riß ich in meinen Haaren , so rannte ich mit dem Kopfe gegen die Mauer , so zog ich mein Messer aus der Scheide . - Richtig , « fuhr er gleich darauf mit dem ihm eigenen Lächeln fort , » von dem Messer muß ich Ihnen noch sagen , daß es dasselbe war ; ich hatte es in jenem Dorfe , wohin es , wer weiß durch welchen Zufall , gekommen , an mich gebracht . « Hier schwieg der Erzähler , zog sein duftendes Taschentuch hervor , wischte sich damit sorgfältig den blonden Schnurrbart und drückte es alsdann vor die Augen . Als er die Hand wieder niedersinken ließ , war der Ausdruck seines Blickes unaussprechlich weich , ja traurig . Er streckte seine Rechte dem Zuhörer entgegen , der sie mit beiden Händen umfaßte und innig drückte . - » Wenn Sie wüßten , « sagte er darauf mit weicher Stimme , » wie wohl es mir thut , wie es mein Herz erleichtert , endlich Jemand gefunden zu haben , zu dem ich ohne Rückhalt sprechen kann ! Aber hören Sie mich , mein Freund , - wenn ich meine Vergangenheit in Ihr Herz niederlege , « dies sprach er mit festerem Tone , » so muß es sich darüber schließen , wie das Grab über dem Todten , wie die Woge des Meeres über dem Versunkenen . Geloben Sie mir dies und ich werde fortfahren . Aber ehe Sie es thun , glauben Sie meiner Versicherung , daß Sie das Aergste aus meinem Leben noch nicht gehört ! - - Sind Sie stark genug , « sagte er nach einem augenblicklichen Stillschweigen mit gefälligerem Ausdruck der Stimme , » meine kleinen Geheimnisse bewahren zu können , so reichen Sie mir Ihre Hand , - Worte bedarf es weiter nicht . « Mit tiefer Bewegung ergriff Herr Beil abermals die dargebotene Rechte , drückte sie innig und der Baron fuhr fort : » Von da an wurde ich der Tollste der ganzen Zigeunerbande ; ich muß Ihnen sagen , daß man mich bis jetzt von gewissen Geschäften und Vorfällen beständig fern gehalten . Ich hatte meinen Unterhalt auf anständige und ehrliche Weise verdient , jetzt aber ließ ich den Hauptmann merken , daß ich nicht abgeneigt sei , auch an andern interessanten Unternehmungen Theil zu nehmen . Daß er bei dieser Erklärung vor Freuden außer sich war , schmeichelte meiner Eitelkeit ; er hatte aber auch alle Ursache dazu , denn trotz meiner damals noch feineren und schlankeren Gestalt nahm ich es , was Kraft anbelangt , mit Vieren auf , und wo mich Gewandtheit und List unterstützen konnten , fürchtete ich mich nicht vor einem Dutzend . Natürlich mit kleineren Geschichten wollte ich mich nicht abgeben ; ich sehnte mich nach etwas Großem , wo es Muth galt und Gefahr zu finden war . Wir zogen weiter , und wenige Tage nachher nahm mich der Hauptmann bei Seite und sagte : Wenn du etwas wagen willst , so können wir über vierundzwanzig Stunden reiche Leute sein . Natürlich willigte ich mit Freuden in Alles . - Heute Nacht , sprach er , geht einer der reichsten Gutsbesitzer des Landes nach der Hauptstadt ; er wird einige Bedienten bei sich haben , aber auch eine große Menge Geld ; wollen wir von den Andern mitnehmen oder wollen wir Beide es allein wagen ? - Wir Beide allein , entgegnete ich ihm . Er war damit einverstanden . Die Nacht kam , wir nahmen die besten Pferde und ritten gut bewaffnet aus ; es ging über eine Haide hinweg , das Wetter war stürmisch , der Wind pfiff über die Ebene , wir konnten kaum unsere Hüte halten . In einer kleinen Niederung , die mit Gebüsch bewachsen war , hielten wir . Es mochte Mitternacht sein , als wir von fern her das Rollen eines Wagens vernahmen ; er kam näher , vierspännig mit zwei Postillonen und zwei Bedienten auf dem Außensitz . Ich sprengte an die vordern Pferde und riß den einen Postillon vom Sattel , der Hauptmann an den Schlag , indem er Halt ! rief . Obgleich der Wagen augenblicklich hielt , knallten doch von allen Seiten Schüsse , die wir übrigens nicht beantworteten . Während der Hauptmann den Wagen bewachte , glitt ich zur Erde , zog auch den andern Postillon herab , ohne ihm ein Leides zu thun , und zwang die Beiden mit vorgehaltener Pistole , die unruhigen und schlagenden Thiere auszuspannen , die nun augenblicklich das Weite suchten . Daß ihnen ihre Reiter in größter Angst zu Fuß folgten , hinderte ich durchaus nicht , ja es erschien mir so komisch , daß ich ihnen ein lautes Gelächter nachsandte . Der Hauptmann hatte unterdessen gute Arbeit gemacht ; er zwang die beiden Bedienten ruhig auf ihrem Sitz zu bleiben , und ich trat nun an den Schlag des Wagens , hatte aber dabei die Vorsicht , im nächsten Augenblicke , nachdem ich mich gezeigt , auf die Seite zu springen , was sehr nothwendig war , denn der entschlossene Besitzer des Wagens schoß zweimal nach mir ; die Kugeln pfiffen an meinem Kopfe vorüber . Natürlich bat ich ihn jetzt sehr ernst und dringend , dergleichen zu unterlassen , und zog ihn aus dem Wagen hervor . Es war ein alter Herr , und da er ein lahmes Bein hatte und sein Krückstock im Wagen geblieben war , so mußte ich ihn auf einen Stein an der Straße niederlassen , was ich auch behutsam that , denn ich hatte mein kaltes Blut durchaus nicht verloren , die Expedition kam mir sehr ungefährlich vor . - Denken Sie sich aber , wie mir zu Muthe ward , als ich nun die Wagenlaterne herunter nahm , als der Schein derselben auf das Gesicht des alten Mannes fiel und ich trotz der langen Jahre und des einmaligen Sehens jene harten , starren Züge wohl erkannte . - Das Geschäft des Wagendurchsuchens ,