, um Treudchen vor ihm sicher zu stellen , ein für allemal die auf seine Wendeltreppe führende Thür verschloß und sogar den Vorhang des Zimmerchens , das Treudchen bewohnte und das dem seinigen gegenüberlag , Tag und Nacht herabzulassen befahl . Wäre nicht die neue Beherrscherin des Hauses gewesen , Lucinde Schwarz ( sie wurde es ganz wider Willen und einfach nur dadurch , daß jeder Bewohner desselben , Delrings ausgenommen , die » sanfte , stille , ruhige Seele « zur Vertrauten machte ) , Piter hätte Sitte und Anstand über den Haufen geworfen . Aber Lucinde wollte alles Ernstes , daß Piter Treudchen in optima forma heirathen sollte . Sie beförderte diese Wendung der Dinge mit einer Discretion , die deshalb nicht leicht war , weil auch Treudchen , schon um » den jungen Herrn « möglicherweise zu » bessern « , seine , wie er selbst sagte , » wahnsinnige « Liebe mit der Kraftlosigkeit eines Mädchens erwiderte , das sich die Möglichkeit solcher herzbestrickenden Vorgänge innerhalb der ihr bisher gänzlich unbekannt gewesenen und neu aufgehenden Region der Liebe nicht geträumt hatte . Dem durch die Gefangennehmung des Kirchenfürsten geweckten Geiste entzog sich Piter keinesweges . War doch selbst Thiebold wieder nahe daran , zu Feuer und Schwert zu greifen . Auch Benno , der sogar alles so erwartet hatte und der die Kraft der Ghibellinen bewunderte und von Dante ' s Welfenhaß sprach , stutzte ... Die Gefangennehmung wurde eben von der Regierung seltsam motivirt . » Zwei revolutionäre Richtungen « sollten sich in den Handlungen des Kirchenfürsten durchkreuzt haben , die jakobinische und die jesuitische . So lautete das Manifest der Minister ... Unvermittelt wogten in Benno ' s Brust die Gegensätze der Ideen hin und her . Nur Freiheit athmen zu wollen , nur die Herrschaft des Gedankens zu begehren , dafür sah er das Leben zu praktisch an . Aber das wirklich Praktische und thatsächlich durch die Welt , wie sie einmal ist , zu Bedingende , das hatte sich für seine wenigen zwanzig Jahre noch nicht feststellen wollen ... Und rings diese Leidenschaften ! Diese Parteinahme nur zu Gunsten einer » Kirche « , die doch auch die seine war ! Kam nicht selbst Bonaventura über seinen innern , leise begonnenen Zwiespalt durch diesen viel größern Bruch wieder hinweg ? ... Piter - der sah die Thränen seiner Mutter , hörte die Klagen seiner Schwestern ; die drei Hausfreunde hatten keinen Appetit mehr ; Nück vergab ihm sogar die witoborner Reise und trank mit ihm auf eine glücklichere Zukunft ; sogar die zu Tod geängstigte Hendrika , die nur noch kaum zwei Monate zu dem heroischen Entschluß hin hatte , ihr Kind im Glaubensbekenntniß ihres Mannes taufen zu lassen , war am Morgen nach der Gefangennahme des Kirchenfürsten in Treudchen ' s Kammer gewesen und hatte , zwar nicht mit Empfindungen wie damals Windhack in der Dechanei ( » Fiat lux in perpetuis ! « ) doch jedenfalls wie vor dem Ersticken sich Rettung suchend den Vorhang bald in die Höhe gezogen , bald wieder niedergelassen ... Eines aber war Pitern an dem Kirchenstreit und an den Allocutionen und an dem Kampf der Broschüren , vorzugsweise aber an den allabendlichen Zusammenrottungen das Allerunangenehmste . Alle Familienfestlichkeiten mußten abbestellt werden . Wozu hatte er nun das älterliche Haus so umgestaltet und soviel Zerstörungen und Neubauten angerichtet , als um in der Eigenschaft des jetzt mündigen Chefs von » Kattendyk und Söhne « die Saison in einer Weise zu eröffnen , gegen die niemand , selbst nicht die Cirkel der aus Verlegenheit über den Geist der Stadt für den Winter ganz nach Paris übergesiedelten Gebrüder Fuld aufkommen konnten ! ... Piter fand ein freies Feld und durfte es nicht zu seinen längst vorbereiteten Zwecken benutzen . Endlich aber schwieg jede Rücksicht . Ende Januar konnte für seine Schwester Hendrika die Stunde der Entscheidung schlagen . Eine Gesellschaft mußte jetzt oder konnte vielleicht den ganzen Winter nicht mehr gegeben werden ; wer verbürgte den glücklichen Ausgang dieser Entscheidung ? Hendrika fuhr in keine Messe mehr , in keine Beichte , selbst dem Strom der ganzen Stadt zu dem neuen jungen Domherrn folgte sie nicht . Es mußte ein Anfang in der Entwickelung seiner Größe , seiner gesellschaftlichen Repräsentation , seiner Laufbahn zum Mitglied irgendeines Comité oder ähnlicher Befriedigungen seines Ehrgeizes gemacht werden , und Piter benutzte die nahe bevorstehende Abreise einiger hoher Herrschaften , von denen allerdings nur Monika speciell an sein Haus empfohlen war , um mit der Art , » wie Er Gesellschaften geben würde « , trotz der allgemeinen Landestrauer hervorzutreten . Bei einigen Besuchen , die er hier im Hotel schon gemacht , war er auch der Gräfin vorgestellt worden . Von dieser hatte er ein Zeugniß bekommen , das , wenn er dasselbe gehört hätte , ihm nicht wenig geschmeichelt haben würde . Da er unausgesetzt nur das Gegentheil von dem behauptete , was die Damen sprachen , so bekam wenigstens die Gräfin von ihm den Eindruck eines geistvollen und unterrichteten jungen Mannes ; denn die Frauen sind viel bescheidener , als man gewöhnlich glaubt ; sie unterrichten sich gern und dünken sich in ihrem Wissen nie so fest , daß sie nicht mit der größten Aufmerksamkeit und Geneigtheit , sich zu vervollkommnen , zuhörten , wenn ihnen z.B. jemand sagt : Bitte um Entschuldigung , die Ueberfahrt über den Kanal ist im Januar viel sicherer als im December ! oder : Erlauben Sie , ich muß Ihnen aufrichtig gestehen , die Cultur um Witoborn ist auffallend vernachlässigt ! Frauen lieben die Schmeichler in der Regel viel weniger als wir glauben und die vornehmen Frauen vollends - und gar erst , wenn mit ihnen Menschen sprechen , die sich auf Geld und Gut verstehen ! Piter blieb zu seinem Glück nur zehn Minuten und hinterließ damals einen Eindruck , den die Gräfin fast einen » bedeutenden « genannt hätte . Auch heute genoß Piter drei große Vortheile für höhere Würdigung