unterhalten würden , nachdem er einmal die Erfahrung gemacht hatte , daß der Caplan für sie Sorge trug . Hatte man des Quartettes einmal nöthig , wenn Vittoria sich vor der Gesellschaft im geistlichen Gesange hören lassen wollte , so berief man den Sakristan mit seinen Schülern ; der Freiherr wußte sich dann etwas mit dieser Art von Capelle , zeigte sich ihr gnädig , lobte und tadelte als ein Kenner und ließ es an einem Gnadengeschenke auch nicht fehlen . Im Uebrigen beruhigte er sich damit , daß der Caplan in den langen Jahren , welche er dem Arten ' schen Hause angehört hatte , ein hübsches Vermögen erworben haben müsse , dessen er nicht bedurfte , und es schien dem Freiherrn so natürlich , wenn der Geistliche , der durch die Gründung der Pfarre lebenslang versorgt war , seinen im Arten ' schen Dienste zusammengebrachten Besitz auch zum Nutzen und zur Ehre des Hauses , die hier zugleich die Ehre Gottes und der Kirche war , verwendete , daß er es nie für nöthig gefunden hatte , darüber auch nur eine Sylbe gegen den Caplan zu verlieren . Er war in seinem Verhältnisse zu Allen , die ihm dienten , nach wie vor derselbe . Aber der Caplan war auch sich selber treu geblieben , und wie der Freiherr an dem würdigen Fortbestehen seines Geschlechtes , so hing der Geistliche an der Erhaltung des Gotteshauses , das unter seinen Augen entstanden war , und an der Hoffnung , das katholische Bekenntniß in diesem Theile des Landes endlich Wurzel fassen und sich ausbreiten zu sehen . Indeß die Erhaltung der Kirche für die katholische Confession wurde zweifelhaft , wenn Renatus jemals gezwungen werden sollte , sich des väterlichen Besitzes zu entäußern , da derselbe dann leicht in nichtkatholische Hände übergehen und es in einem solchen Falle nicht allzu schwer halten konnte , das Gotteshaus den Evangelischen zusprechen zu lassen . Dem Caplan war also eben so wie dem Freiherrn daran gelegen , Renatus mit einer reichen Erbin aus den katholischen Provinzen sich verbinden zu sehen , und weil er dieses wünschte und es im Augenblicke nicht zu erreichen war , that er wenigstens so viel an ihm lag , dem jungen Baron für die Zukunft die mögliche Freiheit bewahren zu helfen . Er nannte die Neigung , welche Renatus für Hildegard empfand , edel und berechtigt , er pries die Eigenschaften der jungen Gräfin und das Glück derjenigen , deren reine Seelen sich in keuscher Neigung früh zusammenfinden ; aber er gab es dem Jünglinge zu überlegen , ob unter den Bedenken , die sich in ihm gegen diese Verlobung erhoben hatten , nicht eines oder das andere begründet sein sollte . Er fragte ihn , ob er überzeugt sei , daß er niemals eine stärkere Empfindung hegen werde ; ob er glaube , daß Hildegard dem Ideale entspreche , welches jeder reine Jüngling von dem Weibe , das er lieben solle , im Herzen trage . Er erinnerte ihn daran , daß er an der Ehe seiner Eltern das Beispiel vor sich habe , wie unglücklich eine nicht völlige Zusammengehörigkeit die Gatten machen könne , und er sprach sich , da er Renatus nachdenklich werden sah , endlich dahin aus , daß er es für alle Theile heilsam glaube , wenn man vorläufig das Herzensbündniß der Liebenden noch als ein Geheimniß bewahre . Du , mein theurer Renatus , sagte er , wirst dadurch der Nothwendigkeit enthoben , Deinem richtigen Zartgefühle entgegen , eben jetzt von Deinem Vater ein sicherlich widerwillig gegebenes Zugeständniß zu fordern . Du und auch die theure Hildegard , Ihr gewinnt beide die Zeit , in der Trennung Eure Herzen und die Beständigkeit und Stärke Eurer Neigung zu erkennen und zu prüfen , und kehrst Du uns , wie wir alle sehnlich hoffen , unter dem Schutze des Höchsten aus dem Kriege heim , hellt unser politischer Gesichtskreis sich so weit wieder auf , daß Gewerbe und Handel sich wieder frei bewegen können , daß der Grundbesitz seinen wahren Werth zurückerlangt , nun , so wird Dein Vater keine Ursache mehr haben , Dir irgend eine Beschränkung bei Deiner Wahl aufzuerlegen , und er wird dann diejenige mit Freunden in seine Arme schließen , der er heute nur widerwillig seinen Segen geben würde . Renatus hatte , den Kopf in die Hand gestützt , den Auseinandersetzungen seines geistlichen Freundes ohne eine Erwiderung zugehört . Auch als derselbe geendet hatte , regte der junge Mann sich nicht . Der Caplan kannte das an ihm und es galt ihm als ein gutes Zeichen . Wenn Renatus nach einem Meinungsaustausche auf solche Weise in sich selbst versank , war er in der Regel damit beschäftigt , wie er die fremde Ansicht mit der seinigen so verbinden könne , daß dasjenige als freie Entschließung erschien , was er auf Zureden eines Anderen that . Denn obschon er die stolze Selbstherrlichkeit seines Vaters nicht besaß , hatte er doch die Eitelkeit , in den geringfügigsten wie in den wichtigsten Dingen seine Meinung und seine freie Entschließung kundgeben und behaupten zu wollen ; ja , er war im Stande , seine eigene Ueberzeugung , wenn ein Anderer dieselbe ausgesprochen hatte , zu verleugnen und ihr entgegen zu handeln , nur um den Verdacht der Unselbständigkeit von sich abzuwehren . Hier aber , wo der Rath seines Lehrers mit seinem geheimsten Wollen zusammentraf , verlangte es ihn , vielleicht ohne daß er sich dessen klar bewußt war , danach , sich auch im voraus gegen die Vorwürfe zu sichern , die er oder Andere ihm später über seine Handlungsweise machen konnten . Er wollte Herr über seine Entschlüsse bleiben und doch die Möglichkeit haben , die Verantwortlichkeit für dieselben im Nothfalle auf fremde Schultern wälzen zu können , und der Caplan war es als ein Diener seiner Kirche gewohnt , wo es der Förderung ihrer Zwecke galt , schwerere Lasten und Verantwortungen über sich zu nehmen , als Renatus ihm in