? Wenn wir fragen dürfen ? Sie sind in einer Druckerei beschäftigt , die große Zeitungen druckt . Bis sechs Uhr legen sie die frisch gedruckten Zeitungen und bis neun Uhr Abends tragen sie sie aus . Im Winter , wenn der Schnee die Posten aufhält , müssen sie oft noch um elf Uhr herumtrollen , die armen Tröpfe , aber was hilft ' s ! Die Kaufleute und die Gelehrten wollen wissen , wie ' s in der Welt aussieht und wenn sie noch so verschneit ist . Die drei Jüngsten endlich verdienen auch ihren Theil ... Was ? riefen die Brüder erschrocken . Louise lachte und sagte : Ja ! Ja ! Riekchen verdient , wenn sie mir Garn wickelt , Heinrich , wenn er hübsch artig ist und Hannchen , das dreizehn Monate alte kleine Schwesterchen , das ich nach dem Tode der Mutter mit Milch aufziehe , durch sein gutes Gedeihen und frohes Lächeln . Auch Das muß mit arbeiten . In Freude und Sonnenschein gedeiht ja Alles besser . Aber ... Vergeben Sie mir ! Herr Hackert ! Wo bleibt er nur ! Und ich kann Ihnen keinen Stuhl mehr anbieten , außer den da vom Karl ! Steh doch auf , Karl ! Lassen Sie , liebe Louise , sagte Dankmar . Wir sehen , Sie wollen Alle zur Ruhe gehen . Hackert hat nicht Wort gehalten . Wir gehen und wünschen Ihnen eine gesunde , stärkende gute Nacht ! Nein , nein , begann Louise mit Ängstlichkeit , Das darf ich nicht ; ich kann Sie nicht fortlassen . Herr Hackert kommt sicher sogleich . Sie glauben nicht , wie er sich auf Sie und den Herrn Bruder heute freute . Ach , es ist mir , als wenn ihm ein Unglück droht , das Sie vielleicht abwenden können ! Wie Sie heute bei ihm drinnen schrieben und er so ruhig neben Ihnen auf dem alten harten Sopha lag , das wir ihm doch noch hineinstellen konnten , da war ich recht froh , daß ein guter Geist über ihn gekommen schien ... Nehmen Sie denn so warmen Antheil an Ihrem Miether ? fragte Siegbert . Sollte es nicht jede Seele , die ein Herz in der Brust hat ? war die Antwort . Gibt es unglücklichere Menschen , als die in der Nacht wandeln . Siegbert sah Dankmarn erstaunt an . Hackert ist somnambul ! sagte Dankmar zum Bruder . Die eisernen Stäbe , die dir auffielen , sind nicht ohne Absicht vor seinen Fenstern . Siegbert konnte sich kaum über diese Mittheilung zurechtfinden . Er fragte voll innigster Theilnahme , wie lange Hackert an diesem Übel litte , wann man es zuerst bemerkt hätte , wie und wo ? Der lebendige Antheil , den er seit dem Nachmittag in Tempelheide an Hackert nahm und den nur die Mittheilung Dankmar ' s von heute früh , Hackert verdiene seine gute Meinung nicht , etwas wankend gemacht hatte , gab sich in so lebhaften Fragen wieder kund , daß Dankmar ihn an die Nothwendigkeit erinnern mußte , diese des Schlummers bedürftige große und kleine Welt sich nun allein zu überlassen . Louise aber widerstand seiner Absicht zu gehen auf ' s bestimmteste . Sie verrieth dabei einen Antheil an Hackert , der über das allgemeine Mitleid wegen seines körperlichen Zustandes hinauszugehen schien . Sie haben Recht , sagte sie , lassen Sie diese schlummern ! Aber ich mache Ihnen den Vorschlag , treten Sie in sein Zimmer selbst so lange ein , bis er kommt . Es ist verschlossen ; sagte Dankmar . Wohl , auch von dieser Seite da ... antwortete Louise . Sie öffnete die Thür und zeigte auf die durch allerhand Küchengeräthschaften verstellte Nebenthür , die zu Hackert ' s Zimmer führte ... Allein ich habe den Schlüssel zu dieser Nebenthür ! fuhr sie fort . Treten Sie hier ein ! Ich bringe Licht und Sie warten noch einige Augenblicke . Die Brüder wurden so von des Mädchens bestimmtem Willen geleitet , so von den kleinen Geschwistern , die gähnend aber auch neugierig sie umstanden , gedrängt , daß sie sich gefallen lassen mußten , zu bleiben . Man räumte Alles von der Verbindungsthür fort und schloß sie auf . Louise sagte den Kindern , sie sollten den Herren Gute Nacht ! sagen . Dies geschah und einige Sekunden darauf waren die Brüder in Hackert ' s dunklem vergitterten Zimmer ganz allein ... Louise rief von der Küche , sie käme sogleich nach mit Licht ... Karl Eisold , der älteste Bruder , bewegte sich bei allen diesen Unternehmungen seiner Schwester nicht im geringsten . Nur als sie einen zu lebhaften Antheil an Hackert verrieth , schlug er das Buch , in dem er gelesen hatte , fast heftig zu und ging hinter die Tapetenwand . Er schien mit seiner Schwester über irgend etwas gespannt zu sein ... Nun , hatt ' ich Recht , begann Dankmar , als die Brüder in Hackert ' s Zimmer in der Dunkelheit allein waren , hatt ' ich Recht , dir die Bekanntschaft dieser eigenthümlichen , häuslichen Existenz deines Schützlings zu verschaffen ? Was das Gemälde , das du hier beobachtetest , doppelt anziehend macht , ist die Beziehung auf Hackert , der , sprach ich auch heute in der Frühe gegen ihn , dein erstes Gefühl nicht getäuscht hat und wol mehr bemitleidenswerth als zu fürchten ist . Fast möcht ' ich glauben , daß ihn dieses edle Mädchen , das sich dem Wohle ihrer Geschwister opfert , liebt ... Sprich nicht so laut , flüsterte Siegbert , hier nebenan horcht der Schreiber Schmelzing ... Es war so finster in dem , wie Siegbert wohl merkte , engen Zimmer , daß sie ungeduldig das Licht erwarteten , mit dem Louise zurückkehren wollte ... Indem fiel ein Lichtschimmer von der Galerie her durch die vergitterten Fenster . Man hörte ein Rascheln , wie von Jemanden , der sich an dem Stricke der Treppe