hinaufwand ; denn mehr sich daran hängend , als mit freiem Tritt auf den schmalen Stufen , konnte man hinauf . Sollte Dies endlich Hackert sein ? flüsterte Dankmar . Es wäre Zeit . Ich glaube nicht , daß man bis nach zehn Uhr gut in diesen Häusern bleiben kann ... St ! flüsterte Dankmar und horchte . Der Ankommende hustete und bewegte sich sehr schwer . Er hatte ein Mützchen auf , das ziemlich weit über den Kopf ging und stützte sich auf einen Stock , den man vielleicht gut that , in diesen Räumen immer bei sich zu führen . Die Laterne , die den Lichtschimmer verbreitete , hielt ein altes Weib , das die Brüder nicht kannten ... Es war die Vizewirthin Frau Mullrich . Da ist Nr. 86 flüsterte die Alte . Herr Hackert muß doch zu Hause sein ; die Herren sind nicht wieder gekommen . Der Mann in der Mütze klopfte an die Thür des Zimmers , in dem Siegbert und Dankmar noch im Dunkeln standen . Sie hielten sich zwischen dem Pfeiler der beiden Fenster , um durch den von der Galerie hereinfallenden Lichtschimmer nicht bemerkt zu werden . Der Mann in der Mütze klopfte wiederholt . Ei , ei , rief Frau Mullrich jetzt laut , Herr Hackert nicht zu Hause ? Ei , ei ! Ei ! Ei ! Sie münzte dieses Ei ! Ei ! auf die beiden Herren , die , wenn Hackert nicht anwesend war , sicher zu Louise Eisold gegangen waren ... Klopfen Sie doch stärker , fuhr sie boshaft fort . Herr Hackert schlafen vielleicht schon . Ich glaube den alten Störenfried zu kennen , flüsterte Dankmar seinem Bruder zu . Irr ' ich nicht , so ist es der Geschäftsführer des Justizraths Schlurck , der auch von diesen alten Häusern die Verwaltung besitzt ... Du weißt noch gar nicht , welches Interesse wir an diesen Häusern haben müssen ... Noch hatte er seine Rede kaum ausgesprochen , als sich beide Brüder von einer weichen Hand ergriffen fühlten und einen warmen Athem dicht an ihrem Ohre fühlten ... Halten Sie sich ruhig ! Der Alte ist Hackert ' s Feind ! Er kann nichts Gutes bringen . Wir sagen , er ist nicht zu Hause . Es war Louise , die leise hereingeschlichen war und ihnen diese Verhaltungsmaßregel zuflüsterte . Kommen Sie , Herr Bartusch ! Kommen Sie ! Die beiden Herren sind bei Fräulein Louise ! Ich irrte mich ! Herr Hackert sind noch nicht zu Hause ! Diese laut betonten , recht absichtlich hervorgekrächzten , boshaften Worte der Frau Mullrich machten , daß die Brüder das plötzliche Kaltwerden der Hände des Mädchens fühlten , von denen jeder von ihnen eine in der seinen hatte . Wie ? flüsterte Dankmar ; die Alte wäre frech genug , anzunehmen , daß wir ... ? Lassen Sie uns sagen , daß wir in Hackert ' s Zimmer sind ! Nein , nein , bedeutete Louise ... Aber selbst die beste Absicht Dankmar ' s , für ihre Ehre einzutreten , war nicht mehr rasch auszuführen ; denn schon hatte sich Bartusch brummend wieder zum Ausgang der Galerie gewandt und mit einem lauten zweideutigen Husten und Räuspern den Rückweg angetreten . Frau Mullrich leuchtete ihm und kicherte so grell und höhnisch , daß es Louisen schauderte . Wie können Sie nur zugeben , sagte Siegbert , als sie wieder im Dunkeln waren , daß diese Menschen sich in der Meinung entfernen , wir wären bei Ihnen ? Louise strich an einem Feuerzeuge und zündete nun ein Talglicht auf einem blechernen Leuchter an ... Sie sprechen so leise , sagte sie lächelnd , daß ich Sie kaum verstehe . Werden wir hier nicht belauscht von Schmelzing ? Der ist sehr neugierig und boshaft genug , aber der glücklichste Zufall wollte , daß er schwer hört . Ich bin überzeugt , er hat sich den alten Kleiderschrank , der hier an der Thür steht , weggerückt und horcht jetzt . Aber wenn Sie nicht zu laut sprechen , bleibt ihm Alles unverständlich . Während sich Siegbert nun in Hackert ' s Zimmer umsah und eine gewisse Ordnung an dem niedrigen Bett , dem schwarzbezogenen Sopha , dem Schreibtische , einem mit einem Vorhange bedeckten Kleiderriegel , eine Waschbank mit Schüssel und Seifennäpfchen , ja sogar einen kleinen Spiegel anerkennen mußte , tadelte Dankmar wiederholt , daß sich Louise den falschen Schein gegeben hätte , als wären sie bei ihr . Nehmen Sie doch Das nicht so genau ! antwortete Louise . Mir ist die Freude , daß dieser alte Schleicher Hackerten nicht getroffen hat , viel mehr werth als der falsche Schein für meine Person . Wir Mädchen aus den armen Ständen sind , was wir sind . Unser ganzes Leben ist dem Verdachte preisgegeben . Nur die , die in Wahrheit etwas zu verbergen haben , ereifern sich , wenn sie einmal in einem falschen Lichte erscheinen . Und dieser Alte weiß wohl , daß ich mehr für mich habe als den bloßen Schein . Wie so ? fragte Siegbert . Kennen Sie ihn ? Ich kenne ihn und er kennt mich . Hackert zog zu uns auf Empfehlung dieses Nachbars , des Schreibers Schmelzing , der viel bei dem Justizrath arbeitete . Auch entsann sich Hackert des alten Großvaters , der sonst bei Schlurcks gearbeitet hatte , als noch die schöne Melanie nicht regierte und alles Altmodische wegjagte und wegräumte . Seitdem ist dieser Bartusch , Bartusch heißt er , oft hier gewesen . Er kennt jeden Winkel dieser Häuser und wuchert und preßt der Armuth ihre Thränen in Geld ab . Mich wundert , wie er sich so spät Abends noch in diesen dritten Hof wagt , wo Manche wohnen , die ihm das Schlimmste geschworen haben ... Weiter ließ sie sich in Erörterungen nicht ein , bat sie nun , ihr Gehen zu entschuldigen und ersuchte sie dringend , doch nur noch eine Viertelstunde zu warten