weigerte sich dessen . Der Charakter Kattes tritt einem in diesem eigentümlichen Verhalten am frappantesten entgegen . » Eines Tages « , so schreibt die Markgräfin , » benachrichtigte mich die Bülow , daß Katte anderer Unbesonnenheiten zu geschweigen , auch mit einer Dose prunke , in der sich das Porträt des Kronprinzen und das meine befände . In der Tat war durch dies und ähnliches in seinem Benehmen unsere Verlegenheit auf den höchsten Grad gestiegen , weshalb ich es für notwendig hielt , der Königin Mitteilung davon zu machen . Diese zeigte sich denn auch sehr aufgebracht und gab meiner Gouvernante , dem Fräulein von Sonsfeld , den Befehl , bei dem Herrn von Katte mein Porträt in aller Verbindlichkeit zurückzufordern . Und die Sonsfeld unterzog sich diesem Auftrage noch am selben Abend . Katte entschuldigte sich , so gut er konnte , aber wie viele Vorstellungen ihm meine Gouvernante auch machen mochte , das Porträt selber wollte er ihr nicht einhändigen , versicherte sie vielmehr seiner Diskretion für die Zukunft und bat sie , die Königin zu beruhigen . Dies geschah auch . Indessen die abschlägige Erklärung verstimmte uns doch so , daß wir längere Zeit nicht mit ihm sprachen . « » Aber « , so fährt die Prinzessin fort , » dies währte nicht lange . Am 11. August hatten wir Konzert in Monbijou . Auch Katte , der nie fehlte , war zugegen . Als ich in ein Nebenzimmer ging , folgte er mir dort hin und beschwor mich um meines Bruders willen , ihm einen Augenblick Gehör zu schenken . Und so hatten wir denn wieder ein längeres Gespräch . › Ich bin in Verzweiflung ‹ , sagte er , › über Eurer Königlichen Hoheit Ungnade . Man hat Ihnen falsche Nachrichten über mich gebracht . Man beschuldigt mich , den Kronprinzen in seinen Fluchtplänen zu bestärken . Umgekehrt , ich habe es ihm abgeschlagen , ihm zu folgen . Und ich stehe Ew . K. H. mit meinem Kopfe dafür , daß er diesen Schritt nicht ohne mich unternehmen wird . ‹ › Ich sehe Ihren Kopf schon zwischen Ihren Schultern wackeln ‹ , replizierte ich . › Und wenn Sie nicht bald ihr Benehmen ändern , so werde ich ihn leicht vor ihren Füßen sehen . ‹ Er wollte antworten , aber ich fuhr fort : › Ich leugne Ihnen nicht , daß wir , die Königin und ich , sehr unzufrieden mit Ihnen sind , weil Sie die Pläne meines Bruders ausschwatzen ; vor allem aber ziemt es sich nicht für Sie , mein Porträt zu besitzen und damit zu prunken . Die Königin hat es Ihnen abfordern lassen , und Sie hätten die Pflicht gehabt , ihr zu gehorchen und es uns wieder zuzustellen . ‹ Er wußte sich jedoch geschickt herauszureden und versicherte nur immer wieder , daß er das Porträt lediglich als eine Probe seiner Arbeit gezeigt habe , es auch härter als den Tod empfinden würde , wenn er sich davon trennen müsse . › Sie spielen ein großes Spiel ‹ , schloß ich , › und ich fürchte sehr , daß ich in allem , was ich Ihnen gesagt habe , nur ein allzu guter Prophet gewesen bin . ‹ › Wenn ich den Kopf verliere ‹ , antwortete er , › so geschieht es um einer schönen Sache willen . Aber der Prinz wird mich nicht im Stich lassen . ‹ » Nach dieser Unterredung « – so schließt die Prinzessin – » trennten wir uns . Es war das letzte Mal , daß ich ihn sah , und ich glaubte damals nicht , daß sich meine Voraussagungen so bald erfüllen würden . « * Dies Zwiegespräch fand am 11. August statt . Am 16. ward er verhaftet . Was danach folgte , ist in den voraufgegangenen Abschnitten dieses Kapitels erzählt worden . Es erübrigt nur noch die Frage : Welche Dinge sind vorhanden , die den Namen Kattes in der einen oder andern Weise bis diesen Tag festhalten : Baulichkeiten , Hausgerät , Bilder . Briefe ( wenn nicht das Staatsarchiv einiges davon bei den Akten hat ) scheinen originaliter nicht mehr zu existieren ; das » Wachtlokal « in der Kaserne des Regiments Gensdarmes ist , wie die Kaserne selbst , längst vom Schauplatz verschwunden , und das Küstriner Torhäuschen , in dem er die Nacht vor seinem Tode zubrachte , wurde neuerdings bei Wegräumung des Tores mit niedergerissen . Auf Schloß Retzin dagegen befindet sich noch eine silberne , das Kattesche Wappen tragende Zuckerdose , die der Gefangene mit in sein Gefängnis genommen haben soll , und drei Bilder sind noch vorhanden – an übrigens sehr verschiedenen Stellen – , die den Anspruch erheben , Bildnisse Hans Hermann von Kattes zu sein . Das erste Katteporträt ist königliches Eigentum und befindet sich zu Schloß Charlottenburg in dem , soviel ich weiß , bis diesen Augenblick unberührt erhaltenen Arbeitskabinette König Friedrich Wilhelms IV. Es hing , als ich es vor einer Reihe von Jahren zum ersten Male sah , über der Eingangstür . Das zweite Katteporträt ist im Besitz von Gustav zu Putlitz auf Schloß Retzin in der Priegnitz . Er schreibt darüber folgendes : » Kattes Halbschwester war meine Urgroßmutter und aus der Nachlassenschaft einer Tochter derselben ( meiner Großtante ) kam dieses Bildnis in unser Haus . Ich entsinne mich deutlich noch des Tages , als es mit vielem anderen uralten Hausgerät ausgepackt wurde . Es machte einen großen Eindruck auf mich , trotzdem ich noch ein Kind war , denn ich kannte die Geschichte Kattes , die mir von der alten Tante als eine Familientradition oft erzählt worden war . Das einsame , abgeschlossene und meist ereignislose Leben jener Zeit erhielt die Familiengeschichten durch Generationen hin lebendig und gab ihnen besondere Wichtigkeit . « Das dritte Katteporträt befindet sich inmitten anderer Familienporträts aus jener Zeit in dem großen Empfangssaale des Herrenhauses Wust . Sind diese Bildnisse zuverlässig ? Keines stimmt