. Einmal war er nur fünf Minuten mit den Damen allein ; es erfolgte eine fernere Meldung . Sodann war Monika in eine tiefe Abwesenheit ihres Ohrs und Herzens und Urtheils versunken . Endlich drittens erhob sie sich sogar und entfernte sich ganz , wie sie sagte , auf einen Augenblick ; das war , als Benno von Asselyn und Thiebold de Jonge gemeldet wurden , die in der Voraussetzung , sie reiste ab , sich ihr und der Gräfin zu empfehlen kamen . Und als dann die beiden jungen Männer eintraten , blieb die Gräfin mindestens zehn Minuten über alle drei Anwesenden die alleinige Richterin , bis Monika , nach einem Kampf zur Beruhigung ihres aufgeregten Herzens zurückkehrte . Piter war vollkommen so eingerichtet , daß er mit Anstand die Tasse Thee , die ihn die Gräfin mitzutrinken aufforderte , hätte annehmen können . Seine strohgelb gantirte Hand brauchte sich nur auszustrecken , um im Zulangen ihm ganz schön zu stehen . Eine weiße Weste , inwendig mit einem dunkelrothen Phantasiefutter , dunkelbrauner Frack mit Metallknöpfen , schwarze Beinkleider , eine Halsbinde , weiß mit allerlei braunen Sprenkelchen - später flüsterte ihm Thiebold zu : » Sonderbare kleine Maikäfer das , Kattendyk , ich meine in Ihrer Cravatte ! « Sein kleiner Kopf war wohlfrisirt und das blonde Bärtchen leise gefärbt und das stumpfe Näschen nicht erfroren , ... er war in Equipage gekommen ... Aber sein System des Au contraire bestimmte ihn sofort die Tasse abzulehnen und etwas näselnd zu sagen : Bitte recht sehr , gnädigste Frau Gräfin ! Ich trinke keinen Thee - Es war dies , Kamillenthee ausgenommen , eine Wahrheit . Die Gräfin fand den jungen Kaufherrn wieder von imponirender Eigenheit . Wer sich einbildet , die Großen verletze dergleichen Selbständigkeit , irrt sich . Nur die » kleinen Großen « , die Empor- und Herunterkömmlinge sind anspruchsvoll ; die wahren Großen sind sogar leicht eingeschüchtert und gerathen viel öfter in Verlegenheit , als wir glauben . Piter rückte mit seinem Anliegen hervor . Im Wagen hatte er sich eine Rede stilistisch und rhetorisch zurecht gelegt . In gewandtem , der Vornehmheit wegen immer näselnden Vortrage bat er , daß seinem Hause die Ehre gegönnt werden möchte , bei seiner am nächsten Freitag stattfindenden ersten Soirée auch die gnädigste Frau Gräfin und die Frau Baronin von Hülleshoven erwarten zu dürfen ... Da die Gräfin von ihrer auf morgen angesetzten Abreise sprechen durfte , kam sie rasch über das ihr jetzt denn doch aufwallende Gefühl hinweg , ob eine solche gesellschaftliche Mischung , wie in einem wenn auch großen Kaufmannshause vorauszusetzen war , ihrem Stande angemessen erscheinen durfte . Seit lange hatte Monika die Gräfin nicht lächeln sehen . In diesem Augenblick that sie es ganz graziös . Monika sagte sich : Die seltsame Frau ! Wie wohlwollend und fein steht ihr dies Lächeln ! Warum verscheucht sie es nur durch ihre stete Furcht vor der Weltlichkeit , der sie mehr angehört , als sie weiß ! Monika selbst , die sich mit der jetzt erst in Staunen ausbrechenden , aber doch allmählich beipflichtenden Gräfin über ihren Entschluß , doch lieber zu bleiben , verständigte , nahm die Einladung an . Gegenbesuche von und bei der Mutter Piter ' s hatten bereits stattgefunden . Die Verständigung über das Zurückbleiben Monika ' s gab Pitern Gelegenheit , sich in die Erfolge zu versetzen , die am nächsten Freitag seine Arrangements krönen würden ... Auch über Porzia ' s Onkel erfuhr die Gräfin , jetzt orientirter , wiederholt alles das , was ihr zur Beruhigung dienen konnte , nicht zu einsam zu reisen ... Piter sprach sein Bedauern aus , die Gräfin entbehren zu müssen , ermangelte jedoch nicht , sie bei einer somit einmal beschlossenen Trennung durch seine praktischen Winke über die Comforts von London wieder wahrhaft zu bezaubern . Es fehlte nichts , daß er ihr nicht auch die Adressen aufgezeichnet hätte , wo sie am besten Cravatten und Zahnbürsten und Rasirmesser kaufen konnte . Sein Portefeuille hatte er gezogen , ein Blatt darin ausgerissen und eine Menge Namen aufgeschrieben , die der Gräfin bei der Ankunft von Wichtigkeit sein mußten , sogar diejenigen Beamten auf dem Zollhause , die sich am leichtesten bestechen ließen , trotzdem auf Bestechung bekanntlich die Deportation steht . In solchen Dingen konnte Piter höchst charmant und bis zur Herzlichkeit naiv sein . Da schöpfte er aus der Fülle seiner Erfahrungen . Die Gräfin , die zwar bei Lady Elliot sowol auf dem Lande wie in der Stadt wohnen sollte , hörte beglückt zu , wie das Hotel beschaffen war und wo es lag , in dem sie wohnen könnte , wenn sie wollte oder wenn sie müßte - Piter ' s Au contraire war auf einige Zeit höchst instructiv . Benno und Thiebold kamen etwas feierlich . Denn wenn sie den Abschied jetzt auch nur von der Gräfin zu nehmen brauchten , so blieben sie doch selbst nicht mehr zu lange in der Stadt , sondern reisten auf Witoborn zu , Benno in Nück ' s Aufträgen , Thiebold , um die Wälder anzukaufen , die Terschka frischweg sämmtlich wollte abschlagen lassen , um zu respectablen Summen Geldes zu kommen . Piter behielt merkwürdigerweise noch die Oberhand ... Die Gräfin zeichnete den ihr Nützlichsten aus . Sie ließ sich das weiße Blättchen voll Namen und Adressen schreiben und nebenbei warf Piter auch Erläuterungen für die beiden Freunde dazwischen , denen zufolge sie noch am Freitag , wenn sie bleiben würde , der Baronin sich in seinen Salons empfehlen könnten ... Man war überrascht und alles das gab ihm Suprematie . Der Bediente servirte den neuen Ankömmlingen gleichfalls den Thee . Diese nahmen und Piter , der sonst unter seinen Freunden unter der Herrschaft des ansteckenden Beispiels stand , bekämpfte sich dauernd , es heute durchaus nicht zuzulassen . Während jene tranken , konnte Piter sprechen . Jene waren gedrückt , bewegt , sie waren der Mutter eines Wesens nahe