Ende für ein bloßes Mährchen gibt . Alle diese Wundergestalten , Anangke mit ihrer Spindel und ihren Töchtern , die acht Sirenen , die sich auf und mit den acht Wirteln ewig herumdrehen und den armen Seelen , die hier täglich schaarenweis sich einzufinden genöthigt sind , die Ohren gellen machen , der Prophet , der den Seelen im Namen der Göttin ankündigt , daß sie um ihr künftiges Schicksal im Leben , in welches sie zurückkehren , losen müssen u.s.w. , das alles ist also nichts weiter als eine Gruppe von emblematischen Bildern , oder vielmehr ein Haufen ziemlich dicker Hüllen , unter denen etwas verborgen liegt , das entweder schwer zu errathen , oder des Rathens kaum werth ist ? Aber unglücklicherweise ist der Armenier , der diese wunderbaren Personen und Sachen in einem dämonischen Ort zu sehen glaubt , keine emblematische Figur ; er wird uns als eine wirkliche historische Person vorgeführt , und damit wir desto weniger daran zweifeln , sogar Pamphylien als das ursprüngliche Vaterland seines Geschlechts angegeben . Der wackre Er macht sich also entweder nach Art weitgereiseter Leute ein Vergnügen daraus , unsre Leichtgläubigkeit auf die Probe zu stellen ; oder er ist selbst ich weiß nicht von welchen Dämonen getäuscht worden , daß er sich einbildete wirkliche Dinge zu sehen , wiewohl er nur Sinnbilder sah . Uebrigens ist nicht leicht zu errathen , was Plato mit dieser Dichtung beabsichtigt , da sie für den Satz , den er dadurch bestätigen will , nicht das Geringste beweisen , und schlechterdings zu nichts dienen kann , als Knaben in Erstaunen zu setzen , Männern hingegen eine eben so geringe Meinung von seinem Dichtergeist als von seinen astronomischen Kenntnissen zu geben . Denn wie er dichtet , heißt nicht dichten sondern ins Blaue hinein phantasiren , und es steht ihm wahrlich übel an , über die Erzählungen , womit der Homerische Odysseus die Tischgesellschaft des Alcinous unterhält , die Nase zu rümpfen , von denen die ungereimteste ohne Vergleichung wahrscheinlicher gemacht ist als das Mährchen seines Armeniers . Aber nun vollends die Art , wie er die Pythagorische Seelenwanderung seinen eigenen Hypothesen anpaßt , und wie er die Freiheit , ohne welche keine Zurechnung , folglich keine Strafen und Belohnungen in der andern Welt stattfinden , mit den Gesetzen der Nothwendigkeit zu vereinigen glaubt ! - Die zur Rückkehr in sterbliche Leiber vor dem Thron der großen Spinnerinnen versammelten Seelen kommen theils aus dem Himmel , theils aus der Unterwelt . Ueber die letztern habe ich nichts zu erinnern ; aber wie die Göttin Anangke den erstern zumuthen könne , aus der reinen Himmelsluft wieder in den mephitischen Dunstkreis des Erdenlebens zurückzuwandern , darüber hätte uns billig einiger Aufschluß gegeben werden sollen . Denn daß sie den Himmel , wo es ihnen ( ihrer eigenen Versicherung nach ) so unaussprechlich wohl ging , von freien Stücken verlassen haben sollten , ist nicht zu vermuthen ; wiewohl ich gestehe , daß das Vergnügen , womit er sie den Boden der mütterlichen Erde wieder betreten läßt , ein feiner Zug von dem Dichter ist . Soll überhaupt Sinn in dieser Dichtung seyn , so müßte entweder eine innere Nothwendigkeit die Seelen aus dem Himmel wieder auf die Erde treiben , oder ihre Verbannung müßte die Strafe schwerer Verbrechen seyn , welche sie in jenem herrlichen Zustand begangen hätten . Keine dieser beiden Voraussetzungen steht auf irgend einem festen Grunde , und die letztere ist sogar mit der Gerechtigkeit der allgemeinen Weltregierung unvereinbar ; denn was könnte ungerechter seyn , als die armen Seelen zu Abbüßung begangener Verbrechen in Umstände zu setzen , wo sie die größte Gefahr laufen neue Verbrechen zu begehen , welche sie mit einer noch viel härtern Bestrafung , nämlich einer tausendjährigen Peinigung im Tartarus für jedes derselben , werden büßen müssen ? Plato glaubt zwar , sich aus dieser Schwierigkeit durch die Erklärung zu ziehen , die er seinen Propheten im Namen der Lachesis ( warum gerade dieser ? ) den versammelten Seelen thun läßt . » Ihr seyd im Begriff , « läßt er ihn ( wiewohl in geflissentlich dunkeln und nach Art der Orakel , vieldeutigen Ausdrücken ) sagen , » einen neuen Kreislauf unter den Sterblichen zu beginnen . Nicht das Schicksal wird euch euer Loos anweisen , sondern ihr selbst werdet euer Schicksal wählen . Wen das Loos zum Ersten erklärt , der soll auch zuerst die Wahl der Lebensart haben , an welche er nothwendig gebunden bleiben wird . Die Tugend aber hat keinen Herrn über sich ; je nachdem jemand sie ehrt oder verachtet , wird er mehr oder weniger von ihr besitzen . Die Schuld wird an dem Wählenden seyn ; Gott hat keine Schuld . « - Nach dieser seltsamen Anrede wirft er die Loose auf die umherstehenden Seelen herab ; jede greift nach dem , das ihr zufällt , und itzt zeigt sich ' s in welcher Ordnung sie wählen sollen . Nunmehr werden Muster aller möglichen Lebensformen , thierischer und menschlicher , die im Schooß der Lachesis beisammen lagen , auf der Erde vor ihnen ausgebreitet , damit jede diejenige wähle , die ihr am besten ansteht . Die Anzahl dieser Lebensformen ist zwar viel größer als die Zahl der Wählenden ; indessen gesteht doch der Erzähler , daß die Seelen , die in der Reihe die letzten sind , gegen die andern sehr zu kurz kommen und mit dem was noch da ist vorlieb nehmen müssen ; eine Unbilligkeit , welche vermieden werden konnte , wenn , anstatt die Wahl theils auf sie selbst theils auf den Zufall ankommen zu lassen , ein Gott für jede gewählt hätte , was für sie und andere das Beste gewesen wäre . Was diese Unbilligkeit noch härter macht , ist das Gesetz , vermöge dessen alle diese aus dem Himmel und der Hölle ins irdische Leben zurückkehrenden Seelen aus dem Lethe zu trinken genöthigt sind , dessen Wasser die Eigenschaft hat die Erinnerung des