schwindendes Dunkel das Licht erst recht hell und fröhlich erscheinen läßt . Sie ist die reizende Aufgabe , an welcher sich ihr einzelner messen kann , und indem er dies tut , wird er erst zum ganzen Mann , und es tritt eine wundersame Wechselwirkung ein zwischen dem Ganzen und seinem lebendigen Teile . Mit großen Augen beschaut sich erst die Menge den einzelnen , der ihr etwas vorsagen will , und dieser , mutvoll ausharrend , kehrt sein bestes Wesen heraus , um zu siegen . Er denke aber nicht , ihr Meister zu sein ; denn vor ihm sind andere dagewesen , nach ihm werden andere kommen , und jeder wurde von der Menge geboren ; er ist ein Teil von ihr , welchen sie sich gegenüberstellt , um mit ihm , ihrem Kinde und Eigentum , ein erbauliches Selbstgespräch zu führen . Jede wahre Volksrede ist nur ein Monolog , den das Volk selber hält . Glücklich aber , wer in seinem Lande ein Spiegel seines Volkes sein kann , der nichts widerspiegelt als dies Volk , indessen dieses selbst nur ein kleiner heller Spiegel der weiten lebendigen Welt ist ! « Fünfzehntes Kapitel Jetzt war er auf dem Berge angekommen , der gegenüber der Stadt lag , und er sah plötzlich deren Linden hoch in den Himmel tauchen und die goldenen Kronen der Münstertürme in der Abendsonne glänzen . Weithin lag der See gebreitet mit seinen blauen Wassern , der grüne Fluß strömte ruhig aus demselben durch die Stadt hin , und Heinrich fand es in seiner Freude rührend und höchst zuverlässig , daß der Fluß während der sieben Jahre auch nicht einen Augenblick zu strömen aufgehört habe . Aber seine Augen hefteten sich sogleich wieder auf die goldene Abendstadt und entdeckten eine Menge neuer Häuser sowie eine viel erweiterte Ausdehnung am See und am Flusse hin . Nur das alte dunkle Gemäuer mit dem Kirchhof dicht zu seinen Füßen diesseits des Flusses war noch dasselbe , und das Totenglöcklein erklang traurig in demselben , während ein Sarg über die Brücke getragen wurde , welchem ein langer zahlreicher Trauerzug folgte , wie wenn ein Unbescholtener begraben wird , der lange an einem Orte gewohnt hat . Eine kleine Weile sah er dem langsam gehenden Zuge neugierig zu , bis derselbe an dem Berge emporzusteigen begann ; dann stieg er aber den steilen Staffelberg hinab , von dem ihm geträumt , daß er eine Kristalltreppe wäre , und machte sich dem Kirchhof zu , der nun von den Leuten angefüllt war ; denn er wollte , indem er im Vorbeigehen dem Begräbnis beiwohnte , gleich zum Gruße an die Vaterstadt eine gesellschaftliche Pflicht erfüllen und gedachte auch Dortchens , welche die Toten so sehr bedauerte , die vergehen und für immer aus der Welt scheiden müssen . Er trat mit den Leuten , die ihn nicht kannten , in das kleine Kirchlein und hörte deutlich den Geistlichen , der das Gebet zu sprechen hatte , den Namen seiner Mutter verkünden mit ihrem Geburts- und Todestage und die Zahl ihrer Jahre mit ihrem Herkommen und ihrem Stande . Ohne weiter zu hören , ging er hinaus und suchte das Grab , an welchem der Sarg stand auf der Bahre . Eben nahm der altbekannte Totengräber die obere schwarze Tuchdecke von demselben und legte sie bedächtig zusammen , dann die untere von weißer Leinwand , welche der Sitte gemäß eine Handbreit unter der schwarzen Decke hervorsehen muß , und endlich stand das bloße rosige Tannenholz da . Heinrich konnte nicht durch die Bretter hindurchsehen , er sah nur , wie jetzt der Sarg in die Erde gesenkt und mit derselben zugedeckt wurde , und er rührte sich nicht . Die Leute verliefen sich , unter denen Heinrich eine Menge sah und kannte , ohne sie doch zu sehen und zu kennen ; der Kirchhof leerte sich , und ein Mann nahm ihn bei der Hand und führte ihn auch fort . Es war der brave Nachbar , welcher auf seiner Hochzeitsreise ihn erst aufgesucht und ihm Nachricht von der Mutter gebracht hatte . Heinrich ging mit ihm über die Brücke und in die Stadt hinauf . Er betrachtete wohl alle Dinge auf dem Wege und warf hierhin einen Blick und dorthin einen und antwortete auch dem Nachbar ordentlich auf seine Fragen , die derselbe an ihn richtete , in der Meinung , ihn munter zu erhalten . Als sie in die Gasse gelangten , wo das alte Haus stand , wollte Heinrich , ohne etwas anderes zu denken , hineintreten ; aber fremde Leute sahen aus demselben , und der Nachbar führte ihn hinweg und in sein eigenes Haus , so daß also Heinrich nicht wieder in die Tür treten konnte , durch welche seine Jugend aus- und eingegangen . Als er bei dem Nachbar endlich in der Stube und von den guten glücklichen Leuten teilnehmend begrüßt war , erleichterte es ihr Benehmen gegen ihn , zu sehen , daß er in seinem Äußern in guten Umständen und in guter Ordnung erschien ; er fragte sie , indem er sich setzte , nun um seine Mutter , und sie erzählten ihm , was sie wußten . Nachdem sie lange in Kummer und stummer Erwartung auf ihren Sohn oder ein Zeichen von ihm gewartet , wurde sie gerade um die Zeit , als Heinrich sich im Herbste auf den Heimweg begeben hatte und dann im Hause des Grafen haftenblieb , aus ihrem Hause vertrieben , in welchem sie achtundzwanzig Jahre gewohnt ; denn nachdem es ruchbar geworden , daß sie jenes Kapital für ihren Sohn aufgenommen , von welchem nichts weiter zu hören war , hielt man sie um dieser Handlung willen für leichtsinnig und unzuverlässig und kündigte ihr die Summe . Da sie trotz aller Mühen dieselbe nicht aufs neue aufbringen konnte , indem niemand sich in diesen Handel einlassen zu dürfen glaubte , mußte sie endlich den Verkauf des Hauses erdulden und mit ihrer eingewohnten Habe , von