ein , daß ich das Unrecht , welches ich Ihrer Schwester zugefügt habe ( hier bemühte sich Adrian schwermüthig zu seufzen ) an Ihnen wider gut machen muß ? Ich bin nicht so schlecht , als Sie und mit Ihnen so viele meiner Feinde glauben ! Die Verhältnisse allein sind es , die meinem Charakter eine Richtung gegeben haben , welche der allzustrenge Sittenrichter als eine bösartige bezeichnen kann . Sie sehen , ich bin offen , Bianca ! Ich gestehe freimüthig meine Schwächen und Untugenden , ja , ich bereue sie aufrichtig . Und dennoch stoßen Sie die Hand des Reuigen von sich , kehren dem , der sich bessern will und nur einer liebevollen Leitung dazu bedarf , verächtlich den Rücken ? - O das ist nicht liebreich , Bianca ! Das widerstreitet dem christlichen Sittengesetz , in dem wir doch Beide erzogen worden sind , so oft wir auch später dagegen gefehlt haben mögen ! - Also ... Vergebung , Bianca , Vergebung um der Liebe willen , die ja Alles heilt , Alles söhnt , Alles bindet ! Vergib mir und Du erfüllst das Gebot Christi ! « Adrian erhob flehend seine Hände zu Bianca , die stolz lächelnd vor ihm stand . » Bemühen Sie sich nicht weiter , Herr Graf , mich durch geübte Heuchelei und wohl einstudirte Verstellung meinem Vorsatz abwendig machen zu wollen , « erwiederte sie höflich . » Ich habe Sie durchschaut und lasse mich nicht von Ihnen täuschen . Ich weiß , was ich von Ihrer Zerknirschung zu halten habe ! Ihrem Wunsche gemäß bin ich in ihre Dienste getreten . Diesen Diensten unterziehe ich mich mit Aufopferung aller meiner Kräfte und mit größter Sorgfalt und Pünktlichkeit . Das ist ' s , was Sie von mir zu fordern haben , was ich leisten muß und leisten werde , bis unser Abkommen zu Ende geht . Ich würde Sie außerdem meiden , allein Sie wünschen meine Gegenwart und so bleibe ich denn Ihnen zur Qual , weil dies der Wille der Vorsehung ist . Gute Nacht , Herr Graf . « Bianca ging , Adrian war allein . Die Fabrikuhr schlug halb eilf . » Ihre Liebe und ich wäre glücklich ! « murmelte der einsame , von Allen verlassene vornehme Mann . » Aber sie ist ein Dämon - ein entzückender Dämon , bei dessen Erscheinen ich Himmel und Hölle zugleich in mir fühle ! - Diese Raserei der Leidenschaft wird mich noch tödten , wenn ich dieser unnatürlich schönen Gorgo nicht das Herz im Busen umwenden kann ! « Er machte einen Gang durchs Zimmer und trat dann an ' s Fenster , um einen Blick auf See und Haide zu werfen , die im weichen bläulichen Silberlicht des Mondes zauberisch glänzten . » Wie die Stunden schleichen ! « rief er aus . » Wäre es nur erst Mitternacht , damit ich den entsetzlichen Menschen für immer los würde ! ... Diese Abrechnung , warum denn fürchte ich sie ? Warum schlägt mein Herz lebhafter , wenn ich an sie denke ? Warum überrieselt es mich kalt , weil ich mit einem Manne , den das Ungefähr zu meinem Halbbruder gemacht hat , in stiller Nacht , einsam , von Niemand beschützt und bewacht , ein ernstes Gespräch halten soll in einem Saale meiner Fabrik ? ... Wird er mich tödten ? ... Nein , denn er ist ein ehrlicher , obwohl rachsüchtiger Mann . Und er hat mir versprochen , das , was er seine Waffen nennt , so zu wählen , daß die Vortheile auf beiden Seiten gleich vertheilt sein sollen ... Warum also diese Furcht , die mein Verstand thöricht nennen muß ? ... Warum dieses Zweifeln , das mich einer Feigheit bezüchtigt , die ich doch früher nie gekannt habe ? « Und Adrian setzte sich , in trübes Nachdenken versunken , in den weichsten seiner Lehrstühle , neigte den Kopf auf seine Hand und schloß die Augen . So saß er lange , lange ; man hätte glauben können , er schlafe , wenn er sich nicht bisweilen bewegt , den Kopf geschüttelt oder tief und schwer Athem geholt hätte ... Allemal , wenn die Schläge der Uhr in der völlig windstillen Nacht verhallten , richtete er sich auf und sah hinaus auf den See . Dann nahm er seine frühere , halb nachdenkende , halb ruhende Stellung wieder ein . Als es zwei Viertel nach Eilf geschlagen hatte , belebte sich der See . Die Arbeiter aus dem Dorfe ruderten sich nach der Insel , um nach Mitternacht ihre Brüder und Schwestern abzulösen . Jetzt stand der Graf auf , öffnete das Fenster und sah starr hinaus auf den glitzernden See , über welchen unter leise rauschenden Ruderschlägen die dunkeln Nachen herüberglitten nach der Felseninsel . Obwohl der Mond sehr hell schien , konnte er doch Niemand erkennen , denn es flirrte ihm vor den Augen , so regte ihn die Erwartung auf . Endlich landeten die Nachen , die Arbeiter stiegen an ' s Land und schlugen unter verworrenem Gespräch truppweise den Weg nach der Fabrik ein . Adrian hörte ein dreimaliges Händeklatschen . » Er kommt , « sagte er und sein bleiches aschfarbenes Gesicht wurde noch bleicher und fahler . Dann beantwortete er das Zeichen auf die nämliche Weise . Langsam schritt Martell , als bereits sämmtliche Arbeiter verschwunden waren , gegen Adrians Villa vor . Seine hohe Gestalt war im vollen klaren Mondlicht deutlich zu erkennen . In größerer Entfernung unweit der Scheuer , wo sich der Weg aufwärts nach dem Felsen zog , glaubte der Graf noch zwei andre Gestalten zu bemerken , doch konnte er nicht bestimmt sagen , ob er sich nicht vielleicht getäuscht habe . Ihre Schatten verschwanden ebenfalls auf dem Sandwege zu den Fabrikgebäuden . Adrian beugte sich jetzt weit aus dem Fenster , winkte Martell , der unsern des Hauses stehen blieb , schloß das Fenster , löschte die Lichter