diesem Falle zu tragen auferlegen konnte . Woran denkst Du , lieber Renatus ? fragte er endlich , da der junge Mann alle Anregung , ja , selbst die Aufforderung , sich zu erklären , diesmal von seinem alten Freunde zu erwarten schien . Muß ich Ihnen das erst sagen ? Was wird Hildegard , was die Gräfin von mir denken , wenn ich die Forderung an sie stellen muß , unsere Verlobung geheim zu halten ? Denn ich darf ihnen nicht auseinander setzen , daß die augenblickliche Stimmung und die gegenwärtigen Verhältnisse meines Vaters es mir fast wie eine Entweihung erscheinen lassen , wollte ich ihm jetzt enthüllen und Preis geben , was mir nächst meiner Ehre das Theuerste und Heiligste ist ! Er schwieg , um sich eine ihm zu Hülfe kommende Einwendung machen zu lassen ; da der Caplan sie ihm aus gutem Grunde vorenthielt , sprach er selber nach einigem Ueberlegen : Wenn ich sicher wäre , daß Hildegard meiner Liebe , meinem Worte so voll vertraute , wie ich ihr .... Mein Sohn , unterbrach ihn der Caplan , versündige Dich nicht an Hildegard : sie gibt ihr Herz nicht , wo sie nicht vertraut ! Aber die Gräfin ? wendete Renatus ein . Der Caplan legte seine Hand auf des jungen Mannes Schulter und sagte : Gräfin Rhoden ist eine welterfahrene Frau und eine vorsorgliche Mutter , die Dich und ihre Tochter kennt , aber sicherlich auch auf des Lebens Wechsel und Möglichkeiten denkt . Sie weiß , daß Deine Liebe und Dein Wort ihrer Tochter angehören , wenn Du heimkehrst , indeß ... Er hielt inne und sagte dann , mit vorsichtiger Mißbilligung den feinen Kopf wiegend : Es war vielleicht nicht wohlgethan , im Angesichte eines solchen Krieges um die Hand eines jungen Mädchens zu werben . Ich bin sicher , daß es der Frau Gräfin nicht willkommen war , und es wäre großmüthiger von Dir gewesen , Dich zu überwinden und zu schweigen , denn es ist traurig , ein junges Mädchen zur Wittwe werden zu sehen , ehe es noch das Glück der Ehe kennen gelernt hat . Renatus war gegen den leisesten Tadel empfindlich . Hildegard ' s Herz hätte in jedem Falle um mich getrauert , meinte er , wenn die Würfel des Todes mir fallen sollten ! Gewiß ; aber man betrauert einen im Verschwiegenen geliebten Mann mit anderer Empfindung , als einen , dem man sich heimlich anverlobte , oder gar als einen erklärten Bräutigam . Das Mitwissen Anderer steigert für die meisten Menschen den Schmerz und zwingt oder veranlaßt sie oftmals , ihn in sich noch aufrecht zu erhalten , wenn sie bereits in der Verfassung wären , ihn zu überwinden . Und wo man nicht sicher ist , Glück und Freude bereiten zu können , soll man trachten , mögliches Leid und Unglück zu verhüten . Renatus erhob sich , denn es bemächtigte sich seiner eine große Unruhe . Er konnte den Ansichten des Caplans nichts entgegensetzen , sofern sie auf eine noch zu begehende Handlung angewendet werden sollten ; aber er ahnte ihren Zweck für diesen besonderen Fall und er verhehlte sich nicht , daß seine Neigung für Hildegard keineswegs eine unüberwindliche gewesen war , daß er eine Uebereilung begangen habe und daß er leicht in die Lage kommen könne , ja , daß er sich eigentlich bereits in der Lage befinde , diese Uebereilung zu bereuen . Er ging hastig ein paar Mal im Zimmer auf und nieder , blieb dann plötzlich vor dem Geistlichen stehen und fragte kurz und heftig : Was soll ich denn thun ? Was wollen Sie denn , daß ich thue ? Dasjenige , was Du zu thun ohnehin entschlossen warst , sprach der Geistliche gelassen . Sie rathen mir also , gegen meinen Vater von der ganzen Angelegenheit zu schweigen ? Unbedenklich ! Und Hildegard - die Gräfin - wie soll ich vor ihnen dieses Verhalten rechtfertigen ? Wie kann ich ihnen meine Handlungsweise erklären ? rief er noch einmal . Der Caplan hob sein Auge zu ihm empor und blickte ihn ruhig an . Ueberlasse es mir , mein theurer Sohn , Deine Rechtfertigung zu übernehmen ! sagte er . Und er wußte , daß Renatus diese Antwort von ihm erwartet hatte . Renatus zögerte auch nicht , sich dieselbe zu Nutzen zu machen . Aber , fragte er , was soll ich Hildegarden schreiben ? Das fragst Du mich ? entgegnete der Caplan . Nun , Du wirst Hildegarden alles sagen , was Dein Herz Dir eingibt , und das Uebrige vergönne mir , der Frau Gräfin auseinander zu setzen . Ich gebe die Verhältnisse des Freiherrn sicherlich nicht Preis , und da ich die Ansichten der Frau Gräfin aus langjährigem Vertrauen kenne , hoffe ich , Gehör bei ihr und die Billigung Deiner Handlungsweise von ihr zu erlangen . Jetzt aber - er trat an ' s Fenster und sah zu dem Kirchthurme empor - jetzt ist ' s wohl an der Zeit , auf Deine Rückkehr zu denken , denn der Freiherr wird Dich erwarten . Renatus zog die Uhr hervor und gab dem Caplan Recht . Er sagte , daß er ihm eine große Beruhigung verdanke , daß er nun wieder mit freiem Herzen an die Geliebte denken könne , und daß er nur bedauere , Vittoria in das Vertrauen gezogen zu haben . Indeß er nahm das alles leicht , da er für jetzt der Rücksprache mit dem Freiherrn enthoben war , vor der er sich mehr , als er sich selbst gestehen mochte , gefürchtet hatte . Im Schlosse fand er , da von dem Freiherrn alle vorbereitenden Schritte bereits vor einigen Wochen geschehen waren , die richterlichen Beamten , vor denen der besprochene Akt seiner Mündigkeitserklärung vollzogen , und durch welche die Eintragung von Renatus ' Vermögen auf Richten bewerkstelligt werden sollte , schon angelangt . Erst bei diesen Verhandlungen erfuhr der junge Freiherr , daß seine Befürchtungen