Vertrauen schenkte und stand in Hemdärmeln . Rasch fuhr er wieder in sein Zimmer zurück und kam nach einer Secunde in einer grünen Jacke mit einem großen grauen befestigten Dintenärmel am rechten Arm heraus . Er hielt ein Licht , das seine Glotzaugen , seine stumpfe kleine Nase , den zahnlosen Mund , die endlose Stirn , das thierische Kinn noch mehr illustrirte . Ganz gehorsamster Diener , meine Herren - Herr Hackert ? Ei ich meine doch - Damit drückte Herr Schmelzing auf die Klinke der Thür seines Nachbars . Nein , sagte er dann erstaunt und überrascht von diesem späten Besuche seines Nachbars , Herr Hackert sind nicht zu Hause ; kommen manchmal etwas spät . Wünschen Sie vielleicht zu warten , meine Herren ! Woher hab ' ich die Ehre Ihrer Bekanntschaft , meine Herren ? Die saubere Aufschrift Ihrer Thür , Herr Schmelzing , die ich heut ' früh schon gelesen habe : Herr Schmelzing , Privatschreiber ; nicht so ? Schmelzing stand als wenn er diese Worte nicht verstanden hätte . Dankmar unterstützte sie durch einen Fingerzeig auf die Thür . Schmelzing wandte sich nun erst an seine eigene Thür Nr. 85 und las den Zettel , gleichsam als wenn er ihm unbekannt wäre . Ja wol ! Privatschreiber ! Aber auch Herr Hackert sind ein Meister in diesem Fache . Wünschen Sie vielleicht unsere Dienste im Kalligraphischen ? Ich schreibe für viele der Herren Advocaten - auch dichterische Erzeugnisse -Rollen für die Herren vom Theater - wünschen Sie vielleicht einen Auftrag ausgeführt ? Während Schmelzing seine Dienste unterwürfigst anbot , hatte sich aber schon die Scene verändert . Hier und da trieb die Neugier über das späte Lautsprechen auf der Galerie des dritten Stockes jene Gesichter zum Vorschein , die schon an der Eingangspforte Siegberten so unheimlich erschienen waren . Auch Frauen in Hauben oder aufgelösten Haaren fehlten nicht . Letztere mehr hexen- als lurleiartig . Die angenehmste Vermehrung der Gesellschaft war aber aus Nr. 87 ein kleines Mädchen , das wir schon kennen , Linchen Eisold , zu der sich sogleich auch Wilhelm , ihr kleiner Bruder , gesellte . Dieser war schon ziemlich verschlafen und gähnte so laut , daß es fast auf der Galerie ein Echo gab . Jene aber knixte gar anmuthig und sagte gewandt und höflich , ob die Herren nicht näher treten wollten ; Herr Hackert würde gewiß gleich kommen . Das ist nun gerade , was ich dir gönnen wollte ! flüsterte Dankmar und schob Siegberten eine Thür weiter . Gute Nacht , Herr Schmelzing , rief er dann sehr laut ( denn er hatte schon weg , daß Herr Schmelzing wol etwas taub war ) , entschuldigen Sie die Störung ! Dieser mit halb geöffnetem Munde und dem nachdrücklichsten und höflichsten : Bitte , keine Ursache ! das ihm aber doch vor Neugier zwischen den fahlen Lippen halb stecken blieb , sah den jungen Männern kopfschüttelnd nach , wie sie unter der Thür Nr. 87 sich bückend verschwanden . Alle Augenblicke machte er sich später auf der Galerie etwas zu schaffen , um zu hören , was in Nr. 87 vorging , einer Wohnung , die jedoch nur eine kleine Küche mit einem Fenster auf die Galerie hinausgehend hatte . Des Hauptzimmers Aussicht ging hinterwärts in ganz andere Höfe hinüber . Der Raum , den Siegbert und Dankmar anfangs in Nr. 87 um sich hatten , war nicht größer , als daß er für etwa acht Menschen , die dicht nebeneinander standen , ausgereicht hätte und doch stand hier erstens ein Feuerherd , zweitens ein Küchenschrank , drittens ein Bett mit einer Menge geringfügiger Gegenstände , die alle Platz haben wollten . Eine Thür links führte zu Hackert ' s Zimmer ; doch stand zum Zeichen , daß sie ignorirt wurde , ein Besen , ein Zuber , ein Eimer und eine Waschbank davor und eine Thür rechts führte in das große Wohnzimmer . Dies große Zimmer war nun allerdings sehr geräumig und mußte es sein ; denn nicht weniger als acht Menschen waren darauf angewiesen , hier zu wohnen und theilweise auch zu schlafen . Das Zimmer hatte drei Fenster , von welchem zwei geöffnet waren und die kühlende Abendluft der hintern Aussicht hereinließen , eins aber war verhängt und durch eine Schirmlampe beleuchtet . Hier war Nacht , an den beiden andern kleinen Fenstern noch leidlicher Tag . An dem beleuchteten Fenster saß ein alter Mann , der auf einem Tische vor sich zwei oder drei alte Uhren , in der Weise der Schwarzwälder Uhren , aber viel größere und unförmlichere , stehen hatte , in denen er mit einer Fahne von einer Feder die Gänge und Triebräder vom Staube rein kehrte und dann und wann die Uhren schlagen ließ . Ein kleines Mädchen von vielleicht fünf Jahren stand hinter ihm auf einem Fußschemelchen und löste ihm einen kleinen weißgelben Zopf auseinander . Der nach dem uralten , wie abgestorben scheinenden Greise älteste männliche Bewohner dieses Raumes , ein junger Mann von vielleicht funfzehn Jahren , saß neben ihm und benutzte das ihm zuschimmernde Lampenlicht , um in einem mit mathematischen Zeichnungen ausgestatteten Buche zu lesen . Kaum blickte er zu den Besuchern , die er ungern zu sehen schien , empor . Auf einem Tisch am zweiten Fenster standen mehrere , wie es schien eben geleerte Näpfe , in denen Suppe gewesen schien ; denn noch stand ein Rest davon in einer großen irdenen Schüssel in der Mitte des Tisches . Ein Laib groben Brotes mit einigen blankgeputzten Messern lag daneben . Eben streute sich ein winziges Bübchen von vielleicht drei Jahren auf ein Stück Brot aus einem Salzfasse dicke Körner Salz , um es mit dieser Delikatesse schmackhafter zu machen . Am dritten Fenster sah man einen großmächtigen aufgespannten Stickrahmen , der auf zwei Stühlen lag . Daneben ein Tischchen mit allerhand bunter Wolle , Schachteln mit weißer Baumwolle , Zeichnen- und Stickmuster und kleine violette englische Quadrat-Papiere mit feinen Nähnadeln .