vieles gelernet , so noch weniger zu vergessen wünsche . « Außer dieser Relation des Majors von Schack liegt auch ein Bericht des Garnisonpredigers Besser vor , der , wie vorerwähnt , in Assistenz des Feldpredigers Müller , den von Katte auf seinem letzten Gange begleitete . Auf die Angaben dieser beiden » Augenzeugen « ( von Schack und Besser ) werden wir auch in der Folge bei Lösung schwebender Fragen in allen Hauptpunkten angewiesen sein . Alles andere steht erst in zweiter Reihe . Hier zunächst der Schluß des Besserschen Berichts im Wortlaut » ... So trat er seinen letzten Gang zum Vater an mit solcher freimüthigen Herzhaftigkeit , die jeder bewundern mußte . Seine Augen waren meistens zu Gott gerichtet , und wir erhielten sein Herz unterwegens immer himmelwärts durch Vorhaltung der Exempel solcher , die im Herrn verschieden , als des Sohnes Gottes selbst und des Sankt Stephanus , wie auch des Schächers am Kreuz , bis wir uns unter solchen Reden dem hiesigen Schlosse näherten . An andern , die solchen Gang gehen , habe ich sonst wohl Alteration und Betrübniß ihrer Sinne gemerket , wenn sie dem entsetzlichen Gerichtsplatz nahe kamen , daß ihnen auch öfters der freudige Muth entfallen ist . Ich hatte daher auch meine Obacht , ob der Wohlselige auch etwa eine verborgene Hoffnung in seinem Herzen hege wegen Linderung seines auszustehenden Urtheils , wenn solche aber fehlschlagen möchte , daß ja nicht Kleinmüthigkeit und schüchterne Blödigkeit entstünden . Allein Gott sei gedanket , der ihn mit seinem Freudengeist in seiner letzten Stunde stärkte und unsträflich behielt . Er erblickte endlich nach langem sehnlichen Umhersehen seinen geliebtesten Jonathan , Ihro Königliche Hoheit den Kronprinzen am Fenster des Schlosses , von selbigem er mit höflichen und verbindlichen Worten in französischer Sprache Abschied nahm , mit nicht geringer Wehmuth . 49 Er hörte ferner seine abgefaßte Todessentenz durch den Herrn Geheimrath Gerbett unerschrocken vorlesen . Da solche geendiget , nahm er vollends Abschied von denen Herren Offiziers , besonders von dem v. Asseburg , v. Holzendorf und dem ganzen Kreise , empfing die letzte Absolution und die priesterliche Einsegnung mit großer Devotion , entkleidete sich selber bis aufs Hemd , entblößte sich den Hals , nahm seine Haartour vom Haupte , bedeckte sich mit einer weißen Mütze , welche er zuvor zu dem Ende bei sich gesteckt hatte , kniete nieder auf den Sandhaufen und rief : › Herr Jesu , nimm meinen Geist auf ! ‹ Und als er solcher Gestalt seine Seele in die Hände seines Vaters befohlen , ward das erlösete Haupt mit einem glücklich gerathenen Streich durch die Hand und Schwert des Scharfrichters Coblentz vom Leibe abgesondert ; ein viertel auf acht Uhr , den 6 Nov . 1730 . Dabei mir einfiel , was stehet 2. Macc . 7 Vers 40 : › Also ist auch dieser auch fein dahingestorben und hat allen seinen Trost auf Gott gestellet . ‹ Ich nahm ferner nichts mehr wahr als einige Zuckungen des Körpers , so vom frischen Geblüt und Leben herrührten . Wenig zusammengelaufene Leute sah man außer dem Kreise , auf dem Walle und in denen Fenstern , und noch weniger von Extraktion waren zugegen , weil viele theils solches nicht gelaubet , theils nicht gewußt , theils es anzusehen Bedenken getragen . Der Körper und Haupt ward mit einem schwarzen Tuch bedecket , bis er von denen besten und vornehmsten Bürgern dieser Stadt aufgehoben , in einen beschlagenen Sarg geleget und auf hiesigem Gottesacker in der sogenannten › Kurzen Vorstadt ‹ neben einen andern Offizier von hiesiger Garnison , so nicht lange vorher beerdigt ward , eingesenket wurde . Nachmittags um 2 Uhr . « Dieser Gottesacker , vom » Hohen Kavalier « aus sichtbar , liegt in erheblicher Entfernung von der Stadt , jenseits der Warthe . Hier ruhte der Tote , bis der Familie zugestanden war , ihn wieder ausgraben und auf dem Rittergute Wust , in der Nähe von Jerichow , bestatten zu lassen . Wann dies geschah , ist nicht bestimmt ersichtlich . Der Sarg aber wurde nach dem genannten Gute ( Wust ) hinübergeführt und steht daselbst bis diesen Tag in der Familiengruft der Kattes . Über diese Gruft selbst habe ich an anderer Stelle berichtet . Wo stand Kronprinz Friedrich ? Wo fiel Kattes Haupt ? Diese Fragen , hundertfältig erhoben , sind bis in die neueste Zeit hinein keineswegs auch nur mit annähernder Sicherheit beantwortet worden . Erst Divisionsprediger Hoffbauer zu Küstrin ist in einer 1867 erschienenen Publikation diesen zwei Fragen gründlich näher getreten , gründlicher als irgendwer vor ihm , und glaubt auf die Frage 1 : » Wo stand der Kronprinz ? « eine fast absolut richtige , auf die Frage 2 aber : » Wo fiel Kattes Haupt ? « eine wenigstens mit hoher Wahrscheinlichkeit richtige Antwort gefunden zu haben . Wo stand der Kronprinz ? An dem letzten Hochparterrefenster der Schloßfront , wenn man von Bastion König auf Bastion Brandenburg zuschreitet . Diese große » Front des Schlosses « , immer am Wasser hin , ist aber ein ziemlich kompliziertes Ding und besteht aus einer eigentlichen und uneigentlichen Front . Die eigentliche Front gehört dem Corps de Logis an . Und in dieser eigentlichen Front oder dem Corps de Logis befindet sich das historische Fenster nicht . An das Corps de Logis lehnt sich indessen rechtwinkelig ein architektonisch unvermittelter Seitenflügel , dessen Giebel nunmehr den Eindruck macht , als gehöre er mit in die große Wall- und Wasserfront des Schlosses hinein . Dieser Eindruck würde noch entschiedener sein , wenn erwähnter Seitenflügelgiebel nicht um ein paar Schritte zurückträte , so daß wir in ein paar Linien ausgedrückt nebenstehendes Bild gewinnen . An der offengelassenen und mit einem F. ( Fenster ) bezeichneten Stelle dieses Seitenflügelgiebels , oder , was dasselbe sagen will , dieses uneigentlichen Teiles der gesamten Schloßfront , stand der Kronprinz . Dafür , daß es gerade dieses Zimmer und kein anderes war , sprechen –