: es war das ein förmlicher Sklavenhandel . Eine Mutter , so hieß es , hatte ihre eigene Tochter um eine beträchtliche Summe verkauft , das Mädchen aber habe eine andere Neigung und sei in Verzweiflung . Das war ein Fall , für den ich da war ; meine erste Idee war , das arme Geschöpf entführen zu lassen , ihr eine Existenz zu gründen , sie , wenn möglich mit ihrem Geliebten zu vereinigen . - Unmöglich ! Denn leider stand dieser Freund durch Rand und Stand so weit über ihr , daß an eine Verbindung nicht zu denken war . Ich beschloß , mich also bei ihr einzuführen , und das that ich auch . « - Bei diesen Worten athmete der Erzähler tief und schwer , und als er darauf mit der Hand über seinen Bart strich , zitterte diese leicht ; auch hatte er die vorigen Worte nur mühsam hervorgebracht . - » Ich ging also dorthin . Um einen Vorwand war ich bei dergleichen nie verlegen , ich betrat ohne lange zu fragen ihr Zimmer , ich fand das Mädchen allein , ein Schauer durchflog meinen Körper , meine Zähne schlugen in Fieberfrost zusammen , - ja , es konnte nicht anders sein , ich fand die Züge des Kindes in der Erwachsenen wieder - ich stand vor meiner Schwester , - gerechter Gott ! vor meiner Schwester , die von ihrer , von meiner Mutter der Schande verkauft war . - Aber nein , nein ! so fürchterlich sollte es nicht kommen , gehen wir mit wenigen Worten darüber hinweg . Ja , meine Schwester war es ; aber meine arme Mutter war längst gestorben ; sie hatte ihr Kind aufgesucht und es auch glücklich in Schottland gefunden ; sie hatten ein kümmerliches Leben geführt , meine Mutter hatte mit ihren zarten Händen Tag und Nacht gearbeitet , um sich und ihr Kind auf ehrliche Art zu erhalten ; aber alle die schrecklichen Verluste , die sie erlitten , das Andenken an meinen Vater , der sie so entsetzlich mißhandelt , - an mich , den sie todt geglaubt , hatten ihre Gesundheit zerstört . - Nach ihrem Tode stand meine Schwester rathlos da , irgend ein Zufall brachte sie zu jener Frau , die sich heute ihre Mutter nannte , die sie sorgfältig erzog , aber damals schon berechnete , das schöne geistreiche Mädchen werde sich einstens selbst bezahlt machen . Daß ich mit dieser Dame eine starke Unterredung hatte , können Sie sich denken ; die für meine Schwester verlangte Summe gab ich ihr und nahm das arme Geschöpf mit mir , - ja , das arme Geschöpf , - denn es waren Sachen vorgefallen , die mich nöthigten , ein Jahr lang mit ihr in tiefster Verborgenheit zu leben . Sie wurde Mutter eines Kindes , eines Knaben - und was soll ich ' s verschweigen ? - desselben , der jetzt unter Ihrer Aufsicht lebt und den Sie deßhalb nicht weniger lieben werden , weil seine Geburt keine legitime ist . « Die Versicherung des Herrn Beil , daß er das Kind vielleicht noch mehr lieben werde , weil es ohne rechtmäßige Ansprüche an einen väterlichen Schutz so allein in der Welt stehe , schien der Baron gar nicht zu hören . Er hielt beide Hände vor das Gesicht und saß so eine Zeit lang in sich versunken da . Als er wieder empor schaute , seufzte er tief auf und sagte : » Glauben Sie mir , ich hätte lieber das Grab meiner Schwester gefunden , als sie selbst auf diese Art. Ich erzählte Ihnen schon , wie ich sie als ein kleines Mädchen geliebt . Und diese Liebe hat mit den Jahren zugenommen ; in meinen Träumen sah ich sie vor mir , wachsend , größer und schöner werdend , liebenswürdig und verständig , wozu sie schon als Kind so schöne Hoffnungen gab . Ach ! ihr Kind hat mich vor Vielem bewahrt , namentlich vor einem wilden Leben und vor manchen unüberlegten Handlungen . Ich will es Ihnen offenherzig gestehen : obgleich ich viele Abenteuer hatte , habe ich doch nie geliebt ; denn so oft ich mein Herz einem weiblichen Wesen zuwenden wollte , trat mir das Bild meiner Schwester vor die Seele und daneben erblaßte alles Andere . Es war wohl mit das schreckliche Unglück unserer Jugend , was mich so fest an sie hinzog . Einmal , « fuhr er nach einer Pause lächelnd fort , » und es ist noch gar nicht lange her , da traf ich mit einem armen Geschöpfe zusammen , mit einem Mädchen , das blonde Haare hatte , wie meine Schwester und auch einen Zug in ihrem Gesichte , der mich an diese erinnerte . Das durchzuckte mich wunderbar , und wenn ich dem Mädchen früher begegnet wäre - aber das sind nur Phantasieen ! - gehen wir weiter ! Nachdem das vorüber , reiste ich mit meiner Schwester nach Sicilien und machte dort eine Klage gegen meinen Großvater in England anhängig ; ich wußte wohl , daß dabei nichts zu gewinnen war , doch prozessirte ich nur in der Absicht , um einen Namen für meine Schwester zu erhalten . Dies gelang mir auch ; man erklärte sie für berechtigt , den Familien-Namen unseres Vaters zu führen : ich für meinen Theil verzichtete darauf : der Enkel des Lord K. war todt und verschollen ; auch meiner Schwester konnte ich nützlicher sein , wenn ich ihr , sie unsichtbar schützend , zur Seite stand . Wer wußte auch , wenn wir den gleichen Namen führten , ob sie nicht vielleicht dadurch in Sachen verwickelt werden konnte , die ihr fern zu halten meine heiligste Pflicht war . Daß ich mein Vermögen redlich mit ihr theilte , brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen . - Und nun bin ich zu Ende , aber gerne bereit , Ihnen irgend welche Fragen zu beantworten , die Sie an mich