Sohn hat es vergeben ; ich muß es auch thun . Man hat dem Könige die Sache größer gemacht ; ihr Ende ist noch nicht da . Mein Sohn stehet vor dem gerechten Richter , und tröstet mich sein schönes Ende . Aber Morgens und Abends quälet mich sein Tod . Des Königs gnädige Briefe können ihn mir nicht wiedergeben . Mein Sohn hat dem Major von Schack ( der mit commandirt gewesen ) in seine Schreibtafel seinen letzten Willen diktiret . Unter anderem soll der Kriegsrath Katt seine güldene Tabatière und einen Schimmel mit dem rothen Sattel haben ... Ich will so viel als möglich in allem seinen letzten Willen erfüllen . Es ist seine letzte Bitte gewesen : ich wolle doch ja seine Schulden bezahlen , damit niemand über ihn seufze . Da dies nun aus einer noblen Seele kommt , werde ich nach Möglichkeit alles thun . Meine liebe Frau Schwester , haben Sie doch Mitleid mit mir . Ich möchte vergehen , wenn ich an meinen Sohn gedenke . Gott hat mir gar zu schweres Kreuz auferlegt . Mein Gott , wie ist mir zu Muthe . Der arme Wurm hat kaum vier Tage Zeit gehabt , sich zu praepariren ; aber der barmherzige Gott hat Wunder an ihm erwiesen . Der sei gepreyset ! Aber welche harte Wege führt mich mein Gott . Engels-Frau Schwester , grüßen Sie meinen Bruder und schicken Sie mir cito die Namen aller derer , so man es notificiren muß . Ich kenne unsre Freundschaft nicht ... Ich bin meine Engels-Frau Schwester anitzo in Thränen ihr getreuer Diener H. H. Katt . Königsberg . 23. Nov . 1730 . Nachschrift . Lassen Sie sich doch von Herrn von Platen den Abschiedsbrief zeigen , den das arme Wurm unterwegs im Wirthshause auf Zettelpapier geschrieben hat . « Der Brief , von dem der alte Generalleutnant hier spricht , ist der , den Katte am 3. November auf seiner Fahrt nach Küstrin im ersten Nachtquartier niederschrieb und den ich an betreffender Stelle mitgeteilt habe . Dem hier Vorstehenden nach scheint es fast , daß der Vater am 23. November das Abschiedsschreiben noch nicht in Händen hatte , wohl aber durch an dere briefliche Mitteilungen aus Berlin von seiner Existenz unterrichtet war . Der zweite Brief – wie der erste mit Trauerrand – ist vier Wochen später an den Kammerpräsidenten selbst gerichtet . » Hochwohlgeborener Herr , Werthester Herr Bruder ! Ich bin Euch unendlich obligiret für Euer herzlich bezeigtes Mitleiden . Ja mein lieber Bruder , Trost ist mir bey diesen betrübten Umständen höchst nöthig ; und obwohl der barmherzige Gott mir viel Gnade gethan und bei meinem schweren Kreuz so viel Tröstliches gegeben hat , so will doch die natürliche Liebe sich noch nicht brechen , kann sich auch so bald nicht geben ! Ich weiß nicht , wie Gott mir alles solchergestalt zuführet , daß es mir zum Trost und soulagement dienen muß . 1. Mein lieber Bruder , ist es nicht tröstlich dieses schöne und exempelwürdige Ende ? 2. Ist es nicht tröstlich , daß die Execution