von dem Augenblick an , wo Katte am 5. nachmittags am Küstriner Tore eintraf . Es ist aus dieser Relation , daß ich nachstehendes entnehme . » ... Als wir um 2 Uhr « , so schreibt v. Schack , » an das Thor kamen , fanden wir daselbst den Commandanten . Er hielt uns an und ließ uns aussteigen . Danach nahm er den seligen Herrn von Katt bei der Hand und führte ihn die Treppe zum Wall hinauf , allwo über dem Thor « ( es ist das Tor zwischen Bastion König und Bastion Königin ; vgl. die Festungsskizze ) » eine Stube mit zwei Betten , eines für Katt und das andere für den Feldprediger präpariret war . Der Commandant sagte mir danach , daß wir den Herrn v. Katt auch an dieser Stelle noch in Verwahrung zu halten hätten , und zeigte mir die Punkte , wo unsre Posten am besten auszusetzen wären . Gleicherzeit wies er mir die Königliche Ordre , aus der ich ersah , daß die Hinrichtung am andern Morgen um sieben Uhr stattfinden und mein ganzes Commando ( aber zu Fuß ) den Herrn v. Katt in einen durch 150 Mann von der Küstriner Garnison zu bildenden Kreis hineinführen solle . Als ich alles dieses erfahren , ging ich zu dem seligen Herrn von Katt , nicht ohne Wehmuth und Betrübniß des Herzens , und sagte ihm , › daß sein Ende näher sei , als er vielleicht vermuthe ‹ . Er fragte auch unerschrocken , › wann und um welche Zeit ? ‹ Da ich ihm solches hinterbracht , antwortete er mir : › es ist mir lieb ; je eher je lieber ‹ . Darauf hat ihm der Gouverneur v. Lepel Essen , Wein und Bier geschickt , wovon er auch gegessen und getrunken . Etwas später schickte der Herr Präsident von Münchow auch Essen und ungarischen Wein , wovon er auch genossen . Dann aber nahm unser Feldprediger Müller den dasigen Garnisonprediger Besser mit zur Hülfe und blieb in beständiger Arbeit mit ihm . Von 8 bis 9 Uhr war ich mit den anderen Offiziers bey ihm , und wir sangen und beteten mit . Weil aber die Prediger gern mit ihm allein sein wollten , gingen wir weg . Um 10 Uhr ließ man ihm Kaffee machen , davon er nachgehends drey Tassen getrunken ; meinen Kerl ( Burschen ) ließ ich die ganze Nacht bey ihm , ihm an die Hand zu gehen . Um 11 Uhr ging ich wieder zu ihm ; ich konnte nicht schlafen ; aber wenn ich noch so bekümmert und beängstet war , und sah ihn nur , so richtete und munterte seine Standhaftigkeit mich wieder auf . Und ich betete und sang mit bis um 1 Uhr morgens . Von 2 bis 3 Uhr sah man an der Couleur des Gesichts wohl einen harten Kampf des Fleisches und Blutes . Um diese Zeit hat der Prediger ihn gebeten , sich ein wenig aufs Bette zu legen , um für sein Gemüth neue Kräfte zu erlangen , welches er auch gethan , und von 3 bis 5 Uhr geschlafen , wo ihn das Ablösen des Postens aufgewecket . Darauf er communiciret . Wie das vorbey , ging ich wieder zu ihm . Da sagte er mir , sein Zeug , so er bey sich hätte , sollte mein Kerl haben , seine Bibel schenkte er dem Corporal , welcher sehr fleißig mit ihm gesungen und gebetet , insonderheit das oben benannte Lied , so oft er ohne den Prediger allein gewesen . Wie kurz vor 7 das Commando der Gens d ' Armes da war , fragte er mich : › Ob es Zeit wäre ? ‹ Wie ich solches mit Ja beantwortet , nahm er Abschied von mir , gieng hinaus , und das Commando nahm ihn in die Mitte ; der eine Prediger ging zur Rechten , der andre zur Linken , und beteten und sprachen ihm immer vor . Er gieng ganz frey und munter , den Hut unter dem Arm , nicht gezwungen noch affektirt , sondern ganz naturell weg . Er war ein Paar hundert Schritte längs dem Wall geführet , und waren die Zugänge des Walls militairisch besetzt , so daß wenig Menschen oben waren . Im Kreise ward ihm nochmals die Sentenz vorgelesen , ich kann aber hoch versichern , daß ich vor Betrübniß nichts gehöret habe , und wußt ' auch nicht drey Worte zusammen zu bringen . Bei Vorlesung der Sentenz stund er ganz frey ; wie solches vorbey , fragte er nach den Offiziers von den Gens d ' Armes , gieng ihnen entgegen und nahm Abschied . Hernach ward er eingesegnet . Darauf gab er die Peruque an meinen Kerl , der ihm eine Mütze darreichte , ließ sich den Rock ausziehen und die Halsbinde aufmachen , riß sich selbst das Hemd herunter , ganz frey und munter , als wenn er sich sonsten zu einer serieusen Affaire präpariren sollen , gieng hin , knieete auf den Sand nieder , rückte sich die Mütze in die Augen und fing laut selbst an zu beten : › Herr Jesu ! Dir leb ' ich ‹ usw. Weil er aber meinem Kerl gesagt , er sollt ' ihm die Augen verbinden , sich aber hernach resolviret , die Mütze in die Augen zu ziehen , so wollte der Kerl , der schrecklich consterniret , ihm immer noch die Augen verbinden , bis von Katt ihm mit der Hand winkte und den Kopf schüttelte . Darauf fing er nochmalen an zu beten : › Herr Jesu ! ‹ welches noch nicht aus war , so flog der Kopf weg , welchen mein Kerl aufnahm , und wieder an seinen Ort setzte . Seine Présence d ' Esprit bis auf die letzte Minute kann nicht genug admiriren . Seine Standhaftigkeit und Unerschrockenheit werde mein Tage nicht vergessen , und durch seine Zubereitung zum Tode habe