Geistesgegenwart , sich zu besinnen , daß die Gräfin an dieser Schilderung einigen Anstoß nehmen mußte und beendete nicht ganz ein fast heftiges : Erlauben Sie , das ist eine Verwechselung ! In unserer Stadt allein war auf der Post ein ganzes Zimmer voll2 - als ihn ein niederschmetternder Blick Thiebold ' s bedeutete , die Gräfin reden zu lassen , die Pitern erst schweigend ansah und dann mit einer ernsten Miene sprach : Mögen die Damen nur den klugen Jungfrauen gleichen , die ihre Lampen in gutem Zustand hielten , als - der Bräutigam kam ! Benno fühlte , daß es Zeit sein konnte , auf diese feierliche Aeußerung aufzubrechen und Thiebold wünschte dies um so mehr , als Piter die » horrible Dreistigkeit « oder Bêtise besaß , unbekümmert um ein biblisches Citat die etwas schlecht brennende Lampe auf dem Tische zu fixiren ... Armgart ' s Mutter hielt sie noch fest oder setzte doch das Gespräch unwillkürlich fort , indem sie den Amtseifer des jungen Domherrn rühmte und diesen in Vergleichung brachte mit dem bequemern System des Dechanten , nach dessen Befinden sie sich erkundigte ... Benno schilderte die mannichfache Aufregung , die es seither für die Dechanei gegeben hatte . Zwar waren bei Beda Hunnius sämmtliche Papiere mit Beschlag belegt und von der Regierung theilweise der Oeffentlichkeit übergeben worden , doch zwang der Gegendruck der Volksaufregung auch den Dechanten , diesmal seiner Lässigkeit zu entsagen . Die Majorin Schulzendorf kam nicht mehr in die Dechanei . Alles stand auf dem Kriegsfuße . Die dem Mörder der Schwester der Frau von Gülpen abgenommenen Werthpapiere hatten ein ansehnliches Vermögen ergeben , das dem Laienbruder Hubertus im Kloster Himmelpfort bestimmt war . Dieser , ohne alle Verwandtschaft , hatte das Geld seinem Kloster zu überlassen ... Auch darüber gab es vielerlei Aufregungen für den Frieden des Dechanten , den also nicht mehr allein der nächtliche Ruhestörer Lolo um seine behaglichen Träume brachte ... Nun , unterbrach Monika die lebhafte Mittheilung , die Piter aus den Abendcirkelgesprächen seiner Mutter ergänzen und zu Thiebold ' s erneutem Verdruß berichtigen wollte ; nun , so wird es die höchste Zeit sein , daß der alte liebe Herr sich in Wien bei seinen Freunden und Freundinnen erholt ! Wer ihn dort beobachtete , mußte immer beklagen , daß die Zeit der Abbés vorüber ist ... Da die Gräfin diese Erörterungen zu ignoriren schien und sogar , der peinlichen Erwähnung des Mordes und der neulichen Hinrichtung ausweichend , wieder die Rechnung des Wirthes zu betrachten angefangen hatte , war es in der Ordnung , daß sich alles erhob und Abschied nahm . Monika reichte Benno und Thiebold die Hand ... Ein magisches Band ist es , das eine Mutter mit dem Manne verbindet , der sein Herz ihrem Kinde weiht ! Selbst wird sie darüber noch einmal wieder jung , fühlt ihr Herz mächtiger schlagen und theilt fast alle Empfindungen ihres Kindes . Oft sogar kann eine Mutter darunter leiden , wenn ihr Kind dem Ideal von Gegenliebe nicht entspricht , das ihr selbst davon noch im Herzen lebt . Sie weiß , was Liebe ist , was Liebe sein muß , sein kann und ihr Kind läßt den Mann , der sie liebt , oft launisch , oft nur kalt erwidernd , am Frauenherzen verzweifeln ... Beiden Bewerbern gab Monika ihre Hand und wünschte ihnen schmerzlich lächelnd eine glückliche Reise ! ... Blicken wir nur einen Moment noch den sich Empfehlenden nach , so sehen wir , daß , unten angekommen , Thiebold Bennon schon deshalb in Piter ' s leidenschaftlich offerirten Wagen zog , um ihn zum Zeugen zu machen des Ausbruchs seiner verhaltenen Empfindungen über Piter ' s Benehmen . » Kattendyk ! Wie Sie sich wieder benommen haben ! « Dies Thema wurde variirt in allen Tonarten und sogar ohne Widerspruch ; denn Piter rechnete auf vollkommenste Aussöhnung und Uebereinstimmung vor dem Austernbret , auf das er seine Gefährten eingeladen und dessen Annahme nur insofern noch eine Modification erlitt , als Thiebold seine Entzückungen über die Nachsicht Monika ' s und der Gräfin , zu denen er vom » Rüffeln « übergegangen war , zuletzt selbst unterbrach und die Austern auf der Apostelstraße für besser erklärte als die auf dem Hahnenkamp . In solchen Dingen gab Piter seinen Freunden nach . So flogen nun alle drei auf die Apostelstraße , wo , von gleichem Instincte beseelt , auch bereits Joseph Moppes , Clemens Timpe , Gebhard Schmitz , Weigenand Maus und Alois Effingh am runden Tische saßen und , die Eintretenden erblickend , sie mit einem in der That von Herzen kommenden , stürmischen : Hurrah ! empfingen . Vortreffliche junge Männer das ! sagte inzwischen wiederholt die Gräfin , verlor sich jedoch immermehr in eine jetzt ungestörte Revision ihrer Reisekasse und sprach ihr Bedauern über den Entschluß der Baronin , sie nicht einmal bis zum Meeresufer zu begleiten , schon nur noch mechanisch aus ... Ist es nicht auch besser , liebe Gräfin , sagte Monika , daß ich die Wohnung so lange behalte , bis ich an Terschka geschrieben habe , Ihre Rechnung durch das Haus Fuld berichtigen zu lassen ? Sie werden diese hohe Summe nicht erwartet haben und sie nicht gut entbehren können . Reisen wir beide , so müßte sie bezahlt werden ; bleib ' ich zurück , so hat es Zeit damit ... Diese Auskunft gefiel der Gräfin . Seit vielen Jahren war sie gewohnt , mit dem » ungerechten Mammon « auf eine Weise » Freundschaft « zu schließen , die durch ihre Bibelauslegung erlaubt und durch ihre Lebenslage bedingt war ... Ihr seht zu stolzen Palästen auf ! Ihr beneidet das Loos der Glücklichen , die sie bewohnen ! Die Gräfin wollte zeitig zur Ruhe gehen ... Sie hatte noch etwas auf dem Herzen ... Anknüpfend an den Brief des » Onkel Levinus « begann sie , als gegen neun Uhr die wie zur Schlacht lärmende Runde von zwanzig Trommlern in den