schrecken . Doch will ich ihm nicht unrecht tun . Aber wem soll eine Mutter am Hofe vertrauen und mißtrauen ? Und welche Gefahr ist größer ? Drei Jahre lang mußtest du des Scheines wegen auf Isola bella mit deiner scheinbaren Zwillingsschwester Severina , obwohl unter den Augen des Fürsten , bleiben , indes ich mit Juliennen nach Deutschland zurückging . Länger aber durft ' es nicht dauern , so gern es deine Pflegemutter gesehen hätte ; du wurdest deinem Vater zu ähnlich . Diese Ähnlichkeit kostete mich manche Träne - denn darum durftest du nie aus B. nach P. ( Pestitz ) , solange der Fürst noch Jugendzüge trug - sogar die Porträts seiner Jugendgestalt mußt ' ich darum allmählich wegstehlen und sie dem treuen Spener zu bewahren geben - ja dieser gelehrte Mann sagte mir , daß ein erhobner Spiegel , der junge Gesichter zu alten formte , beiseite zu bringen sei , weil du sogleich als der alte Fürst daständest , wenn du hineinsähest - O , da mein guter , frommer Fürst in seinen matten Tagen allerlei unbewußt ausplauderte und mich über das sichere Schicksal des wichtigen Geheimnisses immer sorglicher machte : wie erschrak ich , als er einstens am Morgen ( zum Glück war nur Spener und eine gewisse Tochter des Ministers v. Fr. dabei , eine sanfte , fromme Seele ) geradezu und freudig sagte : Unser lieber Sohn , Eleonore , war gestern nachts oben am Altar , er wird gewiß ein frommer Mensch , er kniete und betete schön , und ich sagt ' ihm nur , denn ich wollte mich nicht decouvrieren : nach Haus , nach Haus , mein Freund , es donnert schon nahe.216 Ich weiß , daß verschiedene über einen natürlichen Sohn des Fürsten schon Winke fallen ließen . Die Gräfin C. ( Cesara ) ging nun mit S. ( Severina ) nach V. ( Valencia ) ab ; gab sich aber vorher den Namen R. ( Romeiro ) und der Tochter den Namen L. ( Linda ) . Der Prinz di Lauria mußte der Erbschaft wegen mit seiner Einwilligung in dieses Spiel gezogen werden . Durch diesen Namen-Wechsel konnte alles so dicht zugehüllet werden , als es jetzt noch steht . Neun Jahre darauf starb die edle R. ( Romeiro ) , und der Graf hatte unter dem Vorrecht eines Vormunds die Tochter allein in seinem Schutze und in seiner Vorsorge . Ich sah sie kurz nach dem Tode der Mutter hier217 ; entfaltet sich die Blume ganz aus dieser vollen Knospe , so gehört sie als die vollste Rose an dein Herz . Möge nur das Geisterspiel , das ich der Gräfin zu leichtsinnig zugeschworen , ohne Unglück vorüber ziehen ! - Sollt ' ich vor dem Fürsten auf das Sterbebette kommen , so muß ich noch deine Schwester und deinen Bruder in das Geheimnis ziehen , um ganz gesichert meine Augen zu schließen . Ach ich werd ' es nicht erleben , daß ich dich öffentlich als meinen Sohn in meine Arme schließen darf ! Die Ahnungen meiner Hinfälligkeit kommen immer häufiger . Es gehe dir wohl , teueres Kind ! Werde fromm und redlich wie dein Vater ! Gott lenke alle unsere schwachen Hülfsmittel zum besten ! Deine treue Mutter Eleonore . N. S. Noch sehr wichtige Geheimnisse kann ich nicht dem Papier vertrauen , sondern sterbend wird sie mein Mund in das Herz deiner Schwester niederlegen . Leb wohl ! Leb wohl ! « 143 . Zykel Albano stand lange sprachlos , schauete gen Himmel , ließ das Blatt fallen und faltete die Hände und sagte : » Du schickst den Frieden - ich soll nicht in den Krieg - wohlan , ich habe mein Los ! « Lebenslust , neue Kräfte und Plane , Freude am Throne , wo nur die geistige Anstrengung gilt , wie auf dem Schlachtfelde mehr die körperliche , die Bilder neuer Eltern und Verhältnisse und Unwille gegen die Vergangenheit stürmten durcheinander in seinem Geist . Er riß sich von seinem ganzen vorigen Leben los , die Seile des bisherigen Totengeläutes waren entzwei , er mußte , um die Eurydice aus dem Orkus zu gewinnen , wie Orpheus das Zurückschauen auf den vergangnen Weg vermeiden . Er enthüllte dem neuen Freunde alles , denn er kämpfe , sagt ' er , nunmehr öffentlich auf freier offner Bahn um sein bisher verstecktes Recht und reise sogleich in die Stadt . Unter dem Er zählen erzürnte ihn das lange gewagte Spiel mit seinen heiligsten Verhältnissen und Rechten noch mehr und das Mißtrauen in seine Kräfte und Waffen gegen die Feinde , denen Luigi unterlag , und dieser Bruder selber , der ihn bisher in einer so harten unbrüderlichen Maske umarmen konnte . » Wie anders war die treue Schwester ! « sagt ' er . » Warum « ( fuhr er fort ) » ließ man mich so manchem stolzen harten Geiste so vielen Dank schuldig werden für mein bloßes - Geburtsrecht ? - Warum traute man nicht meinem Schweigen ebensogut ? - O so mußt ' ich die arme Tote droben218 verkennen , weil sie meinem geoffenbarten Stande in jener feindlichen Nacht am Altare ihr schönes Herz aufopferte ! So mußt ' ich durch Vermutungen und Vorsätze so manche rechte Seele verletzen ! Wie unschuldig könnt ' ich sein ohne dies alles ! « » Beruhigen Sie sich , « ( sagte Siebenkäs mit feiner Rüge ) » die Stärke des Feindes wird zu dem Widerstande geschlagen und von der Niederlage abgezogen ; und was wäre ein Sieg auf leerem Schlachtfelde gewesen ? « Siebenkäs war vor dem glänzenden Stande und vor dem Feuer der Leidenschaftlichkeit , die er nur in gemeiner , nicht in edler Erscheinung kannte , um einige Schritte zurückgetreten , die Albano nicht bemerkte , weil er sie nicht voraussetzte . So gut es ging , suchte Siebenkäs - indem dessen innerer Mensch seine im Grabe des Freundes starr gefrornen Glieder allmählich wieder aufwickelte -