Bedingung störst ! « » Wunderlicher , einsinniger Mensch ! « versetzte Aurel . » Wenn es nicht anders sein kann , so muß ich mich ja wohl fügen . « Zur Bekräftigung seines Wortes reichte er Martell die Hand , zugleich aber wechselte er mit Gilbert einen bedeutungsvollen Blick , den der kluge Matrose vollkommen verstand . - Die übrige Tageszeit brachte der Kapitän mit Besprechungen zu , welche die künftige Einrichtung seiner Halbgeschwister betrafen . Martell nebst Frau , sowie Maja Simson und ihr Gatte , bei dem Sloboda eingekehrt war , nahmen lebhaften Antheil daran . Es ward beschlossen , zum nahen Osterfeste , bis wohin eine Ausgleichung möglich war , die bisherigen Wohnungen zu verlassen und diejenigen Besitzungen zu beziehen , welche Haideröschens Tochter , also Maja , rechtmäßig zugehörten . Dies waren der Zeiselhof nebst einigen dazu gehörigen Ortschaften , Vorwerken , Meiereien und Mühlen . Aurel wünschte dies schon deshalb , weil er sich möglichst bald mit Elwiren zu vermählen gedachte und alsdann wieder entweder nach Hamburg oder in irgend eine andere große Stadt sich übersiedeln wollte , da ihm das stille und eintönige Leben eines Landedelmanns nicht für lange Zeit behagen konnte . Sloboda fühlte sich nunmehr wahrhaft glücklich . Er konnte sich von der Tochter seines geliebten Kindes gar nicht mehr trennen , folgte ihr auf Schritt und Tritt und war im Stande Stundenlang vor ihr zu sitzen , sie mit seinen gutmüthigen hellblauen Augen fröhlich lächelnd zu betrachten und vergnügt sich die Hände zu reiben . Die Freude , schien es , hatte den Geist des alten Mannes so heftig erschüttert , daß eine sich meldende Verstandesschwäche , eine Rückkehr in die Kindheit kaum mehr zu bezweifeln stand . Ihm war es daher auch ganz gleichgiltig , wohin seine Enkel sich jetzt wendeten . Nur immer bei ihnen zu bleiben und ruhig die letzten Tage seines Lebens auf dem Boden , der ihn geboren hatte , zu beschließen , wünschte er sehnlichst und sprach es wiederholt aus . Seltsamerweise ließ den ehrwürdigen Greis die Nachricht von dem schrecklichen Ende Klütkens ganz unberührt . Er nahm sie hin , wie etwas Alltägliches , sah mit ernster Miene drein , da er die bestürzten und betroffenen Gesichter der Uebrigen bemerkte , aber sein Herz wußte offenbar nichts davon . Diese schnelle unerwartete Verwandlung des alten Wenden machte seine Freunde sehr besorgt um ihn , und ließ sie stillschweigend der Aeßerung Aurels beistimmen , welcher Gilbert zuflüsterte : » Es geht eilig mit ihm zu Ende ! Deshalb müssen auch wir uns sputen . « Gegen Abend kehrte Aurel auf die Insel zurück , um Herta und Elwire nicht länger allein ihren Gram zu überlassen . Um Mitternacht , wo Martell seine letzte Zusammenkunft mit Adrian halten wollte , versprach ihn der Kapitän am Ufer des Sees zu treffen , was der ehemalige Spinner zusagte . Gilbert erhielt von Aurel den Auftrag , erst mit Martell , aber ungesehen von ihm , nach Boberstein zu kommen und alsdann wo möglich das Zusammentreffen desselben mit dem Fabrikherrn zu belauschen , damit jedes Unglück verhindert werden könnte , wenn ja die beiden feindlichen Brüder einander Böses sollten zufügen wollen . So waren menschlicher Berechnung nach alle Vorsichtsmaßregeln getroffen , um einen etwa gefährlichen Plan des verschlossenen Spinners zu vereiteln , und die Sorge Aurels um beide Brüder verminderte sich merklich . Herta und Elwire fand der Kapitän ziemlich gefaßt in Bianca ' s Gesellschaft . Er hütete sich wohl , von der Ermordung des Unglücklichen zu sprechen , aber es freute ihn , daß Elwire heiße Thränen des Andenkens dem unwürdigen Vater weinte . - Es war schon spät , als Bianca die Trauernden verließ , um in ihr noch nicht gelöstes Dienstverhältniß zu Adrian zurückzukehren . Sie hatte Herta entdeckt , welchen Frevel der Graf an ihrer Schwester begangen , wie sie dafür Rache genommen und welche qualvolle Strafe sie über den gewissenlosen Verführer verhangen . Sie versprach den hinlänglich Gestraften , dem sie eine aufreibende Neigung eingeflößt hatte , zu Ostern für immer zu verlassen und in den Schooß häuslichen Friedens bei ihren neu erworbenen Freunden zurückzukehren . Von der neuerdings beabsichtigten Vergiftung des inzwischen Ermordeten , wozu sie die Hand hatte reichen sollen , schwieg sie . Wie gewöhnlich versah auch Bianca an diesem Abend bei Tisch das Amt einer Dienerin mit der ihr eigenen Anmuth und Grazie . Adrian suchte sich möglichst zu beherrschen , um nicht den schrecklichen Hohn der grausamen Schönen zu reizen und sich durch eigene Schuld brennende Schmerzen zu bereiten , allein ganz vermochte er seinem Vorsatze nicht treu zu bleiben , und so suchte denn sein Blick mehr als einmal mit flehender Sehnsucht das diabolisch lächelnde Auge seiner entzückenden Peinigerin . Von dieser unseligen Leidenschaft abgesehen , war Adrian seit Mittag ein fast heiterer und glücklicher Mensch geworden . Der Tod Klütken-Hannes ' entriß ihn plötzlich aller Sorge . Der gefürchtete Bruder war von Mörderhand gefallen , ohne daß er eine Ahnung davon gehabt hatte ; mit dem Ermordeten war das Geheimniß begraben , das ihm ( dem Grafen ) noch schwere Stunden und ein trübes Schicksal hätte bereiten können . Niemand konnte jetzt gegen ihn klagen , ihn als Mörder denunciren ; denn die etwaigen Aussagen Blutrüssels , von dem er von jeher nichts hatte wissen wollen , konnten ihn selbst in keiner Weise compromittiren . Bianca blieb bis nach zehn Uhr bei Adrian , dann verabschiedete sie der Graf , indem er um die Vergünstigung bat , sie küssen zu dürfen . » Weshalb ? « fragte die Schöne . » Sie wissen , daß ich Sie hasse , Ihnen alles nur mögliche Böses wünsche , daß ich , so lange es mir vergönnt ist , als Furie um Ihr Lager wandeln werde . Wie also können Sie mich küssen wollen ? « » Um Sie zu versöhnen , armes , verblendetes Kind ! Es ist dies ja meine Pflicht . Oder sehen Sie nicht