dem Spiegel die Haubenkannten gerade , hing Kette und Wetscher an Hals und Gürtel , und ging nach freundlichem Abschiede von dannen . Regina blieb mit ihrer Fröhlichkeit allein , und schritt in dem einsamen Gemache mit gefalteten Händen auf und nieder , den trunknen Blick zum Himmel hebend , und ihm dankend für die gewährte Seligkeit . Bald jedoch eilte sie an ' s Fenster , um in das Gewühl zu schauen , das so eben durch die enge Gasse durchwogte . Ein Zug von neu ankommenden Kaufleuten , welchem sich ein Trupp von Wallfahrern aus der Wetterau angeschlossen hatte , der nach St. Wendels Kapelle ging , um die Schafheerden von dem Veitstanz loszubeten , erregte das Getöse . Eine Menge Volks lief den Fremdlingen und den Pilgern nach , und Regina ' s Scharfblick gewahrte unter diesem Pöbeltroß des Wahrsagers , von welchem sie so eben der Mutter berichtet hatten Der Mensch sah gerade mit einem neugierigen Gesichte herauf , und ehe sie es selbst noch bedacht hatte , hatte Regina ihm gewinkt , und herein in ' s Haus war er geschlüpft , die Thüre des Gemachs hatte er gefunden , und stand mit demüthiger Frage , nach des Fräuleins Befehl , vor demselben , die Filzmütze unterm Arme , wie sich ' s für den Geringern geziemt , und das freie Auge blinzelnd in neugieriger Erwanung . - » Du hier ? « fragte ihn Regina staunend : » Bist Du denn überall ? « - » Wie der Wind , schöne Maid , « erwiederte der Mensch ; » überall , wo es Geld gibt und mitleidige Seelen . « - » Du solltest des Mitleids gar nicht bedürfen , « meinte Regina : » Deine Geschicklichkeit sollte Dir Kisten voll Gold einbringen . « - » Freigebigkeit ist geworden selten in der Welt ; « hieß die Antwort . - » Ich will nicht die Kargste seyn , « sprach Regina , dem Staunenden einen Beutel mit Silbermünze hinlangend : » Deine Prophezeiung ist eingetroffen , Du häßlicher , aber kluger Bursche . Der Ring mit dem blauen Steine kam , und mit ihm mein Hochzeiter . Auch von ihm kannst Du noch einen reichlichen Lohn gewinnen , stellst Du Dich ihm morgen , an unserm Ehrentage vor . « - » Euerm Hochzeiter ? « fragte der Mensch neugieriger und lauernd . - » Ja doch ; « erwiederte Regina lächelnd : » dem ehrsamen Altbürgersohn Dagobert Frosch , wenn Dir etwa sein Name noch nicht bekannt seyn sollte . Wir werden morgen ein Ehepaar , und möchten im Vorgefühle einer glücklichen Zeit den Herold derselben belohnen , wenn er ' s nicht verschmäht . « - » Verschmähen ? « fragte der Fremde mit scharfem Lächeln : » Ein Bettelmann wirft nichts hinter die Thür , am wenigsten den Dank , den ich nicht erwartet hätte von Euerm jungen Eheherrn . Ich werde kommen zum Schmaus , und nicht alleine , hoffe ich . Ein Hochzeitgeschenke soll mich begleiten , und Ihr werdet seyn glücklich in Ewigkeit , so Ihr ' s fromm und geduldig empfahen mögt . Valet , junge Braut . « Mit diesen Worten war der Mensch mit dem klimperden Beutel wie der Blitz davon , und ließ Reginen allein , die über das seltsame Benehmen des Fremdlings nicht genug sich wundern , es nicht genug belächeln konnte . Während sie sich jedoch den Kopf vergebens zerbrach , ruderte der Fremdling mit schnell arbeitenden Ellbogen durch die Menschenerfüllten Gassen , unter schadenfrohem , heimlichem Lachen , und mit wildfreudig klopfender Brust . Er stürzte sich in das dickste Volksgedränge , und entfaltete hier sein eigentlich Gewerbe . Mit scharfer , im Ärmel verborgnen Scheere schnitt er hier eine Geldtasche von einem Frauengürtel , dort einen Beutel von des Mannes Hüfte . Die goldnen Troddeln an den Kaputzen der Mäntel wurden häufig auf dieselbe Weise sein , und wo er , von Andrer Augen gehütet , nicht das Kostbare erobern mochte , schnitt er , nur um zu schaden , die köstlichen Pelzverbrämungen der Frauenröcke , wie auch die herrlichen Sammetschauben der Vornehmen in Stücken . Trotz diesem eifrig betriebnen Geschäfte drang er doch unaufhaltsam in einer geraden Richtung fort bis zum Mainstrome , wo er mit dem Mittagsgeläute eintraf . Andächtig , wie alle Vorübergehende entblößte en den schwarz und rauh behaarten Kopf , und warf sich auf die Knie , die Brust klopfend und die Stirne bekreuzend ; dann spie er verstohlen aus , und schlüpfte in eine von den Breterschenken , die , luftig und für den Augenblick erbaut , zum Besten der Kaufleute am Ufer errichtet waren . In einem verborgnen Winkel derselben verzehrte er hastig und gefräßig den Knoblauch und das harte Brod , das er in der Tasche trug , und schlürfte dazu seine halbe Kanne schlechten Weins , das Geld im Verborgnen überzählend , das er auf seinem Gewerbgange erobert . - Nach kurzer Ruhe erhob er sich wieder wie ein Fuchs vom Lager , strich am Herde vorüber , warf die ganze Pfefferbüchse auf ein Gericht von Fischen , das dort in der Pfanne schmorte , stieß einen vor der Hütte stehenden mit Wecken gefüllten Korb mit einem schnellen Fußtritt in den Strom und verschwand innerhalb dem Bereiche mehrerer Zelthütten , die von einigen Meisterinnen fahrender Töchter unfern davon aufgeschlagen worden waren , und in welchen das lüderliche Herren-und Pöbelgesindel seine Schwelgereien feierte , unter ' m Schutze der Meßfreiheit . Der Beutelschneider , aller Wege und Stege in diesen Hütten der Ausschweifung wohl bewußt , brachte schnell bei den üppigen Dirnen die Quasten und Troddeln an , die er gestohlen , und die sie ihm dreifach bezahlen mußten , um ihrer unverschämten Eitelkeit und ihres Sündenerwerbs willen . Der Handel fiel glücklich aus , und im Davongehen stieß der Dieb auf einen hagern Mann in bürgerlicher Tracht , der seinen Weg gegen die Zelte zu nehmen schien . » Wohin